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Kreuzfahrtranking 2020 Das sind die Kreuzfahrtfirmen mit der schlechtesten Klimabilanz

Die Kreuzfahrtbranche will wieder hochfahren. Doch die Klimabilanz der Umweltriesen bleibt ein Problem. Der Nabu zeigt, welche Anbieter besonders umweltschädlich arbeiten.
11.09.2020 - 14:40 Uhr Kommentieren
Seit einigen Wochen macht Tui Cruises wieder Kurztrips mit weniger Passagieren. Die dürfen das Schiff währenddessen nicht verlassen. Quelle: dpa
Landgang verboten

Seit einigen Wochen macht Tui Cruises wieder Kurztrips mit weniger Passagieren. Die dürfen das Schiff währenddessen nicht verlassen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Besser als nichts ist meistens nicht übermäßig toll. Doch Wybcke Meier sagt trotzdem: Der Neustart nach der Corona-bedingten Zwangspause sei „geglückt“. Es bleibt der Chefin des Kreuzfahrtunternehmens Tui Cruises nichts anderes übrig, als Optimismus zu verbreiten. Also gibt sie sich mit „40 bis 45 Prozent Auslastung“ der Schiffe zufrieden. Möglich wären unter den geltenden Hygieneregeln 60 Prozent.

Tatsächlich geht es Tui Cruises damit besser als vielen anderen, die entweder wie Aida die Wiederaufnahme der Vergnügungstouren noch mal um Monate verschoben haben oder überhaupt erst 2021 wieder Passagiere an Bord lassen. Kreuzfahrten 2020 – das war nach Jahren des Wachstums ein schlechtes Geschäft. Von März bis August fand fast keine Reise statt. Kreuzfahrtfans und Kreuzfahrtberater treibt die Ungeduld, sich selbst und andere wieder auf den Ozean zu schicken.

Aus ökologischer Sicht bietet der Stillstand der Schiffe jedoch eine Chance: Die Emissionen sinken wegen Corona, das entlastet die Umwelt. Und für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ist nun der ideale Zeitpunkt, „um sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Vorzeichen die Kreuzfahrt eine Zukunft haben kann“.

Denn abgesehen von dem externen Corona-Effekt des geringeren CO2-Ausstoßes sind die Bemühungen der europäischen Kreuzfahrtgesellschaften für mehr Umweltschutz ungenügend. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Kreuzfahrtranking 2020 vom Nabu hervor. Der stellt den 18 größten europäischen Anbietern ein überwiegend schlechtes Zeugnis aus. Die Mehrheit sei „weit davon entfernt, den Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu entsprechen“. Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller sagt: „Der Branche läuft die Zeit davon, wenn sie im Jahr 2050 vollständig emissionsfrei unterwegs sein möchte.“

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    Die beiden größten deutschen Anbieter, Aida und Tui Cruises, gehören unter den wenig Gelobten noch zum oberen Drittel. Aida ist demnach eine von vier Gesellschaften, die eine nachvollziehbare Strategie vorweist, wie das Unternehmen das Pariser Abkommen einhalten will. Tui Cruises gehört nicht dazu.

    Neben der Frage nach der Strategie überprüfte der Nabu Punkte wie Emissionsminderung und die Effizienzsteigerung der Flotte und fragte ab, ob etwa Stickoxidkatalysatoren sowie Rußpartikelfilter eingebaut seien. Nur bei den Katalysatoren schnitt ein Unternehmen gut ab: der französische Luxusanbieter Ponant, der auch insgesamt Rang eins belegte.

    Größtes Kreuzfahrtschiff der Welt landet im Mittelfeld

    Die vier größten Kreuzfahrtschiffe der Welt halten da nicht mit. Sie gehören alle zu Royal Caribbean, einer US-Reederei, die gemeinsam mit dem Tui-Konzern auch Tui Cruises besitzt. Der Nabu fand bei den Royal-Caribbean-Schiffen in allen Bereichen Defizite.

    Wo stehen die Reedereien bei Klima- und Umweltschutzmaßnahmen?
    NABU Kreuzfahrt-Ranking 2020

    Wo stehen die Reedereien bei Klima- und Umweltschutzmaßnahmen?

    Ansätze, wie es besser gehen soll, lieferten die Umweltschützer gleich mit. Bis 2023 müsse der „Abschied vom giftigen Schweröl“ besiegelt sein. In der aktuellen Auswertung verzichteten nur Hapag-Lloyd Cruises aus Hamburg und zwei weitere auf Schweröl. Außerdem fordert der Nabu bis 2023 von jedem Unternehmen eine klare Klimastrategie und die Nutzung von Landstrom. Landstrom bezeichnet die Energieversorgung der Schiffe während der Liegezeiten im Hafen. Sie ist umweltfreundlicher als der Einsatz von Dieselgeneratoren. Bis 2030 müsste das erste emissionsfreie Schiff in Betrieb gehen und ein Standard von null Emissionen für alle Neubauten gelten, heißt es in dem Vorschlag des Vereins.

    Der Nabu warnt die Kreuzfahrtgesellschaften davor, geplante Investitionen in den Klimaschutz zurückzustellen. Tui Cruises hat das offenbar nicht vor. Eine Sprecherin sagte dem Handelsblatt, es seien keine Projekte für den Umweltschutz gestrichen worden. Darüber, wie hoch die geplanten Investitionen in den Klimaschutz in diesem Jahr sind, gibt das Hamburger Unternehmen aber keine Auskunft. Das Thema werde „weiterhin an Relevanz gewinnen“.

    Geht es nach dem Naturschutzbund, räumt Tui Cruises dem Problem der Emissionen noch nicht genug Relevanz ein. Im Ranking steht das Unternehmen auf Platz sechs. Doch nur für seine Effizienzmaßnahmen bekommt es eine gute Note. Der Nabu kritisiert vor allem, Tui Cruises habe weder den Einsatz von Schweröl gestoppt noch ausreichend Rußpartikelfilter im Einsatz.

    Die Rostocker Aida beteiligt sich seit diesem Jahr als einzige deutsche Kreuzfahrtreederei an einem EU-Forschungsprojekt unter der Federführung des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik. Zusammen mit Werften, Reedereien, Motorenherstellern und dem Forschungsinstitut Jülich arbeiten die Teilnehmer an Lösungen für eine neue Hybridtechnik aus Flüssiggas, Batteriespeicher und Brennstoffzellen für Kreuzfahrtschiffe.

    Wegen der Pandemie musste Aida jedoch die Aufnahme des Landstrombetriebs im Kieler und Rostocker Hafen auf kommendes Jahr verschieben. Ob der Konzern Budgets für den Klimaschutz gekürzt hat, ließ er auf Anfrage unbeantwortet.

    Eine wirtschaftliche Schieflage der Konzerne dürfte langfristig kein gutes Zeichen für den Umweltschutz sein. Denn darbenden Reedern würde das Geld fehlen, um in Umrüstung und neue, saubere Schiffe zu investieren. Die Folge: Alte Dampfer würden weiterbetrieben. Wie real dieses Szenario ist, zeigt das Beispiel der Frachtschifffahrt: Seit mehr als einem Jahrzehnt kämpft diese wegen eines Überangebots an Tankern mit sinkenden Frachtpreisen. Den Reedern fehlt das Kapital, um die Flotte konsequent ökologisch umzurüsten.

    Mehr: Hapags Kreuzfahrtchef wagt den Neustart seiner Luxusliner

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