Luftfahrt: Warum Lufthansa Frankfurt trotz hoher Gebühren treu bleibt
Frankfurt. Lufthansa und das Heimatdrehkreuz Frankfurt – das ist seit Jahren eine schwierige Beziehung. Immer wieder kritisieren Lufthansa-Chef Carsten Spohr und seine Management-Kolleginnen und -Kollegen den Flughafenbetreiber Fraport – mal wegen der in ihren Augen schlechten Service-Qualität, mal wegen hoher Flughafen-Entgelte.
Regelmäßig droht die Lufthansa-Führung um CEO Spohr damit, Verkehr aus Frankfurt zu verlagern, und macht das auch zum Teil. Die nach der Pandemie reaktivierten Super-Jumbos Airbus A380 wurden in München stationiert. Dass die passende Wartungshalle für die riesigen Flugzeuge in Frankfurt steht, änderte an der Entscheidung nichts.
Auch die nagelneuen Airbus A350 haben ihre Heimat in München. Frankfurt wartet dagegen immer noch die neuen Lufthansa-Langstreckenjets „Dreamliner “, die Boeing 787.
Lufthansa Cargo investiert in Frankfurt
Doch nun gibt es vom wichtigsten Kunden in Frankfurt eine gute Nachricht für Fraport. Lufthansa Cargo investiert fast 600 Millionen Euro in die Modernisierung des Frachtzentrums.
Bis 2030 will die Frachttochter des Airline-Konzerns das nach eigenen Angaben modernste Logistik-Drehkreuz in der europäischen Luftfahrt errichten. Der Name des ehrgeizigen Bauvorhabens: „Lufthansa Cargo Center – Evolution“.
„Dieses Investment ist ein klares Bekenntnis zu unserer Homebase in Frankfurt“, sagte Ashwin Bhat, der CEO von Lufthansa Cargo, am vergangenen Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts: „Wir feiern den nächsten Schritt unserer Vision.“
Die Vision – das ist das Ziel, einer der weltweit führenden Luftfrachtlogistiker zu bleiben und in dem Geschäft weiter zuzulegen. Das 42 Meter hohe Hochregallager wird komplett automatisiert und hat die doppelte Kapazität des bestehenden Frachtzentrums.
Das wurde schon 1982 gebaut, funktioniert nach wie vor, aber ist eben in die Jahre gekommen. „Ich bezeichne es schon mal als Industriemuseum“, sagte Dietmar Focke, Vorstandsmitglied von Lufthansa Cargo.
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Die Investition ist also nötig. Sie tut aber auch dem Flughafenbetreiber Fraport und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut. In diesem Jahr ist der Flughafen 100 Jahre alt geworden. Doch gute Nachrichten zum Geburtstag sind rar.
Flughafen Frankfurt schlecht bewertet
Vor wenigen Tagen hat das Ferienhausportal Holidu auf Basis von Google-Einträgen die Bewertungen von europäischen Flughäfen durch Fluggäste ausgewertet. Kein deutscher Airport ist unter den Top Ten. Frankfurt steht auf Platz 40.
Im jüngsten weltweiten Airport-Ranking des Fluggastrechteportals Airhelp landet der Flughafen sogar auf dem 222. von 239 vergebenen Plätzen.
Entsprechend groß ist die Freude der Fraport-Manager über das Investment der Lufthansa. „Es ist ein in Beton gegossenes Bekenntnis zu diesem Standort, zu Deutschland“, sagte Pierre Dominique Prümm, Vorstand der Fraport AG.
An keinem anderen Standort in Deutschland werden mehr Waren umgeschlagen als in Frankfurt. Lufthansa Cargo wickelt rund 80 Prozent seines Frachtverkehrs über diesen Flughafen ab. Das sichert dort auch den Passagierverkehr. Über die Hälfte der Fracht wird in den Bäuchen der Passagierjets befördert, was so dazu beiträgt, Flugstrecken profitabel betreiben zu können.
Lufthansa setzt große Hoffnungen in das Frachtgeschäft. 18 Frachtflugzeuge vom Typ Boeing 777 und vier Airbusfrachter A321 fliegen derzeit für Lufthansa Cargo. Bald soll die Zahl auf 25 Boeing 777 wachsen. 4100 Mitarbeiter arbeiten für den Frachtableger des Konzerns, davon allein 2800 in Frankfurt.
All das sind Fakten, die dagegensprechen, dass Lufthansa ihrem größten Heimatdrehkreuz in den kommenden Jahren den Rücken kehren wird. Dazu kommen wirtschaftliche Daten. In der Pandemie stützte Lufthansa Cargo die Bilanzen des Konzerns mit imposanten zweistelligen Gewinnmargen.
Zwar sind die mittlerweile wieder auf ein normales Niveau geschrumpft. Aber während die Passagier-Gesellschaften der Lufthansa-Gruppe im ersten Halbjahr mit einem Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von minus 357 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht sind, weist Lufthansa Cargo ein Ergebnis von 14 Millionen Euro aus.
Bei all den Erfolgen, eines ändert sich wegen der millionenschweren Investition in das Frachtgeschäft nicht. Beim Thema Entgelte lassen die Lufthansa-Manager nicht locker. Zwar erwähnte Michael Niggemann, Mitglied des Konzernvorstands und zugleich Aufsichtsratschef der Frachttochter, am Donnerstag die Flughafenentgelte nicht explizit, wohl aber die insgesamt massiv gestiegenen Abgaben in Deutschland: „Die Verdopplung von Standortkosten ist für uns eine hohe Belastung, in vielen Bereichen ist es sogar mehr als eine Verdopplung.“
Es war auch eine Botschaft an die versammelten Politiker. Schließlich ist das Land Hessen mit gut 31 Prozent der größte Einzelaktionär der börsennotierten Fraport AG und entscheidet mit über die Entgelte, die dort erhoben werden. „Wir wissen, dass das regulatorische Umfeld eine wichtige Rolle für diesen Standort spielt“, sagte Ralph Alexander Lorz, Hessens Wirtschaftsminister.
Tatsächlich liegen die Gebühren, die das Management des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport etwa für einen innereuropäischen Flug verlangt, deutlich über denen, die zum Beispiel in Paris Charles de Gaulle aufgerufen werden. Gut 5000 Euro kostet in Frankfurt ein typischer innereuropäischer Flug laut BDL, dem deutschen Branchenverband der Luftverkehrswirtschaft. In Paris sind es nur knapp 3000 Euro.
Erst in diesem Jahr hob die Fraport-Führung das Entgelt um 9,5 Prozent an. Im ersten Halbjahr seien Umsatzerlöse aus Flughafenentgelten um 60,9 Millionen auf 433,2 Millionen Euro gestiegen, heißt es im Halbjahresbericht des Unternehmens – „aufgrund des gestiegenen Verkehrsvolumens und positiver Preiseffekte“.
Währenddessen kämpft die größte Airline am Frankfurter Flughafen, die Kernmarke Lufthansa, gerade darum, wieder schwarze Zahlen zu erreichen. Airline-Chef Jens Ritter hat eine klare Idee, wer dabei helfen soll. „Wir erwarten auch von unseren Partnern einen Beitrag zu unserem Turnaround“, sagte der Manager vor einigen Tagen.
Lufthansa-Chef Spohr geht sogar noch einen Schritt weiter. Er kann sich in Frankfurt eine ähnlich enge Zusammenarbeit mit dem Flughafen vorstellen, wie es sie in München gibt. Dort betreiben Lufthansa und die Flughafen-Gesellschaft das Terminal 2 gemeinsam. „Wir brauchen in Frankfurt ein anderes Geschäftsmodell, wir brauchen ein Joint Venture mit Fraport wie in München“, sagte Spohr Anfang Juli bei einem Mitarbeitertreffen.
Zuvor hatte ein Lufthanseat gefragt, wann und ob Lufthansa den offiziellen Firmensitz von Köln verlagern werde - zum Beispiel nach Frankfurt. Spohrs Antwort: Die gut acht Prozent, die Lufthansa an Fraport halte, würden nicht ausreichen. Ohne ein neues Geschäftsmodell könne das Land eine Verlagerung des Sitzes nach Hessen vergessen.