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Flugzeughersteller Boeing verkündet Aus für die legendäre 747 – Hoher Quartalsverlust

Die Zahlen des Flugzeugbauers sind tiefrot. Gespart wird auf der Langstrecke: Der „Jumbo-Jet“ wird eingestellt, der Dreamliner runtergefahren.
29.07.2020 Update: 29.07.2020 - 17:23 Uhr Kommentieren
Der „Jumbo-Jet“ hat bald ausgedient. Quelle: Reuters
Boeing 747

Der „Jumbo-Jet“ hat bald ausgedient.

(Foto: Reuters)

Denver, Frankfurt Boeing-Chef David Calhoun stimmt seine Mitarbeiter auf weitere, deutliche Einschnitte ein. Das Unternehmen mit Sitz in Chicago meldete einen Quartalsverlust von 2,4 Milliarden Dollar und einen Umsatzeinbruch um 25 Prozent auf 11,8 Milliarden Dollar. Beides fiel noch schlechter aus, als im Vorfeld erwartet wurde. Das abgelaufene Quartal ist für Amerikas Konzerne das erste, das komplett von der Coronakrise betroffen ist und gibt damit einen Einblick in die schwierige Lage, in die die Pandemie die Wirtschaft versetzt hat.

Boeing kündigte an, die Produktion für eine ganze Reihe von Modellen zurückzufahren oder einzustellen. Der Konzern kämpft neben den Folgen der Pandemie mit hausgemachten Problemen rund um das Flugverbot des einstigen Bestsellers 737 Max, was zusätzlich auf den Finanzen lastet.

Nun soll unter anderem die Produktion der Boeing 777 und der Neuauflage 777X im kommenden Jahr von drei auf zwei Flugzeuge pro Monat gesenkt werden. Auch die Produktion des Langstreckenjets 787 „Dreamliner“ wird zurückgefahren, Gleiches gilt für die 737 Max, deren Produktion derzeit erst langsam wieder hochfährt.

Boeing verkündete zudem die lang erwartete Einstellung des inzwischen legendären Großraumfliegers 747. Der letzte Jumbojet soll 2022 ausgeliefert werden, so lange dauert die Abarbeitung der verbleibenden Bestellungen. Branchenkreisen zufolge soll Boeing vor mehr als einem Jahr zuletzt Teile für die Neuproduktion bei Zulieferern bestellt haben. Das ehemals größte Passagierflugzeug der Welt wurde seit 1969 gebaut, zuletzt wurde die 747 aus Effizienzgründen immer seltener bestellt und bei Fluggesellschaften oftmals ausrangiert. Calhoun begründete den Schritt mit der derzeitigen Marktentwicklung.

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    Nur 20 Maschinen ausgeliefert

    Der US-Flugzeugbauer hatte zuvor bereits angekündet, zehn Prozent der weltweit 160.000 Stellen zu streichen. Doch angesichts der schweren Krise des Unternehmens werde das nicht ausreichen, kündete Calhoun am Mittwoch in einem Brief an seine Mitarbeiter an. Details ließ er offen. Die Quartalszahlen lassen Analysten zufolge auf weitere zehntausend Stellenstreichungen schließen.

    Der Flugverkehr ist seit Beginn der Pandemie Anfang März eingebrochen. Durch das schlechte Krisenmanagement der US-Regierung verbreitet sich das Virus in vielen Landesteilen fast unkontrolliert, die wirtschaftliche Erholung lässt entsprechend auf sich warten. Eigentlich wollten die Airlines ihre Flugpläne im Sommer wieder ausbauen. Stattdessen sind für den Herbst Massenentlassungen angekündigt. Bis dahin müssen sie die Arbeitsplätze erhalten – das war eine wichtige Bedingung, die die US-Regierung an ihre milliardenschweren Staatshilfen geknüpft hatte.

    Grafik

    Boeing-Chef Calhoun geht davon aus, dass es etwa drei Jahre dauern werde, bis die Fluggastzahlen wieder das Niveau von 2019 erreichen werden. Damit ist er optimistischer als der Branchenverband IATA, der erst 2024 mit einer Normalisierung des Flugverkehrs rechnet. Die Fluggesellschaften brauchen daher auch keine neuen Maschinen.

    Bei Boeing wie beim europäischen Konkurrenten Airbus werden daher bestellte und bereits produzierte Flugzeuge nicht abgeholt. Boeing hat im zweiten Quartal nur 20 Flugzeuge ausgeliefert, so wenig wie zuletzt 1977. Vor einem Jahr waren es noch 90.

    Das zehrt an den Barreserven Boeings und seiner Zulieferer. Kunden zahlen typischerweise mehr als die Hälfte des Kaufpreises, wenn sie das Flugzeug in Empfang nehmen. „Wir bekommen jeden Tag Anrufe von Kunden, die Auslieferungen nach hinten verschieben wollen“, sagte Calhoun dem Börsensender CNCB.

    Um Liquidität zu sichern, hatte Boeing bereits die Dividende und Aktienrückkäufe ausgesetzt, Kosten verringert und sich am Kapitalmarkt mit Anleihen in Höhe von 25 Milliarden Dollar eingedeckt. Das war nur dank der Stützen der US-Notenbank möglich, die Blockaden am Kapitalmarkt im März gelöst hatte. Calhoun zufolge sollte der Puffer ausreichen, um durch die Krise zu kommen.

    Fortschritt bei 737 Max

    Optimistisch zeigte sich der Boeing-Chef, seit Januar im Amt, mit Blick auf die Zulassung der 737 Max. Nach zwei Abstürzen wegen Konstruktionsfehlern darf der einstige Bestseller seit März 2019 nicht mehr abheben. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hat die Flugtests vor Kurzem abgeschlossen, die Auswertung der Daten läuft. Auch die Behörden anderer Länder arbeiten an einer Neuzulassung des Flugzeugs.
    Doch viele Käufer sind von ihren Verträgen zurückgetreten oder haben das vor. Allein im ersten Halbjahr 2020 sind insgesamt 355 bestellte 737 Max storniert worden.

    Unterstützung könnte die Verteidigungssparte des Flugzeugbauers in den kommenden Monaten von der US-Regierung bekommen. Der Kongress verhandelt über ein weiteres, billionenschweres Hilfspaket für die Wirtschaft. Im Entwurf des republikanisch geführten Senats sind auch acht Milliarden Dollar für Rüstungsanbieter vorgesehen – neben Boeing könnten davon auch Lockheed Martin und General Dynamics profitieren. Die Boeing-Aktie hat in diesem Jahr fast 50 Prozent an Wert verloren, sich von den Tiefständen im März aber wieder deutlich erholt.

    Mehr: Flugzeug zu verkaufen – Airlines wollen Passagiermaschinen loswerden.

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