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Frachtpreise auf TalfahrtReeder haben nichts vom Billig-Öl

Der tief gefallene Ölpreis müsste in der Schifffahrt eigentlich für Freude sorgen. Doch für die Reeder ergibt sich ein großes Problem: Die Frachtpreise brechen ein und machen viele Routen unrentabel. 16.02.2016 - 15:54 Uhr Artikel anhören

Hamburg. Wenn Reeder in diesen Tagen ihre Tankrechnungen bezahlen, haben sie ein Lächeln im Gesicht. Denn die 6000 Tonnen Schweröl, die ein Schiff mit Platz für 13.000 Standardcontainer für die Reise nach Fernost und zurück nach Europa im Schnitt bunkert, kosten mittlerweile weniger als eine Million Dollar.

Vor einem Jahr mussten die Schiffseigner für die Tonne Schweröl noch 500 bis 600 Dollar zahlen, heute sind es zwischen 130 und 160 Dollar. Doch die Freude hält sich in Grenzen: die Frachtpreise sind im freien Fall, viele Unternehmen verdienen deshalb kaum etwas.

Die größten Reedereien der Welt
OOCL – 104 SchiffeDie Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016
CSCL - 124 SchiffeDie China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.
Hamburg Süd – 134 SchiffeEs ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.
PIL – 147 SchiffeMit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.
Cosco - 169 SchiffeDie China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.
Hapag-Lloyd - 172 SchiffeHapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.
Evergreen - 192 SchiffeAnders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.
CMA CGM - 461 SchiffeAus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.
MSC - 487 SchiffeEine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.
APM-Maersk - 585 SchiffeDas größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Wegen der schwächelnden Konjunktur Chinas und anderer großer Schwellenländer ist das Angebot viel größer als die Nachfrage. Die Folge: Der Transport eines Standardcontainers von Shanghai nach Europa kostete Anfang Februar im Schnitt 431 Dollar, 60 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Von Chinas Hafenmetropole nach Santos in Brasilien sanken die Frachtraten sogar um 85 Prozent auf 113 Dollar. „Da noch Gewinne einzufahren, ist extrem schwierig“, sagt Thomas Wybierek, Experte für maritime Wirtschaft bei der NordLB.

Die deutsche Handelsflotte umfasst laut Reedereiverband gut 3000 Schiffe, die Hälfte davon Containerschiffe. Mit rund 86.000 Beschäftigten, 62.000 davon auf See, machten die Reeder zuletzt noch einem Umsatz von 21 Milliarden Euro.

Der Ölpreiskollaps spaltet die Branche: Für Öltanker gibt es eine Sonderkonjunktur, weil mehr Öl transportiert wird und Schiffe als schwimmende Lager genutzt werden. Für Schüttgutfrachter und Containerschiffe bringt das Billig-Öl dagegen wenig.

„Der hohe Wettbewerb wird dafür sorgen, dass die Schiffsbetreiber die niedrigen Kosten relativ schnell an ihre Kunden weitergeben müssen“, sagt Carsten Wiebers, der für Schiffsfinanzierung zuständige Manager der KfW -Tochter Ipex.

Hinzu kommt, dass Reeder sich beim Kauf von Schweröl langfristig gegen Schwankungen absichern. Bis sich der Absturz des Ölpreises positiv auswirkt, kann es viele Monate dauern. Sollte Öl wieder teurer werden, hat dies allerdings den Vorteil, dass die Unternehmen den Kostenanstieg nicht sofort spüren.

Experte Wybierek nennt als Paradebeispiel für die Misere der Reeder den Schifffahrtsriesen Møller-Maersk. Die Dänen fuhren zuletzt einen Milliardenverlust ein, vor allem wegen Abschreibungen im Ölgeschäft. Eine Gewinnwarnung des Weltmarktführers aus Kopenhagen hatte der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd bereits im vergangenen Jahr den Börsengang erschwert. Die Hamburger, weltweit auf Rang fünf, musste ihre Aktien billiger anbieten, um Investoren zu finden.

Sorgen bereitet der Branche vor allem China, von wo so gut wie alle T-Shirts über Laptops und Handys bis hin zu Turnschuhen und Uhren per Containerschiff nach Europa gelangen. Gleichzeitig geht der Verfall der Frachtraten in wichtigen Fahrgebieten von Asien nach Europa und nach Südamerika sowie an die Küsten der USA weiter.

Anfang Januar waren weltweit 5153 Containerschiffe mit einer Gesamtkapazität von knapp 20 (Vorjahr: 18,8) Millionen Standardcontainern (TEU) unterwegs. Darunter sind immer mehr ganz große Pötte mit Platz für 18.000 und mehr Stahlboxen.

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Anhand der Orderbücher der Werften in Asien sei absehbar, dass auch in den nächsten Jahren sehr viele Schiffe ausgeliefert werden, sagt Claus Brandt von der Unternehmensberatung PWC. „Es zeichnet sich auch für die nächsten Jahre ein Angebotsüberhang ab, wenn es nicht zu einer großen Verschrottungswelle kommt.“ Wenn die Einnahmen so schlecht blieben wie bisher, würden sich das viele Schiffseigner überlegen, glaubt Brandt.

Damit die Branche mehr Luft zum Atmen hat, spendierte die Bundesregierung unlängst eine Steuersubvention, durch die die Reeder gut 50 Millionen Euro im Jahr sparen. Künftig dürfen sie die Lohnsteuer, die sie ihren Seeleuten abziehen, in die eigene Tasche stecken, anstatt sie an den Fiskus weiterzuleiten.

In Berlin hofft man, so den Trend stoppen zu können, dass immer mehr Reeder Frachter unter der Flagge von Länder fahren lassen, in denen Steuern und Abgaben sowie die Heuer für die Seeleute um einiges niedriger sind als hierzulande. Zuletzt befuhren noch 351 Schiffe unter deutscher Flagge die Weltmeere – etwa mehr als ein Zehntel der Handelsflotte. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht.

rtr
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