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Hedgefonds-Investor US-Milliardär Loeb rechnet mit den Nestlé-Chefs ab

Der Investor fordert von dem Nahrungsmittelriesen mehr Tempo, mehr Mut – und den Verkauf des milliardenschweren Anteils am Schönheitskonzern L’Oréal.
02.07.2018 Update: 02.07.2018 - 15:09 Uhr Kommentieren
Der Hedgefonds-Investor fordert von Nestlé „Eile statt schrittweisem Herantasten“. Quelle: Reuters
Daniel Loeb

Der Hedgefonds-Investor fordert von Nestlé „Eile statt schrittweisem Herantasten“.

(Foto: Reuters)

Zürich Seine Forderungen hat Daniel Loeb unter dem Motto „Nestlé Now“ ins Netz gestellt. Der Name ist Programm: „Kühner“ und „schneller“ müsse der Nahrungsmittelriese Nestlé werden, sich von Geschäftsbereichen trennen und sein Management verschlanken, fordert der Investor. Nestlé verweist dagegen auf Fortschritte – und arbeitet offenbar bereits am nächsten Deal, dem Kauf des kanadischen Tiernahrungsherstellers Champion.

Loebs Hedgefonds Third Point ist mit etwa drei Milliarden US-Dollar am schweizerischen Nahrungsmittelkonzern beteiligt. In seinem Brief an Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider, Verwaltungsrat Paul Bulcke und den Verwaltungsrat fordert er „Eile statt schrittweisem Herantasten“. Nestlé müsse Chancen nutzen, bevor die Konkurrenz dem Konzern zuvorkommt.

Damit erhöht Loeb den Druck auf Nestlé-Chef Schneider, der seine Pläne für den Nahrungsmittelriesen im vergangenen September präsentiert hatte. Um Investoren wie Loeb bei Laune zu halten, hatte Schneider ein Aktienrückkaufprogramm aufgelegt und dem Konzern erstmals ein Profitabilitätsziel verordnet. Die operative Marge soll bis zum Jahr 2020 auf bis zu 18,5 Prozent steigen.

Loebs Hedgefonds Third Point ist mit etwa drei Milliarden US-Dollar an dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern beteiligt. In seinem Brief an Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider, den Verwaltungsrat und dessen Präsidenten Paul Bulcke fordert er „Eile statt schrittweisen Herantastens“. Nestlé müsse Chancen nutzen, bevor die Konkurrenz dem Konzern zuvorkommt.

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    Der deutsch-amerikanische Manager will das Geschäft auf die Wachstumsfelder Kaffee, Tierfutter, Wasser und Säuglingsnahrung ausrichten. Von als wenig aussichtsreich geltenden Bereichen wie dem US-Süßwarengeschäft hat er sich bereits getrennt, das Kaffeegeschäft hat er ausgebaut. So ging Nestlé eine milliardenschwere Allianz mit der Kaffeehauskette Starbucks ein und übernahm den Ernährungsmittelhersteller Atrium Innovations.

    Und Schneider sieht sich damit noch nicht am Ziel. Wie das „Wall Street Journal“ am Montag berichtete, zeichnet sich bereits der nächste Deal ab. Demnach will Nestlé die Mehrheit am kanadischen Tiernahrungshersteller Champion Petfoods übernehmen. Die zwei Milliarden Dollar schwere Transaktion mit dem Finanzinvestor Bedford Capital sei aber noch nicht in trockenen Tüchern.

    Doch aus Loebs Sicht gehen die bisherigen Maßnahmen des Nestlé-Managements aber nicht weit genug. „Es gibt zu viele Beispiele für verpasste Gelegenheiten, um zu behaupten, dass Nestlé gut für die heutigen Märkte aufgestellt ist“, schreibt er. In einer 34-seitigen Präsentation fordert der Amerikaner, dass der Konzern weitere Geschäftsbereiche verkauft – darunter etwa Eiscreme, Tiefkühlkost und Süßigkeiten. Von bis zu 15 Prozent des Umsatzes solle der Konzern sich durch Verkäufe, Spin-offs oder auf anderen Wegen trennen.

    Das ist das Marken-Imperium von Nestlé
    Die Gründung
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    1866 gründete Henri Nestlé, ein Schweizer Apotheker deutscher Herkunft, die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A.. Als Logo wählte er sein eigenes Familienwappen, den Vogel bei der Brutpflege – Nestlé bedeutet im Schwäbischen „kleines Nest“. Unternehmensname und -logo blieben in der gesamten Firmengeschichte, über alle Fusionen und Zukäufe hinweg, unverändert.

    (Foto: dpa)
    Säuglingsnahrung
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    1867 erfand Nestlé ein Verfahren, um ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches als Muttermilchersatz verwendet werden konnte. Der Vertrieb als „Nestle's Kindermehl“ lief an. Dem Geschäft mit Säuglingsnahrung bleibt der Konzern bis heute treu: 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit stieg Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung vom Marktführer in den USA auch zur weltweiten Nummer eins auf.

    (Foto: Wikipedia Gemeinfrei)
    Milchprodukte
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    Auch das Geschäft mit Milchprodukten begleitet Nestlé bis heute. Die erste Übernahme war 1898 ein Milchpulverwerk in Norwegen, 1905 fusionierte Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Zum Jahresende 2006 begann Nestlé ein Joint Venture mit dem französischen Milchkonzern Lactatis, Hersteller von Marken wie Le Président. Nestlé behauptete sich durch diesen Schachzug als Nummer eins der weltweiten Milchindustrie.

    (Foto: AFP)
    Kaffee und andere Getränke
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    Ein weiterer Durchbruch gelang Nestlé 1938: Das Unternehmen erfand ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees und begann diesen unter der Marke Nescafé zu vertreiben. Der Vertrieb der seit 2010 boomenden Kaffeekapseln und Kapselmaschinen fällt dem innerhalb des Nestlé-Konzerns eigenständig agierenden Unternehmen Nespresso zu. Das Geschäft mit „Getränken in flüssiger und Pulverform“ macht heute den größten Anteil am Unternehmensumsatz Nestlés aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Beverage Partners Worldwide (BPW) mit Coca-Cola ist für den Vertrieb von Tee-Getränken mit Fokus auf Europa und Kanada zuständig.

    (Foto: dpa)
    Kritik an Nespresso
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    Die NGO Solidar Suisse kritisierte Nespresso 2011 dafür, als größter Kaffeehändler der Welt keinen fair gehandelten Kaffee anzubieten und parodierte die populären Werbevideos mit George Clooney. Nespresso wies die Vorwürfe zurück.

    (Foto: dpa)
    Cerealien
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    Mit dem US-Lebensmittelhersteller General Mills gründete Nestlé in den 1990er-Jahren das 50/50-Joint-Venture Cereal Partners Worldwide (CPW). Das Gemeinschaftsunternehmen bedient den Markt für Frühstücksgetreideprodukte außerhalb der USA.

    (Foto: Reuters)
    Fertigprodukte
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    1947 fusionierte Nestlé mit der Maggi AG. Neben Brühwürfeln und Flüssigwürze werden unter dem Namen Maggi bis heute vor allem Instantsuppen- und Gerichte vertrieben. Andere bekannte Nestlé-Marken der Fertigsparte sind beispielsweise der Nudelproduzent Buitoni und die Öl- und Soßenmarke Thomy.

    (Foto: Reuters)

    Zudem fordert Loeb erneut, dass Nestlé die 23-prozentige Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L’Oréal zu Geld macht. Dessen Chef Jean-Paul Agon hatte angeboten, Nestlé auszuzahlen. Doch Schneider wollte an dem Anteil bislang festhalten. In der Konzernzentrale in Vevey gilt die Beteiligung als lukrativ. Loeb hatte dagegen bereits im vergangenen Jahr den Verkauf der Anteile gefordert. Aus seiner Sicht fehlt es an einer „überzeugenden strategischen Begründung“ dafür, das Paket zu halten.

    Wenn es nach Loeb geht, soll sich auch die Organisation von Nestlé ändern. Er schlägt vor, Nestlé in die drei Sparten Getränke, Ernährung und medizinische Lebensmittel zu gliedern. Zudem fordert er, dass ein Experte für Ernährungsindustrie in die Nestlé-Führungsriege aufgenommen wird – es sei bezeichnend, dass dies noch nicht der Fall ist. Schließlich sei Nestlé in dem Geschäft die globale Nummer eins.

    Kaum ein gutes Haar lässt Loeb an Nestlé-Verwaltungsratschef Paul Bulcke. Er habe Nestlé durch eine „lange Periode der Underperformance“ geführt. Bulcke sei womöglich „zu zufrieden mit dem Status quo“. Auch nach dem Antritt von Ulf Mark Schneider als CEO habe es kaum personelle Veränderungen gegeben, kritisiert Loeb.

    Nestlé weist die Kritik zurück, freilich ohne den Namen des Adressaten zu nennen: „Durch schnelle und entschlossene Maßnahmen haben der Verwaltungsrat und das Management Ergebnisse vorgelegt“, heißt es in der Stellungnahme. Darin verweist der Konzern auf die zahlreichen Umbauten des Portfolios. Auch sei es Nestlé trotz des schwierigen Umfelds gelungen, den Umsatz zu steigern. Beim Erreichen des geplanten Margenziels befinde man sich „auf dem besten Weg“. Zudem habe Nestlé seinen Aktionären in den vergangenen zehn Jahren eine starke Rendite beschert und wolle auch in Zukunft „nachhaltigen Wert“ schaffen.

    Auch wenn der Konzern verspricht, die Meinung aller Aktionäre ernst zu nehmen, ist die Botschaft klar: Nestlé befindet sich auf Kurs. Dass Loeb sich damit zufrieden gibt, darf bezweifelt werden.

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