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Maurer RidesDiese Firma bringt die Achterbahn aufs Kreuzfahrtschiff

Maurer Rides hat ein Fahrgeschäft entwickelt, das auch auf Ozeandampfern installiert werden kann. Doch die Corona-Pandemie könnte die Jungfernfahrt verzögern. Axel Höpner 22.08.2020 - 16:13 Uhr

Die Achterbahn geht einmal über das komplette Deck.

Foto: Maurer Rides GmbH Maurer Rides GmbH

München. Als Sechsjähriger ist Marco Hartwig zum ersten Mal mit einer Achterbahn gefahren. „Da hat es mich gepackt“, sagt der 28-Jährige. Mehr als 100 Achterbahnen weltweit ist er inzwischen gefahren. Sein Hobby hat er nach dem Maschinenbau- und Systems-Engineering-Studium zum Beruf gemacht. Hartwig verantwortet beim Fahrgeschäft-Bauer Maurer Rides eines der spektakulärsten Projekte in seiner Branche: Die Münchener Firma baut erstmals Achterbahnen auf zwei Kreuzfahrtschiffen.

In einer finnischen Werft ist das Fahrgeschäft auf der neuen „Mardi Gras“ von Carnival Cruise Lines bereits installiert. Wenn Corona es zulässt, soll das Schiff im Februar erstmals in See stechen. Auf einem Testgelände bei Güstrow wurde darüber hinaus die neue Achterbahn für die „Global Dream“ von Dream Cruises für Testfahrten aufgebaut. Diese ist dann mit mehr als 300 Metern die längste auf See, sie ist 55 Meter hoch und erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern. So etwas hat selbst der Achterbahn-Freak Hartwig noch nicht erlebt.

Bislang waren Achterbahnen zu Wasser nicht möglich. „Man brauchte einen festen Untergrund“, sagt Hartwig. Doch der neue „Spike-Coaster“ von Maurer Rides ist nicht nur die erste interaktive Achterbahn, bei der die Fahrgäste ähnlich wie zum Beispiel auf einer Sommerrodelbahn selbst beschleunigen und bremsen können. Die neue Technologie mit kraftvollen Elektromotoren und einem innovativen Schienensystem ermöglicht auch den Einsatz auf schwankendem Grund.

So hat sich das Traditionsunternehmen, das früher BHS/Anton Schwarzkopf hieß und 1992 vom Familienunternehmen Maurer übernommen wurde, aktuell ganz auf den neuen „Spike-Coaster“ konzentriert. Das erste Fahrgeschäft wurde im Skyline-Park westlich von München vor drei Jahren eröffnet. Die Freizeitparks müssen ihren Kunden ständig Neues bieten, da kam die tiefe Sitzposition und die Möglichkeit, das Gefährt selbst zu steuern, gut an.

Wettrennen möglich

„Wir müssen das Gefühl erwecken, dass die Kunden, wenn sie aussteigen, gleich noch einmal fahren wollen“, sagt Hartwig. Beim Spike-Coaster können die Fahrgäste ihre Fahrzeit stoppen und auf zweispurigen Strecken, wie derzeit in einer Anlage in Italien, gegeneinander Rennen fahren.

Da die Technologie auch sehr flexible Designs und kompakte Anlagen ermöglicht, sieht Maurer große Chancen, Kunden nicht nur unter den Freizeitparks, sondern auch unter den Kreuzfahrt-Reedereien zu finden. „Die müssen ja auch immer etwas Neues bieten“, sagt Hartwig.

So war bei Maurer Rides alles auf Expansion ausgerichtet – und dann kam Corona. Unter der Pandemie leiden beide Branchen: Die Freizeitparks und die Kreuzfahrt-Touristik. Laut Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) summierten sich die Umsatzausfälle allein zwischen Mitte März und Ende April auf mehr als 300 Millionen Euro. 40 Prozent der Mitgliedsunternehmen sahen sich zwischenzeitlich von einer durch die Corona-Pandemie bedingten Insolvenz bedroht.

Inzwischen sind die meisten Parks wieder eröffnet. Doch nicht überall läuft das Geschäft schon wieder rund. „Parks mit regionalem Einzugsgebiet tun sich momentan leichter als jene, die von Touristen abhängen“, sagt Jakob Wahl, Executive Director des Weltverbands der Freizeitparks (IAAPA). Gerade den Freizeitparks in Südeuropa fehlen die Besucher.

Aktuell liegt das Kreuzfahrtschiff noch in der Werft.

Foto: Maurer Rides GmbH Maurer Rides GmbH

Als Projektleiter bei Maurer Rides verantwortet er den Spike-Coaster, der auch auf zwei Kreuzfahrtschiffen die Attraktion sein soll.

Foto: Maurer Rides GmbH

Die deutschen Parks profitieren zwar vom Trend zum Urlaub daheim. „Allerdings machen wir beim Betrieb auf derzeitigem Niveau bestenfalls eine schwarze Null“, betont Roland Mack, Chef und Gesellschafter des Europarks, Deutschlands größtem Freizeitpark.

Der Kreuzfahrtbranche geht es nicht besser. Zwar sind inzwischen Fahrten unter strengen Auflagen wieder möglich. So konnte Anfang August Hapag-Lloyds Fünf-Sterne-plus-Dampfer „MS Europa 2“ wieder ablegen. Doch sind die wirtschaftlichen Einbußen für die Branche immens. Die spanische Reederei Pullmantur musste im Juni einen Insolvenzantrag stellen.

Noch bekommt Maurer Rides die Auswirkungen nicht zu spüren. Die beiden Reedereien haben die Achterbahn-Aufträge durchgezogen. „Wir sind begeistert von den Fortschritten beim Bau der Achterbahn und freuen uns darauf, unseren Gästen diese Fahrt zu enthüllen, wenn unser Schiff vom Stapel läuft“, sagte Dream-Cruises-Präsident Michael Goh.

Bis weit ins nächste Jahr hinein ist das Münchener Unternehmen, das laut Branchenschätzungen auf 20 Millionen Euro Umsatz kommt, gut ausgelastet. Doch wie groß langfristig die Investitionsbereitschaft in den angeschlagenen Branchen ist, weiß niemand.

Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum dominieren

Hartwig ist durchaus zuversichtlich. Freizeitparks wie Kreuzfahrtschiffe müssten den Kunden nach der Pandemie besondere Attraktionen bieten, um sie zurückzulocken. Maurer Rides habe einen technologischen Vorsprung vor der Konkurrenz, mit der interaktiven Achterbahn sei man allein auf dem Markt.

Weltweit spielen Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum eine dominante Rolle. Mack vom Europapark hat seine eigene Firma Mack Rides, die zum Beispiel die Wilde Maus entwickelt hat. Gerstlauer Amusement Rides ist zum Beispiel mit dem Euro-Fighter und sogenannten Spinning-Coaster, die bei der Achterbahnfahrt um die eigene Achse rotieren, in Freizeitparks vertreten. Auch die Schweizer B&M (Bolliger&Mabillard) hat viele innovative Fahrgeschäfte auf den Markt gebracht.

Aktuell liegt das Kreuzfahrtschiff noch in der Werft.

Foto: Maurer Rides GmbH Maurer Rides GmbH

Aktuell wird die Achterbahn noch auf dem Land erprobt.

Foto: Maurer Rides GmbH

Maurer Rides baut zudem auch Riesenräder, im Münchener Werk-Viertel steht eines. Doch derzeit konzentriert sich die Firma ganz auf die Spike-Coaster. Das Fahrgeschäft sei für die ganze Familie geeignet, schwärmt Hartwig. Adrenalin-Junkies wie er selbst können Gas geben, vorsichtigere Gemüter langsam durch die Kurven fahren. „Wir wollten etwas Neues schaffen, was es noch nicht gibt auf der Welt.“

Und der Maschinenbauer träumt schon von den nächsten Projekten. Einen Spike-Coaster, der auch über Kopf fährt, wäre doch etwas. Noch ist das technologisch nicht umsetzbar. Doch eines Tages, hofft Hartwig, wird er auch so eine Bahn seiner Liste hinzufügen können.

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