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Duft- und Aromahersteller „Über kurz oder lang kommen wir da sowieso rein“ – Symrise klopft beim Dax an

Symrise gilt als der ewige Anwärter für den Dax und hat schon wieder das Nachsehen. Delivery Hero wird wohl Wirecard ersetzen. Doch Vorstandschef Bertram bleibt hartnäckig.
17.08.2020 - 18:11 Uhr Kommentieren
Der Produzent liefert komplette Lösungen für die Konsumgüterindustrie auf Basis natürlicher Ausgangsstoffe. Die Duft- und Geschmackslösungen besitzen zudem oft gesundheitsfördernde oder pflegende Eigenschaften. Quelle: Symrise
Symrise-Labor

Der Produzent liefert komplette Lösungen für die Konsumgüterindustrie auf Basis natürlicher Ausgangsstoffe. Die Duft- und Geschmackslösungen besitzen zudem oft gesundheitsfördernde oder pflegende Eigenschaften.

(Foto: Symrise)

Düsseldorf Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es wieder nichts. Seit Langem gilt Symrise als Kandidat für den Aufstieg in den Deutschen Aktienindex (Dax). Auch dieses Mal wurde das Unternehmen, das seit 2006 an der Börse notiert ist, wieder als möglicher Ersatz für Skandalunternehmen Wirecard genannt.

Aber es wird wohl Lieferdienst Delivery Hero werden, der erst seit drei Jahren an der Börse ist. In den kommenden Tagen will die Deutsche Börse ihre Entscheidung bekanntgeben. In Finanzkreisen gilt der Tausch aber schon als beschlossen.

Symrise-CEO Heinz-Jürgen Bertram bleibt aber gelassen: „Über kurz oder lang kommen wir da sowieso rein. Ich bin da tiefenentspannt“, sagte er dem Handelsblatt. Die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens ist schließlich beachtlich. Im niedersächsischen Holzminden, fernab der Metropolen, ist ein Schwergewicht gewachsen, das heute 10.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Den Namen Symrise, der 2003 entstand, als die beiden Unternehmen Haarmann & Reimer und Dragoco fusionierten, kennen außerhalb der Branche zwar nur wenigen Menschen. Dabei nutzen die Menschen jeden Tag Produkte, an denen der Lieferant der Konsumgüterindustrie mitgearbeitet hat. Symrise ist eigentlich überall.

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    „Das fängt mit dem Aufstehen an, beim Zähneputzen. Wir sind Weltmarktführer bei Oral Care und Zahnpflegearomen“, sagt Bertram. „Das geht weiter mit dem Frühstück, bestimmt essen Sie ein Müsli, in dem vielleicht unsere Produkte enthalten sind, und im Auto, auf der Fahrt ins Büro, sorgen wir dafür, dass das Fahrzeug nach Neuwagen riecht – und nicht nach nassem Hund.“

    Grafik

    Die Verschwiegenheit des Unternehmens hat System. „Unsere Aufgabe ist nicht, selbst bekannt zu sein, sondern dafür zu sorgen, dass die Produkte, in denen wir sind, bekannt sind und von den Kunden geliebt werden“, sagt der Symrise-CEO. Der 61-jährige promovierte Chemiker sieht das Unternehmen, das er seit elf Jahren führt, am liebsten in der zweiten Reihe stehen. Hinter den Markenartiklern stehend, die er beliefert. Die Zurückhaltung ist für Bertram gar der „Markenkern“ seines Unternehmens, wie er sagt.

    Die Unternehmen, die Symrise beliefert und die Bertram in der ersten Reihe sehen will, sind die großen Konsumgüterkonzerne dieser Welt, wie Henkel und Unilever. Und es sind, mit einem Anteil von zwei Dritteln, auch kleinere, lokale Unternehmen, die oftmals über starke Wachstumsraten verfügen. Diese Kundenstruktur ist nach Ansicht von Unternehmensberatern einer der Gründe für den Erfolg der Holzmindener.

    Chancen durch Coronakrise

    Symrise ist inzwischen weit mehr als nur Duft- und Aromahersteller. Der Produzent liefert komplette Lösungen für die Konsumgüterindustrie auf Basis natürlicher Ausgangsstoffe. Die Duft- und Geschmackslösungen besitzen zudem oft gesundheitsfördernde oder pflegende Eigenschaften.

    Durch die Veränderungen, die die Coronakrise in der gesamten Wirtschaft auslöst, ergeben sich nach Ansicht von CEO Bertram auch zusätzliche Chancen für sein Unternehmen. Einer der großen Trends ist das Erstarken des E-Commerce. Durch den zeitweisen Lockdown haben viele Menschen ihre Waren im Internet bestellt – und die Vorteile wie höhere Bequemlichkeit schätzen gelernt.

    „Wenn E-Commerce immer wichtiger wird, müssen auch die Markenartikler den digitalen Vertriebsweg für sich weiter ausbauen“, meint Bertram. Das bedeute, sie müssen investieren – und werden andere Bereiche auslagern. „Wir werden viel größere Teile der Produktentwicklung bekommen“, ist der Symrise-Chef überzeugt. Eine Entwicklung, wie es sie in der Autoindustrie bereits seit Jahren gibt.

    Während seine Kunden Geschäftsbereiche mutmaßlich auslagern werden, ist Bertram den umgekehrten Schritt gegangen – mit einer Rückwärtsintegration. Wichtige Produktionen wie die von Menthol oder Vanillin wurden zurück ins eigene Haus geholt. Mit diesem Schritt hat sich Symrise eine höhere Flexibilität bei der Anpassung von Kapazitäten geschaffen.

    Den Namen kennen außerhalb der Branche nur wenigen Menschen. Dabei nutzen die Menschen jeden Tag Produkte, an denen der Lieferant der Konsumgüterindustrie mitgearbeitet hat Quelle: Symrise
    Duftstoff-Test bei Symrise

    Den Namen kennen außerhalb der Branche nur wenigen Menschen. Dabei nutzen die Menschen jeden Tag Produkte, an denen der Lieferant der Konsumgüterindustrie mitgearbeitet hat

    (Foto: Symrise)

    „Als Anfang des Jahres einige Wettbewerber Probleme mit der Lieferkette meldeten, konnten wir unsere Ware immer liefern“, sagt Bertram. Damit bringt er sein Unternehmen in eine komfortable Position. „Agilität wird in diesem Bereich immer wichtiger“, meint Ivan Bascle, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group.

    „Von Henkel haben wir eine Auszeichnung als bester Lieferant erhalten“, betont der Symrise-CEO. Statt die Entwicklung Rückwärtsintegration zu nennen, formuliert es Bertram lieber so: „Wir übernehmen Verantwortung. Wir wollen bei den Produkten, die wir verwenden, den Landwirt, den Acker, die Arbeitsbedingungen kennen.“ Der Unternehmenschef ist daher ein Unterstützer des neuen Lieferkettengesetzes in Deutschland. Mit diesem Gesetz, das jüngst auf den Weg gebracht wurde, will die Bundesregierung Firmen zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichten.

    Die Coronakrise, die fast die gesamte Wirtschaft lähmte, hat Symrise in den Geschäftszahlen kaum beeinflusst. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 um 7,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Gewinn (Ebitda) des Unternehmens legte um 11,9 Prozent auf 393 Millionen Euro zu. Damit verbesserte sich die Ebitda-Rendite von 20,8 Prozent auf 21,6 Prozent. Das Unternehmen ist hochprofitabel.

    Unabhängig von konjunkturellen Schwankungen

    Analyst Andreas von Arx von der Baader Bank lobte nach der Präsentation der Halbjahreszahlen 2020 „starke Resultate in schwierigen Zeiten“. Die Geschäftsentwicklung unterstreiche, wie robust das Geschäftsmodell sei.

    Symrise wird „ausgezeichnet gemanagt“, findet NordLB-Analyst Thorsten Strauß. Das Unternehmen sei unabhängig von konjunkturellen Schwankungen gewachsen, es sei geografisch und bei der Kundenstruktur „sehr gut aufgestellt“, und globale Konzerne zählten zu den Kunden. Die Zukäufe erfolgten nicht nach Größe und Marktwert, sondern man prüfe, ob es passe und das Portfolio sinnvoll erweitere. „Das Unternehmen sucht nicht den kurzfristigen Erfolg“, beobachtet der Analyst.

    Die Coronakrise hat die drei Sparten, in die sich Symrise auffächert, auf unterschiedlichste Art betroffen – oder auch befeuert. Der größte Bereich, „Scent und Care“, beinhaltet Aromen und Düfte für Kosmetik- und Pflegeprodukte. Die Nachfrage der Konsumenten hat sich hier in der Krisenzeit verschoben. So stieg der Bedarf an Produkten für Reinigung und Hygiene, und er sank bei Luxusartikeln im Bereich Parfüm, Kosmetik und Sonnencremes. Symrise musste dementsprechend umschichten. Die Rendite stieg leicht auf 20,6 Prozent.

    Der zweitgrößte Bereich „Flavor“, der ein Drittel des Konzernumsatzes erzielt, umfasst unter anderem Aromen für Nahrungsmittel und Getränke. Der Trend zum heimischen Kochen und Essen brachte Aufschwung in das Segment Savory sowie bei Produktlösungen für Backwaren und Cerealien. Gleichzeitig sank durch den verminderten Außer-Haus-Verzehr die Nachfrage nach Getränken und Süßwaren. Die Rendite in dieser Sparte ist konzernweit mit 23,2 Prozent am höchsten.

    Der dritte Bereich ist mit einem Plus von 10,5 Prozent im vergangenen Halbjahr das dynamischste Segment: Nutrition. Dieser Bereich befasst sich unter anderem mit Tiernahrung, ein für CEO Bertram besonders zukunftsträchtiges Segment. Studien zufolge erwarten 74 Prozent aller Tierbesitzer, dass die Qualität der von ihnen gewählten Tiernahrung der Qualität ihrer eigenen Ernährung entspricht. Der Markt für Tiernahrung, da ist Bertram sich sicher, werde noch zehn bis 20 Jahre weiter kräftig wachsen.

    Der starke Zuwachs in der Sparte Nutrition resultiert allerdings auch von dem Zukauf des US-Unternehmens ADF/IDF. Im vergangenen Jahr hatte Symrise für rund 800 Millionen Euro das US-Unternehmen erworben. ADF/IDF mit umgerechnet rund 200 Millionen Euro Umsatz ist Spezialist für fleischbasierte Aromen und Inhaltsstoffe für die Heimtierernährung – eine Ergänzung für das Geschäft, das Symrise bereits mit dem Erwerb der französischen Diana-Gruppe aufgebaut hat.

    Zuversichtlich in die Zukunft

    Das Unternehmen blickt „unverändert zuversichtlich“ auf das Gesamtjahr 2020. Es geht davon aus, dass es schneller als der Markt wachsen wird, dessen Zuwachs nach Experteneinschätzungen zwischen drei und vier Prozent liegen wird.

    An den Mittelfristzielen, den Umsatz bis zum Ablauf des Geschäftsjahres 2025 auf 5,5 bis sechs Milliarden Euro zu steigern, hält Symrise auch trotz der Coronakrise fest. Das würde ein jährliches organisches Wachstum von fünf bis sieben Prozent bedeuten.

    Die positive Einschätzung der Analysten spiegelt sich im Aktienkurs wider. Die Anteilscheine des Aromen- und Duftstoffherstellers lagen zuletzt bei mehr als 113 Euro, der Kurs steigt – von Einbrüchen wie etwa im März angesichts des Corona-Lockdowns abgesehen – seit Langem. Der größte Investor von Symrise ist das US-Investmenthaus Massachusetts Financial Services mit knapp unter zehn Prozent.

    Im Verlauf von einem Jahr hat der Aktienkurs von Symrise gut 40 Prozent an Wert gewonnen, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei knapp einem Fünftel. Doch das birgt auch Nachteile: „Die Aktie ist recht hoch bewertet, zu einem Kauf kann ich mich momentan nicht durchringen“, meint NordLB-Analyst Strauß.

    Mehr: Hat Delivery Hero Dax-Format? So urteilen die Analysten

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