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Kampf gegen Müll Viele Ankündigungen, wenig Erfolg: Warum die Plastik-Wende ausbleibt

Immer mehr Konsumenten fordern umweltfreundliche Verpackungen. Doch die Produktionsumstellung fällt Konzernen schwer. Das könnte sich rächen.
10.02.2020 - 15:50 Uhr Kommentieren
Die Bilanz der Anti-Plastik-Initiative der 28 Konsumgüter- und Chemiekonzerne ist ernüchternd. Quelle: dpa
Plastik

Die Bilanz der Anti-Plastik-Initiative der 28 Konsumgüter- und Chemiekonzerne ist ernüchternd.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, München Die Euphorie bei allen Beteiligten war groß. 28 Konsumgüter- und Chemiekonzerne, von Procter & Gamble und Henkel über BASF und Dow Chemical bis Exxon Mobil, kündigten vor gut einem Jahr die große Wende beim Plastikmüll an. Mindestens 1,5 Milliarden Euro sollten investiert werden im Kampf gegen die Vermüllung der Meere.

Auch einzelne Unternehmen formulierten ehrgeizige Ziele: So will Procter & Gamble es schaffen, dass bis zum Jahr 2025 rund 95 Prozent aller Verpackungsmaterialien in Europa recycelbar sind.

Große Ergebnisse sind bisher jedoch nicht zu sehen. Die im Henkel-Vorstand für Nachhaltigkeit zuständige Sylvie Nicol dämpfte jüngst im Handelsblatt-Interview die Erwartungen: „An der Allianz sind viele Firmen beteiligt. Wir müssen erst einmal die Grundlagen der konkreten Zusammenarbeit festlegen und die konkreten Aufgaben organisieren“, sagte sie, fügte jedoch hinzu: „Erste Projekte sind aber auf dem Weg.“

Ähnlich sieht es bei der deutschen Initiative „Rezyklat-Forum“ aus, die schon im September 2018 gestartet ist. Das Forum, gegründet von dm zusammen mit Brauns-Heitmann, Dr. Bronner’s, ecover + method, Einhorn, Henkel, Procter & Gamble, Share und Vöslauer Mineralwasser, hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von recyceltem Plastik in Verpackungen wie Shampoo- und Spüliflaschen zu erhöhen sowie das Bewusstsein der Kunden für Recycling und Müllvermeidung zu fördern. „Das Forum hat wirklich den Anspruch, etwas zu erarbeiten“, betonte dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer.

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    Heute, knapp anderthalb Jahre nach Gründung, ist die Zahl der Mitglieder zwar auf 32 gestiegen, die Bilanz der Initiative erschöpft sich aber noch immer weitgehend in Absichtserklärungen. Die Mitglieder haben vor allem Info-Kampagnen auf den Weg gebracht – oder Schilder an den Regalen montiert, um Verbraucher darauf hinzuweisen, welche Verpackungen direkt in den Müll wandern und welche wiederverwendet oder recycelt werden können.

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    Auch Experten beobachten, dass weitreichende Maßnahmen häufig noch Mangelware sind. „Viele große Konzerne haben Strategien zur Plastikvermeidung mit Absichtserklärungen öffentlich gemacht und Pilotprojekte gestartet“, sagt Klaus Ballas, Partner der Unternehmensberatung EY. „Wie sie wirklich ihre Wertschöpfungskette im großen Maßstab umstellen wollen, ist der nächste Schritt, der gemacht werden muss“, mahnt der Experte für Handel und Konsumgüter an.

    Doch genau davor schrecken viele Konzerne zurück. „Nur wenige Unternehmen sind dazu bereit, in eine umfassende Umstellung ihres Geschäftsmodells zu investieren“, sagt Ballas. Er hält diese Zurückhaltung für eine verpasste Chance. „Die Umstellung muss zwar erst mal finanziert werden“, so der Berater, „kann jedoch langfristig eine Chance und Investition sein.“

    Denn die Kunden fordern es zunehmend ein. 71 Prozent der Verbraucher geben an, beim Einkauf auf wenig Verpackung zu achten – vor drei Jahren waren es erst 61 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Food-Studie des Konsumforschers Nielsen, der etwa 11.000 deutsche Haushalte befragte. „Hersteller, die Verpackungen reduzieren oder recycelbar machen, können bei den Kunden punkten“, beobachtet die Nielsen-Beraterin Birgit Czinkota.

    Gesetzliche Vorschriften stehen im Weg

    Heute rächt sich, dass die Unternehmen erst spät und auf öffentlichen Druck das Plastikproblem angehen. Denn die Umstellung langjährig eingespielter Prozesse ist kompliziert und teuer.

    So musste dm beispielsweise erst einmal aufwendig ermitteln, wie viel Recyclingmaterial in den angebotenen Verpackungen überhaupt steckt. Es dauerte, bis der Drogeriemarkt genug Daten zusammengetragen hatte, um in seinen Regalen Produkte, deren Verpackung aus mindestens 70 Prozent Recyclingmaterial besteht, entsprechend ausweisen zu können.

    Manchmal stehen auch gesetzliche Vorschriften im Weg. So wollten die Unternehmen des Rezyklat-Forums, die für so viele Wasch-, Putz- und Reinigungsmittelflaschen in deutschen Mülleimern stehen, dafür eintreten, dass größere Anteile von recyceltem Plastik, sogenannte Rezyklate, aus dem Haushaltsmüll wiederverwendet werden können.

    Doch bisher muss wiederverwendetes Plastik den Standard der Lebensmitteltauglichkeit erfüllen. Das ist teuer in der Aufbereitung. Deshalb wird heute der größte Teil des in Deutschland gesammelten Plastikmülls verbrannt.

    Noch im April 2019 sagte dm-Geschäftsführer Bayer selbstbewusst: „Wir brauchen drei Standards“, etwa für Kosmetik sowie Wasch- und Putzmittel, um „mehr aus dem Verpackungsmüll herausholen zu können“. Heute spricht Bayer nur noch von „mindestens einem weiteren Standard, zum Beispiel für Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel“. Für dieses Ziel „stehen wir bei dm und im Rezyklat-Forum im kontinuierlichen Dialog mit der Politik“.

    Reinhard Schneider, Chef des Familienunternehmens Werner & Mertz, zu dem auch die Reinigungsmittelmarke Frosch gehört, kann darüber nicht mal mehr lächeln. Er kämpft seit Jahren dafür, dass Verpackungen zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik hergestellt werden.

    Zusammen mit dem Grünen Punkt und dem Verpackungshersteller Alpla wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem auf dem Firmengelände Flaschen allein aus Altplastik produziert werden – mit 20 Prozent Plastik aus dem Gelben Sack. Doch um das branchenweit durchzusetzen, fehlten ihm die Mitstreiter bei den großen Konzernen, um wirklich etwas zu bewegen.
    Die setzten bisher lieber auf kleine Projekte bei einzelnen Produkten, um an ihrem grünen Image zu arbeiten. So hat Henkel beispielsweise zum Weltumwelttag im vergangenen Jahr jeweils eine „Limited Edition“ des Duschgels Fa und des Shampoos Schauma herausgebracht, deren Verpackung zu 100 Prozent aus Rezyklat bestand.
    Doch in der Breite sind die Konzerne noch lange nicht so weit. So lag bei Henkel der Anteil an Rezyklat in den Verpackungen in Europa 2018 gerade mal bei zehn Prozent. Bis 2025 soll dieser Wert auf 35 Prozent erhöht werden.

    Plastikvermeidung ist bisher eher Nischenthema
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