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Insolvente DrogerieketteDas bittere Finale der Schlecker-Pleite

Am Mittwoch sitzen die Schlecker-Mitarbeiter zum letzten Mal an der Kasse. Dann schließen die Läden der insolventen Drogeriemarktkette. Die Beschäftigten sind ab Anfang kommender Woche freigestellt. 25.06.2012 - 17:04 Uhr Artikel anhören

Am Mittwoch schließen die Läden der insolventen Drogeriemarktkette.

Foto: dpa

Ehingen. Die Tage der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker sind gezählt. Die 13 200 Mitarbeiter sind von kommenden Montag an freigestellt und erhalten später ihre Kündigungen. Das teilte die Insolvenzverwaltung am Montag mit. Die 2800 Schlecker-Filialen in Deutschland schließen bereits an diesem Mittwoch. Um den letzten Resteverkauf noch einmal anzukurbeln, erhöhte das Unternehmen zu Wochenbeginn die Rabatte auf 90 Prozent. Viele Regale sind aber bereits leer. Um die Zukunft der Töchter IhrPlatz und Schlecker XL wird dagegen weiter gerungen.

Deutschlands zweitgrößte Drogeriekette Rossmann hat allerdings kein Interesse mehr an einer Übernahme von Filialen des insolventen Konkurrenten. Anders sieht es bei dm aus: Die Karlsruher haben sich zahlreiche Märkte der Schlecker-Tochter IhrPlatz ausgeguckt.

Analyse

Was hinter dem Schreiben der Schlecker-Kinder steckt

In den Schlecker-Läden gehen indes am Mittwochnachmittag um 15.00 Uhr die letzten Lichter aus. „Danach wird nur noch aufgeräumt“, sagte ein Schlecker-Sprecher am Montag. Zwei Tage nach der Schließung der Märkte geht Post an die Belegschaft heraus: Sie werden von dem kommenden Montag an freigestellt, wie die Insolvenzverwaltung mitteilte.

An diesem Mittwoch und Donnerstag werde zudem der Gesamtbetriebsrat von Schlecker zusammenkommen, um Einzelheiten der Kündigungen zu besprechen. Im Juli sollen dann die Kündigungen an die Mitarbeiter verschickt werden, hieß es weiter. Bereits Ende März hatten im Zuge der Insolvenz 11 000 Schlecker-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist
Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.
Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.
Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.
Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.
Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.
Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.
Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.
Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.
Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.
Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.
Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.
Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.
Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.
Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz versucht derzeit, neben den Auslandsgesellschaften und den Töchtern auch einzelne Schlecker-Filialen zu verkaufen. Rossmann winkt nach anfänglichem Interesse an 80 Filialen des einstigen Rivalen aus Ehingen (Baden-Württemberg) aber ab. „Das Kapitel ist für uns jetzt eigentlich abgeschlossen“, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. „Wir haben uns ja vor allem Standorte der Tochter IhrPlatz angeschaut. Weil es für die nun offensichtlich einen Investor gibt, tut sich auf dem Markt vermutlich nicht mehr viel.“

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Interessant für Rossmann seien nur größere Läden in Innenstädten oder an Bahnhöfen gewesen, hieß es aus dem Unternehmen. Da die österreichische MTH Retail Group einen Kauf der Schlecker-Tochter IhrPlatz prüfe, sei der bisherige Schlecker-Ableger für Rossmann derzeit keine Option mehr zur Erweiterung des eigenen Netzes: „Was Schlecker betrifft, ist das Thema für uns eigentlich durch. Wir hatten auch nie Interesse an einem Einstieg bei Schlecker in einer größeren Dimension.“

Anders sieht es beim Konkurrenten dm aus, der hat bislang neun IhrPlatz-Filialen gekauft und will weitere übernehmen. „Wir sind nach wie vor an 80 IhrPlatz-Märkten interessiert“, sagte ein dm-Sprecher am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Karlsruhe.

dpa
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