Flüge von Turkish Airlines: Hoffnungsschimmer für Kassel-Calden
In Kassel-Calden kann künftig auch der Türkei-Urlaub starten.
Foto: dpaIstanbul/Calden. Croatia Air oder Germania - die Liste der Airlines, die den hessischen Regionalflughafen Kassel-Calden ansteuerten, war bisher sehr überschaubar. Doch pünktlich vor dem traditionell schwierigen Wintergeschäft kann Flughafenchefin Maria Muller eine gute Nachricht verkünden. Kassel wird an das weltweite Streckennetz der Turkish Airlines angeschlossen. Einer Fluggesellschaft, die in den nächsten Jahren zu den ganz Großen aufsteigen kann.
Zunächst sind Linienflüge zwischen Istanbul und Calden geplant. „Die neuen Verbindungen unterstreichen die zentrale Bedeutung des Standorts Deutschland für Turkish Airlines“, erklärte Turkish-Airlines-Chef Temel Kotil dazu. Viermal die Woche will die Fluggesellschaft den Flughafen anfliegen, heißt es aus dem Flughafenumfeld.
Auch wenn Details zum Beginn und zur Zahl der neuen Linienflüge offiziell noch nicht feststehen: Es ist ein Hoffnungsschimmer für einen Flughafen, der bereits zu seiner Eröffnung viel Kritik einstecken musste. Zu gering war die Auslastung, zu hoch die öffentlichen Kosten. 271 Millionen Euro hat die öffentliche Hand in den Ausbau des Regionalflughafens investiert. 68 Prozent der Flughafen-Anteile hält das Land Hessen, Stadt und Landkreis Kassel gehören jeweils 13 Prozent, der Gemeinde Calden 6 Prozent. Bei der privaten lokalen Wirtschaft, die stets die Notwendigkeit des neuen Flughafens betont hat, ist das Interesse an einer direkten Beteiligung immer noch gering.
Die Strategie auf Billigflieger zu verzichten und dafür eine geringere Auslastung in Kauf zu nehmen ist riskant.640.000 abgefertigte Fluggäste braucht Kassel-Calden, um Gewinne zu schreiben. Bis 2020 soll der Flughafen seine operativen Kosten wieder einfliegen. Im Landeshaushalt sind dafür im Jahr 2013 rund 4,5 Millionen Euro eingestellt, um die Verluste auszugleichen. 20 Millionen Euro Verlust werden dem neuen Flughafen aus Branchenkreisen prognostiziert. 20 Millionen Euro, die sich durch Start- und Landegebühren bei den derzeitigen Passagierzahlen nicht refinanzieren lassen.
Peinlich: Der erste reguläre Flug nach Antalya musste bereits abgesagt werden – nur sechs Passagiere hatten gebucht. Stattdessen wurden die Fluggäste im Taxi zum nächstgelegenen Flughafen nach Paderborn gefahren. Der neue Airport konkurriert in direkter Umgebung mit Paderborn, Dortmund, Erfurt, Hannover, Frankfurt, Münster und Osnabrück.
Der Abschluss mit Turkish Airlines könnte nun die Trendwende in der Außenwahrnehmung einleiten. Große Fluggesellschaften wie die Lufthansa hatten den Ausbau des nordhessischen Flughafens lange kritisch beäugt.