PNE Wind AG: Aufsichtsrat feuert Vorstandschef und sich selbst
„Endlich ist der Weg frei für einen Neuanfang.“
Foto: dpaCuxhaven. Der Vorstandschef klang wie immer. Kühl und nüchtern präsentierte Martin Billhardt noch am Montag die aktuellen Halbjahreszahlen seiner PNE Wind AG. Die Analysten ließen sich den um 40 Prozent eingebrochenen Umsatz erklären und weshalb unterm Strich trotzdem ein Plus von 18,4 Millionen Euro steht. Kaum einer ahnte in diesem Moment, dass dies Billhardts letzte Telefonkonferenz werden sollte.
Vier Tage später ist klar: Einer der größten Windparkbauer Deutschlands steht vor einem Neuanfang. Wie die PNE Wind AG nach einer Aufsichtsratssitzung am Freitag mitteilte, verlässt der Vorstandsvorsitzende zum 30. September das Cuxhavener Unternehmen. Mit Billhardt soll auch der gesamte Aufsichtsrat des Projektentwicklers abtreten. Alle Mitglieder des Kontrollgremiums erklärten sich demnach bereit, ihr Mandat zum Ablauf der nächsten Hauptversammlung niederzulegen. Diese soll am 23. Oktober stattfinden.
Sein Vertrag bei PNE Wind lief noch bis 2017.
Foto: HandelsblattEs ist der Showdown eines monatelangen, teils grotesken Machtkampfes. Der Aufsichtsrat war zerstritten, teilte sich in zwei Lager. Auf der einen Seite stand Chefaufseher Dieter Kuprian. Auf der anderen Großaktionär Volker Friedrichsen. Kuprian hielt zu Vorstandschef Billhardt. Friedrichsen wollte beide loswerden. Im Juli bewegten sich beide Seiten aufeinander zu. Nun tritt das Gremium geschlossen zurück.
Aus dem Aufsichtsrat war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Nach Handelsblatt-Informationen hatte Großaktionär Friedrichsen darauf bestanden, dass Billhardt geht. Der Investor, der rund 15 Prozent der PNE-Aktion hält, dürfte damit eine satte Abfindung für den scheidenden Vorstandschef in Kauf genommen haben. Billhardts Vertrag lief noch bis 2017. Allein für das vergangene Jahr bezog der CEO laut Geschäftsbericht 1,4 Millionen Euro.
Die Aktie der PNE Wind AG gewann nach Bekanntwerden der Einigung fast fünf Prozent an Wert. Die Deutsche Balaton AG, die rund zwei Prozent der Anteile an PNE hält, wertete das Ende des Machtkampfs positiv: „Endlich ist der Weg frei für einen Neuanfang“, sagte Rolf Birkert dem Handelsblatt. Der Vorstand der Balaton AG hatte stets die Neuwahl des gesamten Aufsichtsrats bei PNE gefordert. Birkert zeigte sich optimistisch, dass jetzt ein neues, „unabhängiges Kontrollgremium“ gewählt wird.
„Wenn der Machtkampf nicht bald beigelegt worden wäre, hätte das zukünftig zu Bremsspuren bei PNE führen können“, sagte Arash Roshan Zamir, Analyst bei Warburg Research. Die ständigen internen Auseinandersetzungen hätten sich „negativ auf die Anlegerstimmung“ ausgewirkt, da zu befürchten gewesen sei, dass der Vorstandsvorsitzende mehr Energie in den Machtkampf als in das operative Geschäft investiere.