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Drogeriemarktkette Dayli insolventDie zweite Schlecker-Pleite

Der österreichische Drogist Dayli wollte in die Fußstapfen von Schlecker treten – und ist damit gescheitert: Er hat einen Insolvenzantrag eingereicht. Trotzdem will Dayli weitermachen – mit einem neuen Investor.Tobias Döring 04.07.2013 - 12:30 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Filiale des Schlecker-Nachfolgers Dayli: Die Drogeriemarktkette hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Foto: PR

Düsseldorf/Pucking. Die österreichische Drogeriemarktkette Dayli ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen reichte am Donnerstag beim Amtsgericht Linz einen Insolvenzantrag ein. Die Sanierung solle in Fremdverwaltung erfolgen, teilte die Firma aus Pucking bei Linz mit.

Mit dem Antrag kam Dayli-Eigentümer Rudolf Haberleitner dem Kreditschutzverband KSV 1870 zuvor, der Dayli ein Ultimatum bis Donnerstagmorgen gestellt hatte. Sonst wolle man selbst einen Konkursantrag stellen, hatte der Verband mitgeteilt. Den Grund für die Insolvenz sucht Dayli allerdings nicht bei sich selbst, vielmehr hätten „negative äußere Einflüsse (...) die geplante Entwicklung schwer gestört und behindert“, hieß es in der Mitteilung.

Damit ist wohl vor allem die von Haberleitner entfachte Diskussion zur Sonntagsöffnung in Österreich gemeint. Das Verbot der sonntäglichen Öffnung blieb. Haberleitner kritisierte den Widerstand der Gewerkschaft und der Mitarbeiter. Sein Konzept eines Nahversorgers – einer Art moderner Tante-Emma-Laden mit Bistro und zahlreichen weiteren Dienstleistungen – sei deshalb bisher nur in einigen Dayli-Filialen in Österreich umgesetzt worden. Das Unternehmen hatte dort knapp 900 Geschäfte in ehemaligen Schlecker-Filialen eröffnet, von denen gut 100 zuletzt aber wieder geschlossen wurden.

Dayli auf dem Weg nach Deutschland
Rudolf Haberleitner ist ein österreichischer Sanierungsexperte und hat den Kauf von 1350 ausländischen Schlecker-Filialen über seinen Private-Equity-Fonds Tap 09 finanziert. Im November 2012 kaufte sich zudem der Glücksspielbetreiber Novomatic mit 50 Prozent der Anteile bei Haberleitners Projekt ein, gab die Anteile aber wenig später an ihn zurück.
Dayli soll ein echter Nahversorger werden, der mehr bietet als Schlecker. So sollen zum Sortiment nicht nur Drogerieartikel sondern auch frische Brötchen, Dienstleistungen und ein betreuter Internetbestellservice zählen.
Forderungen an die deutsche Schlecker-Gesellschaft hat Dayli nach der Pleite abschreiben müssen, das hat Haberleitner in den Büchern für 2011 bereits verbucht. Aufgrund von Investitionen in die Filialen sollte in 2012 ein operatives Minus von acht Millionen Euro verzeichnet werden. In diesem Jahr sollten es bereits zehn bis 15 Millionen Euro Gewinn sein bei einem Umsatz von 500 Millionen Euro – die meisten deutschen Filialen waren bei dieser Schätzung noch nicht berücksichtigt.
In Österreich zählt Dayli knapp 800 Filialen, hinzukommen 400 weitere Geschäfte in Ländern wie Polen und Italien. In Deutschland hatte Haberleitner bereits über 600 Filialen ins Auge gefasst. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 400 Geschäfte eröffnen.
Ende Januar 2013 sollte es in den ersten deutschen Filialen losgehen mit dem neuen Konzept. Doch der Start verschob sich mehrfach. Zuletzt sollten Ende Juni die ersten Dayli-Filialen eröffnen.
Von österreichischen Konzernen ist man in Sachen aufsehenerregender Werbung spätestens seit dem Rekord-Fallschirmsprung von Felix Baumgartner unter der Regie von Red Bull einiges gewohnt. Dennoch kündigte Haberleitner für Dayli vollmutig eine Werbekampagne an, die „noch nie da war auf der Welt“. Sie werde aber Kunden und Lieferanten nutzen, versprach der 68-Jährige.

Durch die öffentliche Diskussion sei es zu gravierenden Umsatzeinbrüchen gekommen. „Banken und mögliche Investoren wurden verunsichert und zogen sich zurück“, erklärte das Unternehmen. Knapp 3500 Mitarbeiter sind nun von der Insolvenz betroffen. Zusätzlich zu den Filialen in Österreich betreibt die Drogeriemarktkette mehr als 400 Geschäfte in Italien und Polen. Auch in Deutschland wollte Haberleitner expandieren, doch der Start verzögerte sich immer weiter. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 400 ehemalige Schlecker-Filialen hierzulande wiedereröffnen.

Es sei geplant, das Unternehmen fortzuführen, teilte Dayli mit. Neben einem Mitarbeiterbeteiligungsmodell, das in der kommenden Woche vorgestellt werden soll, präsentierte Haberleitner auch einen neuen Investor. Die ICU Unternehmensberatung habe unmittelbar vor dem Insolvenzantrag die Dayli-Vertriebsgesellschaft von Haberleitners TAP 09 Beteiligungs GmbH übernommen.

Gesellschafter der ICU Unternehmensberatung ist Martin Zieger, ehemaliger Vorstand des Schweizer Modehändlers Charles Vögele. „Das Ziel ist, die Finanzierung des Unternehmens zu sichern und in Zusammenarbeit mit Politik und Gewerkschaft möglichst viele Arbeitsplätze und die Nahversorgung in Österreich zu sichern“, sagte Zieger laut Mitteilung.

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Nach der Insolvenz meldete der erste Gläubiger bereits Forderungen an: Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wartet nach der Pleite Branchenkreisen zufolge auf 4,6 Millionen Euro von Haberleitner. Der bisherige Dayli-Eigner soll Schlecker-Österreich 2012 für sieben Millionen Euro gekauft haben. Ein Geiwitz-Sprecher äußerte sich nicht zur Höhe des Kaufpreises. Erste Raten seien bereits gezahlt worden, auf eine Ende Juni fällig Zahlung wartete der Insolvenzverwalter allerdings noch. Sorgen um sein Geld hat Geiwitz aber nicht: „Unsere Forderungen sind gesichert“, sagte sein Sprecher.

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