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Luftfahrt Die Klimadebatte setzt Privatjets immer mehr zu

Flüge mit Privatjets sollen deutlich mehr Emissionen verursachen als Flüge mit einer Liniengesellschaft. Im Zuge der Klimadebatte wird bereits ein Verbot diskutiert.
06.01.2020 - 08:17 Uhr Kommentieren
Ein Flug in einem Privatflugzeug soll zehnmal mehr Emissionen verursachen als ein Flug in der Economy-Klasse einer Liniengesellschaft. Quelle: dapd
Privatflugzeug

Ein Flug in einem Privatflugzeug soll zehnmal mehr Emissionen verursachen als ein Flug in der Economy-Klasse einer Liniengesellschaft.

(Foto: dapd)

Frankfurt Der Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat die Wahl zwar gegen seinen Widersacher Boris Johnson verloren. Doch eine Idee, die seinem Wahlkampflager zugerechnet wird, hat einen Teilbereich der Luftfahrtbranche nachhaltig aufgeschreckt: ein Verbot von Privatjets.

Entwickelt hat den Vorschlag der Thinktank Common Wealth, untermauert mit einer Studie. Ein Ergebnis: Ein Flug in einem Privatflugzeug soll rund zehnmal mehr Emissionen verursachen als ein vergleichbarer Flug in der Economy-Klasse einer Liniengesellschaft. Gegenüber der Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug soll Fliegen in der privaten Maschine das Klima sogar um den Faktor 150 stärker belasten.

Auch wenn sich das geforderte Verbot auf Großbritannien bezog und die Idee nach dem Wahlausgang Mitte Dezember sowieso vorerst nicht realisiert werden dürfte – die heftigen Vorwürfe und schwer verdaulichen Daten setzen der Geschäftsfliegerei zu. Schon länger sieht sie sich in der Klimadebatte in die Ecke gedrängt.

Im November etwa besetzten Aktivisten der Organisation „Extinction Rebellion“ das Terminal für Privatjets am Flughafen Genf. Wenige Wochen zuvor hatten Aktivisten der gleichen Initiative den Londoner City Airport blockiert, der stark von Business-Flugzeugen angesteuert wird.

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    Die Debatte um klimaschädigende Privatfliegerei erwischt die Branche in schwierigen Zeiten. Schon lange kämpft der Privatjet gegen sein Image als überflüssiger Luxus. Dennoch konnte dieser Bereich der Luftfahrt in den zurückliegenden drei Jahren kräftig wachsen.

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    Doch das scheint sich langsam zu ändern. Darauf deuten Daten der Berater von Kreutzer Fischer & Partner hin. Sie stellten fest, dass der schon länger bestehende Preiskampf noch an Schärfe gewonnen hat. Kostete eine Flugstunde 2015 im Schnitt 19.300 Euro, waren es 2018 nur noch 18.200 Euro, rechnen die Berater vor.

    Vor allem Jets mit einer Reichweite von 4.000 Kilometern und mit Platz für bis zu sechs Passagiere spüren den Preiskampf. Hier verbilligte sich die Flugstunde innerhalb von drei Jahren um zehn Prozent auf 9.300 Euro.

    Problem: Überkapazitäten

    Als Ursache für den Preisverfall machen die Experten von Kreutzer Fischer & Partner die Überkapazitäten aus. Seit 2015 habe sich die Zahl der in Europa zu mietenden Privatjets um 15 Prozent auf rund 730 erhöht. Zwar sei auch die Nachfrage gestiegen, aber mit zehn Prozent nicht im gleichen Umfang. Nicht eingerechnet in diese Zahlen sind jene Jets etwa von Unternehmen oder Institutionen, die nicht im freien Markt zu mieten sind.

    Die Branche versucht nun, in der Klimadebatte mit Gegenargumenten zu punkten. Schon die Luftfahrt insgesamt sei nur für weniger als drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Ein Verbot eines Teilbereichs wie dem der Privatjets helfe der Umwelt deshalb wenig, heißt es etwa bei der European Business Aviation Association.

    In Deutschland verweist man zudem auf die Bedeutung privat genutzter Jets. Sie seien in dem dezentralen Land unverzichtbar, argumentiert die German Business Aviation Association (GBAA). Schließlich zögen sich Linien-Fluggesellschaften und auch die Bahn immer mehr aus der Fläche zurück.

    „Den individuellen Luftverkehr zu verbieten ist, als ob man den Straßenverkehr ausschließlich auf öffentliche Verkehrsmittel beschränken wollte“, sagte GBAA-Geschäftsführer Andreas Mundsinger kürzlich dem Fachinformationsdienst „Airliners.de“. Der größte Teil der Gäste in den Privatjets fliege nicht zum Spaß durch die Gegend, sondern ausschließlich zu geschäftlichen Zwecken.

    Dennoch weiß man auch in der Geschäftsfliegerei, dass man sich der Klimadebatte stellen und Lösungen finden muss. Dabei sind Alternativen hier vielleicht sogar einfacher zu realisieren als im Linienverkehr mit großem Gerät. Bei viersitzigen Flugzeugen etwa sind elektrische Antriebe durchaus möglich, bescheinigen Forscher.

    Und so überrascht es nicht, dass das Thema Klima im vergangenen Sommer auf der Ebace, der jährlichen Fachmesse für Business Aviation in Genf, eine große Rolle spielte. Allein 23 Business-Jets reisten zur Schau mit nachhaltig erzeugtem Biosprit an. So hofft man, aus der Ecke des Schmuddelkindes und des überflüssigen Klimakillers herauszukommen.

    Mehr: Kaum eine Branche steht beim Thema Umweltbelastung so sehr am Pranger wie die Luftfahrt. Bisher verpuffen alle Ideen und Initiativen der Unternehmen.

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