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Start-upVoltfang sammelt Millionen ein und baut Gigafabrik

Wegen des Booms auf Energiespeicher will das kleine Start-up Voltfang aus Aachen seine Produktionskapazitäten verzehnfachen und sammelt frisches Geld ein.Kathrin Witsch 13.06.2025 - 12:02 Uhr Artikel anhören
Produktion von Voltfang in Aachen: Das Unternehmen will seine Kapazitäten erheblich ausbauen. Foto: Voltfang.

Düsseldorf. Vor fünf Jahren haben drei junge Ingenieure das Start-up Voltfang gegründet. Inzwischen können sie sich vor Aufträgen kaum retten. Der Hersteller für große Netzspeicher profitiert von dem Boom auf Großbatterien.

Innerhalb von einem Jahr hat sich die Produktion des Unternehmens verdreifacht. Jetzt will Voltfang seine Kapazitäten in Aachen erheblich ausbauen. Von 100 Megawattstunden auf eine Gigawattstunde bis 2030. „Wir haben schon im ersten Quartal unsere Produktionskapazitäten für das gesamte Jahr verkauft und planen jetzt Aufträge für 2026“, sagt Mitgründer und Voltfang-Chef David Oudsandji.

Um das Ganze zu finanzieren, hat das Unternehmen in einer neuen Runde außerdem 15 Millionen Euro eingesammelt. Investoren sind unter anderem der Berliner Wagniskapitalgeber PT1, die Niederländer von Forward One sowie das Family-Office des Bielefelder Bauunternehmens Goldbeck.

„Wir könnten sogar noch deutlich mehr produzieren, aber natürlich sind einige verunsichert von der Diskussion um 20 Gigawatt an neuen Gaskraftwerken“, sagt Oudsandji.

Gaskraftwerke gegen Batteriespeicher

Speicher gelten als Teil einer Lösung für das größte Problem der Energiewende: Wind- und Solaranlagen produzieren nur dann Strom, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. An windstillen Tagen im Winter kann das zu stundenweise exorbitant hohen Strompreisen führen. Experten sprechen von einer „Dunkelflaute“, wenn beide Energielieferanten ausfallen.

Die neue Bundesregierung setzt allerdings vor allem auf Gaskraftwerke. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat bereits neue Anlagen mit einer Leistung von 20 Gigawatt angekündigt. Ihr Vorgänger Robert Habeck (Grüne) wollte gerade mal zwölf Gigawatt bauen lassen.

Über die genaue Anzahl an benötigten Kraftwerken und welche Rolle andere Technologien wie Speicher oder Biogas spielen können, herrscht in der Energiewelt eine rege Debatte.

Im aktuellen Entwurf für den Netzentwicklungsplan geht die Bundesnetzagentur von einem Bedarf an Speicherkapazitäten von bis zu 168 Gigawatt in Deutschland im Jahr 2045 aus. Davon entfällt etwa ein Drittel auf Großbatterien.

Der Hochlauf ist bereits in vollem Gange. Nach Zahlen der RWTH Aachen ist die installierte Kapazität der Großspeicher 2024 auf rund 2,2 Gigawattstunden (GWh) gewachsen. Ein Jahr zuvor waren es nur 1,5 GWh.

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Die Speicherbranche profitiert vor allem von massiv gesunkenen Herstellungskosten und den stark schwankenden Strompreisen an der Börse. In Zeiten von zu viel Strom kann die Energie zu niedrigen oder sogar negativen Preisen eingekauft werden, um ihn wenige Stunden später gewinnbringend zu verkaufen. Speicher können aber auch netzdienlich eingesetzt werden, um kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.

Anbieter von solchen Großbatterien für Stromnetz und Gewerbe sind neben Voltfang hierzulande Tesvolt oder die Siemens-Tochter Fluence. Aber auch chinesische Weltmarktführer wie CATL haben den deutschen Markt für sich entdeckt.

Neun Megawattstunden Kapazität: Der neue Großspeicher Tener von CATL. Foto: CATL

Auf der Intersolar in München stellte der Batteriegigant erst vor kurzem die weltgrößte Speicherlösung für das Stromnetz vor: Ganze neun Megawattstunden Kapazität bringt das neue Modell. Bislang ist eher eine Speicherkapazität von knapp über sechs Megawattstunden üblich.

CATL konnte nur so groß werden, weil der politische Wille in China dahinterstand. Das fehlt hier in Deutschland mit Blick auf die heimische Industrie.
David Oudsandji
Voltfang-Chef

In Deutschland arbeitet CATL schon jetzt mit DHL zusammen, um die Standorte des Logistikunternehmens auszustatten. Die günstigen Wettbewerber aus China sind eine schlagkräftige Konkurrenz, vor allem für kleine Start-ups wie Voltfang.

„CATL konnte nur so groß werden, weil der politische Wille in China dahinterstand. Das fehlt hier in Deutschland mit Blick auf die heimische Industrie“, sagt Oudsandji. In Österreich gebe es dafür schon eine Lösung: Prämien für europäische Hersteller.

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Noch läuft das Geschäft für Voltfang aber auch ohne Prämie. Für die neue Fabrik hat sich das Jungunternehmen ausgerechnet die ehemaligen Hallen des einstigen deutschen E-Auto-Hoffnungsträgers Ego ausgesucht. Gründer Günther Schuh wollte ein bezahlbares Elektroauto für den Alltag groß machen, ist damit am Ende allerdings gescheitert.

Erstpublikation: 12.06.2025, 06:51 Uhr.

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