N-Power fusioniert mit SSE: Innogy zieht in England den Stecker
Schwieriger Markt für Energie-Versorger.
Foto: imago/imagebrokerLondon, Düsseldorf. Vor 15 Jahren witterten die deutschen Energiekonzerne auf dem britischen Strom- und Gasmarkt das große Geschäft. Zunächst kaufte Eon für acht Milliarden Euro den Versorger Powergen, dann setzte RWE gut vier Milliarden Euro ein und sicherte sich die Marke N-Power. Es waren damals die ersten großen Expansionsschritte der deutschen Energiekonzerne im Ausland. Der britische Markt lockte mit hohen Wachstumsraten und attraktiven Renditen.
Von der damaligen Euphorie ist heute aber gar nichts mehr übrig. Großbritannien gilt als einer der härtesten Energiemärkte Europas. Eon und RWEs Spin-off Innogy, das im vergangenen Jahr neben den erneuerbaren Energien und dem Netzgeschäft auch den Vertrieb übernommen hat, kämpfen seit Jahren gegen immer neue Wettbewerber und den Verlust von Kunden.
Innogy-Chef Peter Terium zieht jetzt harte Konsequenzen und leitet den Rückzug aus dem Vertrieb von Strom und Gas an Privatkunden in Großbritannien ein. Innogy fusioniert die Tochter N-Power mit dem Endkundengeschäft des Konkurrenten SSE in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen. Damit entsteht ein neuer Branchenriese, der rund zwölf Millionen Kunden mit Strom und Gas versorgt und einen Marktanteil von 23 Prozent haben wird. Innogy wird an der börsennotierten Gesellschaft 34,4 Prozent halten, SSE 65,6 Prozent. Terium deutete aber an, dass sich sein Unternehmen bald auch komplett zurückziehen könnte. Es handele sich nicht mehr um „eine strategische, sondern um eine Finanzbeteiligung“. Innogy sei verpflichtet die Aktien ein halbes Jahr zu halten, und was danach passiere sei offen.