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Corona-Krise Milliardenverlust der weltweiten Luftfahrtbranche noch höher als gedacht

Die Menschen fliegen kaum noch, Flugzeuge bleiben am Boden, und neue Maschinen kaufen wenige Firmen. Die Hersteller leiden, sehen aber eine Chance.
24.11.2020 - 08:53 Uhr Kommentieren
Der Verband geht davon aus, dass nicht alle Firmen die Krise überleben und die Ticketpreise steigen werden. Quelle: dpa
Harte Landung für Airlines und Passagiere

Der Verband geht davon aus, dass nicht alle Firmen die Krise überleben und die Ticketpreise steigen werden.

(Foto: dpa)

Berlin Den Fluggesellschaften in aller Welt drohen nach Einschätzung ihres Verbandes in diesem und im kommenden Jahr noch höhere Verluste als zuletzt gedacht. Wegen des Geschäftseinbruchs durch die Corona-Pandemie rechnet der Weltluftfahrtverband IATA für das laufende Jahr jetzt mit einem branchenweiten Verlust von 118,5 Milliarden US-Dollar (rund 100 Milliarden Euro) und damit etwa 34 Milliarden mehr als bisher gedacht, wie er vor seiner Jahresversammlung in Amsterdam am Dienstag mitteilte.

Für 2021 geht die IATA von einem Gesamtverlust von 38,7 Milliarden Dollar aus. Das wäre fast zweieinhalb Mal so viel wie noch im Juni vorhergesagt. Dem Verband zufolge würde 2021 damit zum zweitschwersten Verlustjahr in der Geschichte der Luftfahrt.

Zwar dürfte der Umsatz der Branche im kommenden Jahr mit 459 Milliarden Dollar die jetzt für 2020 erwarteten 328 Milliarden Dollar übertreffen. Das wäre allerdings immer noch nur gut halb so viel wie die 838 Milliarden Dollar aus dem Vorkrisenjahr 2019. Der Verband hofft, dass Corona-Schnelltests für Reisende und Impfstoffe gegen das Virus bis Mitte 2021 zumindest teilweise zu Öffnung der Grenzen und anschließend zu einer Erholung der Passagiernachfrage führen.

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie geht „in diesem Jahr von einem Umsatzrückgang für die zivile Luftfahrtindustrie von rund 40 Prozent aus“, sagte Dirk Hoke, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI).

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    Zwar seien die Auftragsbücher noch gut gefüllt, doch den Fluggesellschaften fehle das Geld. „Das Interesse, Flugzeuge abzunehmen, ist extrem gering.“ Auch für nächstes Jahr werde ein deutliches Umsatzminus erwartet.

    Verbandspräsident fordert andere Teststrategie

    „Es ist eine schwierige Zeit für uns, aber wir sehen auch die Chancen“, sage Hoke. „Wir sollten die Zeit nutzen, um in klimafreundliche Technologien zu investieren.“ Europa könne eine Schlüsselrolle auf dem Weg zum klimaneutralen Fliegen übernehmen, wenn es jetzt die richtigen Weichen stelle.

    „Nur eine nachhaltige Luftfahrt wird uns die Lizenz zum Wachsen erhalten“, sagte Vizepräsident Reiner Winkler. Man werde weiter an effizienten Triebwersktechniken und synthetischen Kraftstoffen arbeiten. „Die Forschungsförderung könnte weiter ausgebaut werden, um dies zu beschleunigen.“

    Denn in der Krise wächst der Spardruck in den Unternehmen, vor allem bei den mittelständischen Zulieferern. Manche von ihnen sind überlebenswichtig für die gesamte Branche, weil nur sie die spezialisierten Lösungen anbieten, die alle brauchen.

    Jahrelang konnte die Branche damit planen, dass sich der Luftverkehr weltweit alle 15 Jahre verdoppelt. Nun hat sie die Personalkapazität um acht bis zehn Prozent reduziert, auch durch Arbeitszeitreduzierung. Entlassungen wollen die Unternehmen vermeiden, wie Winkler sagte. „Alle haben ein Interesse daran, die hochqualifizierten Mitarbeiter zu halten.“ Die Kurzarbeit helfe sehr.

    Der Weg zu alter Stärke wird im Luftverkehr jedoch lang. Hoke sagte: „Wir gehen im optimistischen Fall davon aus, dass wir 2023 wieder die Passagierzahl von 2019 erreichen, im pessimistischen Fall 2025.“ Notwendig sei ein andere Teststrategie. Solange Reisende aus Risikogebieten erst nach fünf Tagen mit einem negativen Test aus der Quarantäne kämen, träten die meisten Passagiere eine Reise gar nicht erst an.

    Winkler sagte, nicht alle Airlines würden die Krise überleben. Die Marktbereinigung werden aus Sicht der Luftfahrtindustrie auch die Passagiere spüren. Zwar bildeten sich Preise am Markt. „Aber man kann schon davon ausgehen, dass Fliegen häufig teurer sein wird als in der Vergangenheit“, sage Hoke. „Für 9,90 Euro nach Mallorca - das kann nicht kostendeckend sein.“

    Die weltweite Airline-Lobby trifft sich am Dienstag zu ihrer Jahreshauptversammlung per Videokonferenz. Als Nachfolger von IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac, der im März sein Amt niederlegen will, soll Willie Walsh gekürt werden, bis vor kurzem Chef des britisch-spanischen Airline-Konzerns IAG.

    Mehr: Die Lufthansa verweist bei der Frage nach Einreisevoraussetzungen auf die nationalen Regierungen. Der australische Konkurrent geht einen Schritt weiter und will einen Impfnachweis verlangen.

    • dpa
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