Luftfahrt: „Flughäfen sind kritische Infrastruktur im Verteidigungsfall“
Frankfurt. Die Luftfahrtbranche will von dem gewaltigen Finanzpaket von Union und SPD profitieren. Flughäfen seien kritische Infrastruktur, sagte Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport, am Dienstagvormittag bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das Jahr 2024. „Wenn es um den Verteidigungsfall geht, ist der Frankfurter Flughafen sofort dabei.“
Es sind mahnende Worte an die künftige Regierung. „Die Rahmenbedingungen müssen eindeutig verbessert werden“, sagte Schulte. Die Branche fühlt sich seit Langem nicht ausreichend von der Politik berücksichtigt.
Während die Autoindustrie 2009 von der sogenannten Abwrackprämie profitierte, führte die damalige Bundesregierung fast zeitgleich eine zusätzliche Abgabe für die Luftfahrt ein. Zudem ist der Ausbau von Flughäfen in Deutschland, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, kaum noch möglich.
Höherer Schutz vor Terroristen gefordert
In der aktuellen geopolitischen Lage sehen Branchenvertreter die Möglichkeit, mehr politische Aufmerksamkeit zu erlangen. Da Aktivisten immer wieder auf das Flughafengelände gelangen und die Start- und Landebahnen blockieren, fordert der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) verstärkte Investitionen in Schutzmaßnahmen. Was Aktivisten schaffen, könne auch Terroristen gelingen.
Dafür sind viele Millionen Euro erforderlich. Laut dem Flughafenverband ADV sind die relevanten Airports von etwa 350 Kilometer Zaun umgeben. Für besseren Schutz ist neben stabileren Zäunen und mehr Sensorik auch zusätzliches Personal nötig. Nach früheren Angaben des ADV kostet allein der Zaunbau knapp eine Million Euro pro Kilometer.
Um die hohen staatlichen Kosten zu senken, fordert der BDL, dass der Staat künftig die Grundkosten für die Flugsicherung (DFS) übernimmt. Bislang werden Kommunikation, Navigation und Überwachung des deutschen Luftraums vollständig durch Gebühren finanziert.
Derzeit leidet die Luftfahrt erheblich unter den seit der Coronapandemie massiv gestiegenen staatlichen Gebühren, etwa für Sicherheitskontrollen an Flughäfen oder die Flugsicherung. Laut Berechnungen des BDL werden im laufenden Jahr zusätzliche Abgaben von 1,2 Milliarden Euro zu den bereits bestehenden 3,3 Milliarden Euro hinzukommen.
Die Konsequenz: Die Kapazität der Flüge an deutschen Flughäfen liegt weiterhin nur bei 86 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. In anderen Teilen Europas beträgt das Angebot bereits wieder 104 Prozent. „In Europa wird so viel geflogen wie nie zuvor, nur nicht ab Deutschland“, sagte BDL-Präsident Jens Bischof Mitte Februar bei der Präsentation der Branchenbilanz für das Jahr 2024.
Auch Fraport spürt diese Entwicklung. Zwar stieg die Passagierzahl in Frankfurt um 3,7 Prozent auf 61,6 Millionen, für dieses Jahr rechnet Schulte mit 64 Millionen Passagieren. Dennoch bleibt der Flughafen weiterhin unter dem Niveau von gut 70 Millionen Reisenden im Vorkrisenjahr 2019.
Der Rekordgewinn des Flughafenbetreibers im vergangenen Jahr ist auf das starke Auslandsgeschäft zurückzuführen. „Die Hälfte des Ergebnisses kommt aus dem Ausland“, erklärte Schulte. Fraport betreibt unter anderem Flughäfen in Lima, Antalya und Griechenland. Insgesamt stieg das Betriebsergebnis vor Steuern und Abschreibungen um acht Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.
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Deutschland verliere zunehmend Anbindung, warnte Schulte: „Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit als zentrales Ziel haben, dann gehört eine gute internationale Konnektivität dazu.“ Es gehe dabei stets auch um die Stärke der Volkswirtschaft.
Michael Santo von der H+Z Unternehmensberatung in München sieht durchaus Chancen für die Branche, vom Sondervermögen zu profitieren. Möglicher Ansatzpunkt ist seiner Meinung nach neben einer Reduzierung der staatlichen Abgaben und Gebühren die Modernisierung der bestehenden Flughafeninfrastruktur.
Dazu gehören die Anbindung von Flughäfen an den Schienenverkehr sowie Investitionen in die Digitalisierung und Smart-City-Konzepte, also Ideen, um die vielfältigen Probleme einer Stadt mit moderner Technologie zu lösen.
Nur bei einem Vorschlag ist der Luftfahrtexperte skeptisch: Er bezweifelt, dass die Übernahme der DFS darunterfällt. „Das könnte gegebenenfalls als Subvention ausgelegt werden.“
Mit Agenturmaterial