Energiewirtschaft: Aufbau der Infrastruktur stockt: Streit um das deutsche Wasserstoffnetz
Braucht es neben Pipelines schon bald ein flächendeckendes Netz von Wasserstoff-Tankstellen? Auch darüber herrscht Streit.
Foto: scharfsinn86 - stock.adobe.comMünchen. Grüner Wasserstoff soll Deutschland auf lange Sicht unabhängiger von russischem Erdgas machen. Dafür brauche es jetzt vor allem „schnell mehr Wasserstoffpipelines“, forderte der CSU-Vorsitzende Markus Söder erst vor ein paar Tagen. Es gibt nur ein Problem: Beim Aufbau der grünen Infrastruktur geht es kaum voran.
„Das Interesse an Wasserstoff in Europa ist riesig“, sagt Matthias Jenn. Doch dem Geschäftsführer der Bayernets GmbH, eines Fernleitungsnetzbetreibers (FNB), der Bayern mit Erdgas versorgt, kann niemand erklären, wo der grüne Wasserstoff (H2) aus erneuerbarem Strom überhaupt herkommen soll.
Technisch sei es kein Problem, eine Erdgasleitung für den Wasserstofftransport umzuwidmen. Sorgen macht Jenn, dass der Süden Deutschlands weit weg liegt von Häfen wie Rotterdam, wo Wasserstoff anlanden könnte. Oder den Nordsee-Windparks, die ihn produzieren sollen. Näher in „der H2-Fresskette“ liegen die großen Industriestandorte im Ruhrgebiet, mit Abnehmern wie Stahlproduktion und Raffinerien.
Weil der Ausbau der Erneuerbaren und einer geplanten Stromnetztrasse in den Süden kaum vorangeht, sei man perspektivisch erst einmal weiter auf klimaschädliches Erdgas angewiesen. Deshalb lässt Jenn aktuell zumindest keine Leitungen für den Wasserstofftransport umwidmen.