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Knossi, Trymacs, LucianoWie Lanch Internetstars zu Gastronomen macht

Die Streamer Knossi und Trymacs sowie der Rapper Luciano eröffneten über Nacht Lieferketten für Pizza und Hähnchen. Möglich gemacht hat das ein Start-up aus Berlin. So will Lanch Geld verdienen.Katrin Terpitz 19.02.2024 - 20:38 Uhr
Die Streamer Knossi und Trymacs wurden über Nacht zu Gastronomen. Die Rezepte für ihre Pizzakette Happy Slice haben die beiden mitentwickelt. Foto: Lanch

Düsseldorf. Mehrere Hundert Meter lang war die Schlange vor dem Restaurant „Loco Chicken“, das Deutschrapper Luciano im Oktober in Berlin-Friedrichshain eröffnete. Die Fans wollten unbedingt frittiertes Hähnchen, Pommes und Waffeln ihres Stars probieren. Zeitgleich eröffnete Luciano bundesweit 100 Chicken-Restaurants, die die Bestellungen ausschließlich liefern.

Die Blitzkarriere des Rappers als Großgastronom hat das Start-up Lanch möglich gemacht. Lanch hatte bereits im Mai mit den Streaming-Stars Knossi und Trymacs eine Pizzakette namens Happy Slice mit nun 65 Filialen eröffnet.

Das Prinzip des Start-ups funktioniert so: Marken wie Happy Slice und Loco Chicken nutzen Küchen etablierter Restaurants, deren Kapazitäten nicht voll ausgelastet sind. Das Essen wird von Lieferdiensten ausgefahren. „Wir betreiben keine Ghost-Kitchen im Hinterhof oder Gewerbegebiet, sondern nutzen eingespielte Restaurants“, erklärt Nono Konopka, Mitgründer von Lanch.

Insgesamt hat Lanch nach eigenen Angaben bisher mehr als eine Million Produkte verkauft. Die weiteren Pläne sind ambitioniert: Happy Slice und Loco Chicken sollen ins Ausland expandieren – mithilfe lokaler Youtube-Stars.

Künftig sollen auch Produkte der Marken im Einzelhandel erhältlich sein. In Deutschland sind zudem bis Jahresende 20 Loco-Chicken-Restaurants als Franchising zum Vor-Ort-Verzehr anvisiert. Mitte des Jahres plant Lanch eine Burgermarke mit zwei bekannten Youtuberinnen.

Rapper Luciano eröffnete in Berlin sein eignes Restaurant Loco Chicken. Foto: Lanch

Auf die Geschäftsidee kam Marketingexperte Konopka, als ein Freund eine Pizzeria eröffnete. Das neue Restaurant lief gut, aber das Liefergeschäft schleppend. „Denn die Leute bestellen meist nur von den ersten fünf Lokalen, die im Internet angezeigt werden“, sagt der 30-Jährige.

Lanch bringt Stars wie Knossi und Luciano mit Restaurants zusammen

Kurz darauf erzählte ihm ein Youtuber, er würde gern ein Restaurant aufmachen. Doch weil seine Fans im ganzen Land verstreut lebten, sei das wenig sinnvoll. Mit Lanch bringt Konopka nun Internetstars und unausgelastete Restaurants zusammen.

Die Expertise teilt sich das Gründerteam auf: Jonas Meynert ist Beschaffungsexperte. Kevin Kock und Finedining-Koch Dominic Kluge arbeiteten früher beim Start-up Honest Food. Honest Food betrieb virtuelle Restaurants in sieben Ländern, lieferte das Essen also ausschließlich aus und wurde 2019 von Delivery Hero übernommen.

Das Berliner Start-up Lanch wurde von Jonas Meynert, Nono Konopka, Dominic Kluge und Kevin Kock (v.l.) gegründet. Inzwischen betreibt es 165 virtuelle Restaurants. Foto: Lanch

Branchenexperte Axel Weber, der bei der Soda Group Gastro-Unternehmen berät, begrüßt Zusatzgeschäfte für Gastronomen durch virtuelle Restaurant-Marken.

In virtuellen Marken sieht er eine Bereicherung für die Gastro-Landschaft. „Diese sind meist impulsiv, innovativ und funky“, so Weber. Sie belebten eine Branche, die von Systemgastronomie vereinnahmt und von hoher Standardisierung geprägt sei.

Kommentar

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Das Besondere: Die Rezepte haben dabei die Stars mitentwickelt, die sonst Inhalte in den sozialen Medien produzieren. Bei jeder Bestellung erhalten Kunden einen Code, in der App werden etwa Playstations, ein Auto oder exklusive Events mit ihren Idolen verlost.

An jeder Pizza oder Hähnchenportion verdienen die Inhalteproduzenten mit, genauso wie der Lieferdienst und Lanch selbst. Der größte Teil der Einnahmen bleibe bei den Restaurants, betont Mitgründer Konopka, ohne Details zu nennen. „Lokale in kleineren Städten machen dank Lanch Umsätze, die sie sonst nie erzielen könnten.“

Die Marke Happy Slice ist nicht die erste virtuelle Pizzakette in Deutschland. Milano Vice öffnete 2022 und hat seitdem mehr als eine Million Pizzen verkauft. Derzeit haben die Berliner knapp 60 Restaurantpartner. „Bäckereien, Hotels oder Pizzerien können so unausgelastete Küchenkapazitäten nutzen und ihren Umsatz mehr als verdoppeln“, sagt CEO Rudolf Donauer, der früher bei Delivery Hero gearbeitet hat.

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Vermittler Lanch hat bisher 15 Millionen Dollar Kapital eingesammelt. Zu den Investoren zählen neben den Social-Media-Darstellern etwa Felix Capital, HV Capital, die Fußballer Mario Götze und André Schürrle sowie verschiedene Gründer von Flaschenpost, Gorillas und Foodspring. Investor Jochen Engert, Co-Gründer von Flixbus, ist überzeugt, dass Lanch die Mainstream-Marken der Zukunft baut. „Der enge Bezug der Kreatoren zu ihren Fans und Kunden schafft für alle Beteiligten einen echten Mehrwert.“

Social-Media-Stars wie Capital Bra beeinflussen Kaufentscheidung

Jeder fünfte Deutsche hat sich beim Kauf eines Produkts bereits von einem Social-Media-Star beeinflussen lassen. Das zeigt eine Umfrage des Bundesverbands der Digitalen Wirtschaft von 2020. Bei den 16- bis 24-Jährigen war es sogar jeder Zweite. Die sogenannte Creator-Economy ist ein wachsender Markt. Etliche Stars wie Knossi und Luciano haben eigene Food-Marken. Der Hype um den Eistee BraTea von Rapper Capital Bra ist aber schon wieder abgeflaut.

Streamer Knossi nutzt seine Popularität, um die Pizzakette Happy Slice bekannt zu machen. Foto: Lanch

„Der Kreator ist vor allem zu Beginn wichtig, um unsere Marke bekannt zu machen“, stellt Konopka klar. Danach sei die Produktqualität entscheidend. „Unsere Marken heißen bewusst nicht Knossi-Pizza oder Luciano-Chicken. Sie leben unabhängig von den Stars.“

100 Millionen Dollar: Streit über Burger von Mr Beast

Ist eine Marke direkt mit dem Namen eines Influencers verbunden, kann das für beide Seiten heikel werden. Das zeigt das Beispiel von Mr Beast. Der US-Youtuber mit 236 Millionen Followern hatte 2020 den sogenannten MrBeast-Burger auf den Markt gebracht. Das Unternehmen Virtual Dining Concepts (VDC) eröffnete für ihn über Nacht eine virtuelle Burgerkette mit über 1700 Ghost-Kitchens, wo die Burger zubereitet wurden. In nur eineinhalb Jahren spielten die Burger 100 Millionen Dollar Umsatz ein.

Doch dann häuften sich Beschwerden. Mr Beast – mit bürgerlichem Namen Jimmy Donaldson – schmeckten seine eigenen Burger nicht mehr, sie seien „minderwertig“ und zuweilen „ungenießbar“. Im Juli 2023 verklagte er die Ghost-Kitchen-Kette wegen Rufschädigung. VDC erhob Gegenklage und verlangt von Mr Beast Schadensersatz von 100 Millionen Dollar.

Virtuelle Marken sind eine Bereicherung für die Gastro-Landschaft.
Axel Weber
Soda Group

Um einen ähnlichen Streit zu verhindern, setzt Lanch auf Qualitätsmanagement. Eine Software ermittelt anhand von Bewertungen und Lieferzeiten, wo Probleme liegen. Etliche Kunden bemängeln im Internet lange Wartezeit und kaltes Essen. „Lieferdienste waren vom Ansturm gerade anfangs überfordert“, erklärt Konopka.

Ende des Jahres will Lanch insgesamt 250 virtuelle und stationäre Restaurants betreiben. Dazu zählt auch eine neue Burgermarke mit zwei Youtuberinnen. „Im Ausland wollen wir das Geschäftsmodell auf die dortigen Top-Kreatoren übertragen“, so Konopka. Für Happy Slice und Loco Chicken sind die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Österreich interessant.

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Erstpublikation: 19.02.2024, 13:37 Uhr.

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