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Energie

Erdgas Gazprom will mit Dumpingpreisen in Europa expandieren

Der russische Konzern hat einen Verdrängungswettbewerb in Europa begonnen. Gazprom will mit Kampfpreisen die Konkurrenten vom Markt vertreiben.
28.03.2020 - 16:20 Uhr Kommentieren
In Zeiten der Krise versucht der Konzern, mit aller Macht seine dominante Marktstellung zu halten und auszubauen. Quelle: Reuters
Gasfeld von Gazprom

In Zeiten der Krise versucht der Konzern, mit aller Macht seine dominante Marktstellung zu halten und auszubauen.

(Foto: Reuters)

Moskau Der Winter war warm in Deutschland – zu warm eigentlich. Im Dezember lag die Durchschnittstemperatur drei Grad über dem langjährigen Mittel, im Januar und Februar sogar jeweils mehr als vier Grad. Die erfreuliche Nebenwirkung des eher faden Winters: Es musste deutlich weniger geheizt werden – nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den Nachbarn.

Die Verbraucher freut das, die Versorger blieben vielfach auf ihrem Gas sitzen. Und so sind die Gasspeicher zum Winterende in Europa durchschnittlich noch zu 55,5 Prozent gefüllt. Das ist der höchste Wert überhaupt in der Geschichte. In manchen Jahren hatten die Europäer zu Winterbeginn gerade einmal so viel in ihre Speicher gepumpt.

Der Weltmarktpreis ist daher schon seit Monaten rückläufig. Die Ölpreiskrise hat den Verfall weiter beschleunigt. An der niederländischen Handelsplattform TTF, einer der wichtigsten Gasbörsen in Europa, wird der Rohstoff daher inzwischen zu einem Preis von unter 90 Dollar pro 1000 Kubikmeter gehandelt.

Und ausgerechnet in dieser Situation erhöht der russische Gasriese Gazprom seine Verkäufe in diesem Segment. Hatte Gazprom im vergangenen Jahr 14,1 Milliarden Kubikmeter über die die eigene elektronische Handelsplattform ETP abgesetzt, so sind es seit Jahresbeginn schon weit mehr als 8,6 Milliarden Kubikmeter. Im März verkaufte Gazprom bisher bereits 2,46 Milliarden Kubikmeter Gas zu Spotpreisen. Auf das Jahr hochgerechnet entspräche das dem 2,5-fachen des Vorjahres.

Allerdings sind die Einnahmen dabei deutlich gefallen. Kosteten 1000 Kubikmeter Gas vor einem Jahr noch mehr als 200 Dollar, so sind es seit Jahresbeginn nur noch durchschnittlich 113 Dollar.

In Zeiten der Krise versucht der Konzern, mit aller Macht seine dominante Marktstellung zu halten und auszubauen. Immerhin kam zuletzt gut ein Drittel des von der EU importierten Gases von Gazprom. Allerdings wurde die Konkurrenz zuletzt vor allem durch Flüssiggas (LNG) aus den USA, aber auch vom russischen Konkurrenten Novatek immer stärker.

Gazprom geht volles Risiko

Lange Jahre hat sich Gazprom gegen den Spotmarkt gewehrt und sein Pipelinegas über Langzeitverträge in Europa abgesetzt. Auch als Gazprom schließlich vor eineinhalb Jahren die ETP in Betrieb nahm, diente sie ursprünglich nur als „zusätzliches Mittel zur Optimierung unserer Gaslieferungen“, wie die Chefin von Gazprom Export, Jelena Burmistrowa erklärte.

Doch inzwischen ist die ETP in Konkurrenz zu den eigenen traditionellen Lieferungen getreten, indem Gazprom die Preise im elektronischen Handel massiv gesenkt hat. An der ETP ist Gas um ein Drittel günstiger als über die Langzeitverträge. Dementsprechend steigen viele Gazprom-Kunden auf die ETP um.

Möglicherweise verschärft Gazprom mittels ETP bewusst den Konkurrenzkampf, um LNG-Konkurrenten vom europäischen Markt zu drängen, vermutet Fitch-Unternehmensanalyst Dmitri Marintschenko. Das Kalkül dahinter ist einfach: Gazprom rechnet damit, dass die teureren LNG-Produzenten preislich nicht mehr mithalten können, aufgeben und sich vom europäischen Markt zurückziehen müssen.

Doch mit der Strategie geht Gazprom auch volles Risiko. Der eigene Haushalt wurde auf der Grundlage eines Gaspreises von 200 Dollar pro 1.000 Kubikmeter aufgestellt. Der Konzern hat immer noch teure Bauprojekte wie beispielsweise die Fertigstellung von Nordstream2 zu bewältigen. Bei einem Gaspreis auf diesem Niveau wird das Unternehmen einige Investitionen neu überdenken müssen.

Und die Prognosen sind trübe: Das Oxford Institute for Energy Studies sieht den Sommer als Tiefpunkt. Bleibt der Gaspreis am Spotmarkt aber dauerhaft unter 100 Dollar pro 1000 Kubikmeter, wird es auch für Gazprom zunehmend unbequem, die Verkäufe auf Kosten langfristiger Lieferverträge in diesen Bereich umzuschichten. Selbst bei den relativ niedrigen Förderkosten Gazproms kann das Unternehmen bei einem solchen Preisniveau kaum noch Gewinn erzielen, meint Marintschenko.

Mehr: Im Ölpreisstreit zwischen Russland und Saudi-Arabien dürfte die Vernunft siegen

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