1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Energie
  4. Uniper macht fast zehn Milliarden Euro Gewinn – was das für die Aktie bedeutet

EnergiebrancheUniper macht fast zehn Milliarden Euro Gewinn – was das für die Aktie bedeutet

Der vom Staat gerettete Energiekonzern hat die Krise hinter sich gelassen. Wer über einen Kauf der Aktie nachdenkt, sollte aber fünf Dinge wissen.Catiana Krapp 31.10.2023 - 12:50 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Uniper macht ein Jahr nach der Rettung durch den Staat wieder Milliardengewinne.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Fast ein Jahr nach der Rettung durch den Staat fährt der Energiekonzern Uniper Rekordgewinne ein. In den ersten neun Monaten ist das Konzernergebnis auf 9,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern einen Verlust von 40,3 Milliarden Euro verbucht.

Die Aktie stieg am Dienstag zeitweise um neun Prozent auf bis zu 4,86 Euro, gab Teile der Gewinne im Verlauf aber wieder ab. Wer als Anleger nun allerdings überlegt, Aktien von Uniper zu kaufen, sollte über die folgenden Punkte Bescheid wissen:

1. Die Uniper-Aktien gehören zu einem Großteil dem Staat

Der deutsche Staat hat Uniper vor rund einem Jahr zu 99,12 Prozent übernommen, um das Unternehmen vor einer Pleite zu retten. Der Energiekonzern hatte zuvor kein Gas mehr aus Russland erhalten und musste die Gasmengen, die das Unternehmen seinen Kunden schuldete, teuer am Markt einkaufen. So bezahlte Uniper für das zugekaufte Gas mehr, als es daran verdiente.

Entsprechend gering ist noch der Anteil der im Umlauf befindlichen Aktien. Vergleichsweise wenige Handelsbewegungen können also zu größeren Kursausschlägen führen.

Der Bund muss aufgrund von EU-Vorgaben bis spätestens 2028 seine Anteile bis auf 25 Prozent der Aktien wieder verkaufen – entweder an der Börse oder an einen oder mehrere große Einzelinvestoren. Wie der Staatsausstieg ablaufen soll, muss Uniper der EU-Kommission bis Ende dieses Jahres in einem sogenannten Exit-Plan erklären.

Ob private Aktionäre Genaueres über diesen Plan erfahren, ist allerdings unklar. Bei einer Konferenz mit Analysten am Dienstag sagte Uniper-Finanzchefin Jutta Dönges: „Dieser Plan wird der Europäischen Kommission präsentiert, nicht der Öffentlichkeit. Ich gehe davon aus, dass der Exit-Plan nicht veröffentlicht wird.“

Im Gegensatz dazu hatte Philipp Steinberg, Abteilungsleiter für Wirtschaftsstabilisierung und Energiesicherheit im Wirtschaftsministerium, im September auf der Gas-Tagung des Handelsblatts gesagt: Die Bundesregierung stimme die Exit-Pläne derzeit mit Uniper ab und werde diese „zum Ende des Jahres dann auch der staunenden Öffentlichkeit und insbesondere der EU-Kommission vorstellen“.

Unklar ist bislang, was mit den Anteilen der Bestandsaktionäre geschieht, wenn sich der Staat als Eigentümer wieder zurückzieht.

2. Der Konzern darf derzeit keine Dividende zahlen – das könnte sich ändern

Uniper darf keine Gewinnbeteiligung ausschütten, solange das Unternehmen in seiner Bilanz nach Handelsgesetzbuch einen Verlust ausweist. Im Jahresbericht für 2022 lag der Bilanzverlust bei 24,2 Milliarden Euro.

Um das zu ändern, ergreift Uniper mehrere Maßnahmen. Eine davon betrifft Aktionäre direkt: Uniper reduziert die Anzahl der Aktien drastisch – aus jeweils 20 Anteilsscheinen wird einer.

Zudem setzt der Konzern den Nennwert seiner Aktien von jeweils 1,70 Euro auf einen Euro herab. Für Aktionäre ist das nicht unbedingt eine schlechte Nachricht: Wenn der Aktienkurs infolge der Aktion steigt, gewinnen ihre Anteile an Wert. Die Maßnahmen sollen am 8. Dezember von einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen werden.

Somit könnte Uniper ab 2024 theoretisch wieder eine Dividende ausschütten, wie Finanzchefin Dönges am Dienstag vor Analysten erklärte. Ob das Unternehmen dies auch tut, muss allerdings der Staat entscheiden. „Konkrete Pläne zu den Bedingungen und zeitlichen Abläufen eines Verkaufs der Staatsanteile sind nicht mit den Maßnahmen verknüpft“, sagte Dönges.

3. Die hohen Gewinne sind eine Ausnahme

Bei dem Konzernergebnis von 9,8 Milliarden Euro, das Uniper für die ersten neun Monate dieses Jahres vorgelegt hat, handelt es sich um das unbereinigte Ergebnis. Der bereinigte Gewinn ohne Zinsergebnis und vor Steuern (Ebit) liegt bei rund 5,5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt Uniper ein bereinigtes Ebit von sechs bis sieben Milliarden Euro an.

Profitiert hat Uniper von den gesunkenen Gaspreisen, weil das Unternehmen Gas so wieder günstiger einkaufen als verkaufen kann. Außerdem verdient Uniper aufgrund der verhältnismäßig hohen Strompreise gut an seinen Kohle- und Gaskraftwerken.

Uniper-Finanzchefin Jutta Dönges erwartet, dass die Gewinne sich normalisieren.

Foto: Uniper

Energiehändler wie Uniper können grundsätzlich besonders gute Geschäfte machen, wenn es an den Märkten hohe Preisschwankungen gibt. Die dürften in Zukunft aller Voraussicht nach nicht so stark ausfallen wie in den vergangenen Monaten. Dönges sagte am Dienstag: „Dieses Ergebnis und der Ausblick sind im Wortsinn außerordentlich, und ich erwarte nicht, dass wir Ergebniszahlen in dieser Höhe in den nächsten Jahren wieder sehen werden, wenngleich wir optimistisch nach vorn blicken.“

4. Unipers Erfolg baut auf Staatsmilliarden auf – und der Konzern prüft Rückzahlungen

In der Energiekrise hat der Staat ein Rettungspaket in einem Umfang von bis zu 33 Milliarden Euro für Uniper geschnürt. Tatsächlich erhalten hat Uniper davon nur 13,5 Milliarden Euro.

Allerdings hat der Konzern selbst dieses Geld womöglich nicht vollständig gebraucht, wie Finanzchefin Dönges sagte: „Wir schauen uns gerade an, ob die 13,5 Milliarden Euro die Menge waren, die tatsächlich zur Stabilisierung von Uniper notwendig war, oder ob eine Überkompensierung vorliegt.“ Womöglich muss also Geld an den Bund zurückfließen.

5. Unipers Investitionspläne sind noch vage

Uniper hat im August eine neue Strategie vorgestellt – sie enthält allerdings noch einige Fragezeichen. Der Konzern will bis 2030 rund acht Milliarden Euro investieren, um die eigenen Geschäftsbereiche nachhaltiger aufzustellen. Bis dahin soll Uniper mehr als 80 Prozent seiner Kraftwerke zur CO2-freien Stromproduktion nutzen und bis 2029 aus der Kohleverstromung aussteigen.

Dazu müssen die Kohlekraftwerke mit einer aktuellen Kapazität von sechs Gigawatt schrittweise vom Netz gehen. Klar ist zudem bereits, dass Uniper aufgrund der EU-Auflagen bis 2026 sein Steinkohlekraftwerk Datteln 4 verkaufen muss.

Fraglich ist, inwieweit sich Uniper am von der Bundesregierung anvisierten, groß angelegten Aufbau von Gaskraftwerken beteiligen wird. Auf die Frage, ob Uniper neue Gaskraftwerke in Deutschland bauen wolle, sagte Finanzchefin Dönges am Dienstag: „Die Antwort lautet klar: ja.“

Verwandte Themen
Uniper
EU-Kommission
Europäische Union

Im Hinblick auf Details zur Vergütung solcher Kraftwerke, die die Bundesregierung noch bekannt geben will, sagte sie: „Das ist natürlich sehr wichtig für uns, da es die Grundlage für einen Teil unserer Kraftwerksstrategie ist.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt