Interview: „Wir riskieren eine schleichende Deindustrialisierung“ – So warnt der RWE-Chef vor einer falschen Energiepolitik
Der Chef von Deutschlands größtem Stromproduzenten präsentierte die Strategie für die nächsten Jahre. RWE will bis 2030 rund 50 Milliarden Euro investieren.
Foto: ReutersDüsseldorf. RWE-Chef Markus Krebber fordert von der neuen Bundesregierung, den ambitionierten Ankündigungen bei der Energiewende rasch Taten folgen zu lassen: „Die Zeit drängt“, sagte Krebber im Interview mit dem Handelsblatt: „Wenn Deutschland die Ziele für 2030 erreichen will, braucht es Ende nächsten Jahres Klarheit über alle relevanten Rahmenbedingungen.“
So müsse rasch geklärt werden, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Genehmigungsverfahren für die Netze konkret beschleunigt werden.
Der Chef von Deutschlands größtem Stromproduzenten fordert vor allem Tempo beim Ausbau der Stromerzeugung: „Es muss alles gebaut werden, was geht: Windenergie offshore und onshore, Solarenergie, Speicher.“ Die größte Herausforderung sei aber der Bau von Gaskraftwerken, die später auf Wasserstoff umgestellt werden können.
Schon jetzt würden Industrieunternehmen ihre Produktion drosseln, um Stromangebot- und nachfrage in der Balance zu halten. „Wenn das zur Regel wird, riskieren wir eine schleichende Deindustrialisierung“, warnte Krebber.
Vor wenigen Wochen hatte sich schon Eon-Chef Leonhard Birnbaum im Handelsblatt-Interview besorgt über die deutsche Energieversorgung geäußert. Er forderte mehr Tempo beim Ausbau des Stromnetzes, damit dieses mit dem Zubau von Wind- und Solaranlagen mithalten kann.