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  4. Tönnies: Behörden beraten am Donnerstag erneut über Wiedereröffnung

Corona-AusbruchGütersloher Landrat: „Irgendwann werden wir Tönnies die Rechnung präsentieren“

Die Behörden kontrollieren, wo Tönnies sein Hygienekonzept nachbessern muss. Die Kreisverwaltung will ihre Kosten weiterreichen – zur Not vor Gericht.Michael Verfürden 07.07.2020 - 16:31 Uhr

Die Bundeswehr hat Soldaten nach Gütersloh geschickt, die unter anderem bei den Massentests helfen sollten.

Foto: dpa

Düsseldorf. Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies ist noch immer offen, wann das Hauptwerk in Rheda-Wiedenbrück wieder öffnen kann. Der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer hat auf einer Pressekonferenz am Dienstag deutlich gemacht, dass das Unternehmen „noch viele Hausaufgaben“ zu erledigen habe. „Ich wage keine Prognose, wann und wie das Werk wieder arbeiten kann“, sagte der CDU-Politiker.

Adenauer machte zudem deutlich, dass er die Kosten, die der Kreis zur Bewältigung der Krise aufwenden muss, an Clemens Tönnies weiterreichen will. „Wir werden ihm irgendwann die Rechnung präsentieren“, so der Landrat.

Das Unternehmen hatte sich bislang lediglich bereiterklärt, die Massentests im Kreis Gütersloh zu bezahlen. „Der Deckel wird aber mit Sicherheit größer werden. Immerhin hat Tönnies die Ursache für viele Kosten gesetzt“, so Adenauer. Möglicherweise werde es auch zu einer Auseinandersetzung vor Gericht kommen.

Behördenvertreter und Hygieneexperten setzen derweil ihre Begehungen des Schlachthofs fort. Sie sollen dokumentieren, an welchen Stellen das Unternehmen sein Ende vergangener Woche vorgelegtes Hygienekonzept nachbessern muss. Adenauer betonte, dass es in der Diskussion um einen Neustart in der Fleischfabrik um 7000 Arbeitsplätze gehe. Oberste Priorität habe jedoch die Sicherheit der Mitarbeiter und Bevölkerung.

Die Tönnies-Pläne gehen laut Adenauer nur „in Teilen in die richtige Richtung“. Sie würden längst nicht alle Voraussetzungen erfüllen, um eine Wiederaufnahme der Produktion zu ermöglichen. Das Unternehmen müsse nun nacharbeiten und einsehen, „dass die Behörden den Takt vorgeben“. Erst wenn die Experten ihre Begehungen abgeschlossen hätten und das Unternehmen die Vorgaben umgesetzt habe, könne der Betrieb wieder zur Normalität zurückkehren.

Wichtiger Termin am Donnerstag

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Lüftungsanlagen, die der Hygiene-Experte Martin Exner von der Universität Bonn zuvor als möglichen Risikofaktor genannt hatte. Aber auch simplere Vorgaben wie Abstandsregeln und eine Maskenpflicht spielen eine Rolle. Adenauer plädiere deshalb für eine ständige Kontrolle der Einhaltung dieser Regeln durch den Arbeitsschutz. „Man müsste vielleicht auch mal über eine Video-Überwachung nachdenken“, so der Landrat.

Vertreter des Kreises Gütersloh, der Stadt Rheda-Wiedenbrück sowie der Bezirksregierung Detmold haben am Montag gemeinsam mit dem Unternehmen und verschiedenen Experten fünf Stunden über die Tönnies-Pläne beraten. Die Begehungen des Werkes sollen noch bis Mittwoch stattfinden, um das Konzept vor Ort zu begutachten. Am Donnerstag will Tönnies dann erneut mit den Verantwortlichen zusammenkommen, um die Ergebnisse zu besprechen.

Nach dem Corona-Ausbruch in dem Fleischwerk mit etwa 1500 positiv getesteten Mitarbeitern war der Schlachtbetrieb bis auf weiteres gestoppt worden. Die Stadt hatte die Schließungsverfügung bis zum 17. Juli verlängert, jedoch Ausnahmeregelungen für einzelne Bereiche der Fleischverarbeitung zugelassen. Dazu muss das Unternehmen einen Antrag stellen und ein entsprechendes Konzept zum Gesundheits- und Arbeitsschutz vorlegen.

Ob eine kurzfristige Wiedereröffnung ein Ergebnis des Treffens am Donnerstag sein könnte, ließ Adenauer offen. Er betonte, dass er nicht ausschließe, dass Tönnies die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Produktion noch vor dem 17. Juli erfüllt. Umgekehrt könne das Werk aber auch über diesen Stichtag hinaus geschlossen bleiben.

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