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Metro vor der AufspaltungDas große Aufräumen

Bei der Metro beginnt ein Jahr vor der Aufspaltung das Großreinemachen, die neue Firma soll für die Börse schön gemacht werden. Dabei läuft offenbar nicht alles rund. Und auch vor Topmanagern macht der Umbau nicht halt.Florian Kolf 12.05.2016 - 06:16 Uhr Artikel anhören

Der Börsenkandidat wird hübsch gemacht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Olaf Koch war aufgeräumter Stimmung. Für das abgelaufene zweite Quartal konnte der Metro-Chef gute Nachrichten verkünden. Der flächenbereinigte Umsatz stieg um 0,6 Prozent, der operative Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren, der im Vorjahresquartal noch negativ war, drehte überraschend ins Plus. „Auch das Geschäft in Deutschland ist ausgezeichnet gelaufen“, sagte Koch. Das freute auch die Investoren: Der Aktienkurs legte zeitweise um zwei Prozent zu.

Doch hinter den Kulissen rumort es. Ein Jahr vor der Aufspaltung des Konzerns in einen Unterhaltungselektronik- sowie einen Großhandel- und Lebensmittelbereich hat bei Metro das große Aufräumen begonnen. Das Hauptaugenmerk legt Konzernchef Koch dabei auf Metro und Real, die als gemeinsames Unternehmen abgetrennt und separat an die Börse gebracht werden sollen. Der Börsenkandidat wird schön gemacht – um direkt zum Start der neuen Aktie eine möglichst positive Bewertung zu erzielen.

Der Umbau des Konzerns geht nicht ohne Reibungen vonstatten.

Foto: Reuters

Dabei bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. „Die Turbulenzen sind immens“, hieß es im Unternehmen. Der Umbau macht auch vor Spitzenpersonalien nicht halt. So musste Real-Chef Didier Fleury, 60, seinen Posten abgeben, eine Doppelspitze aus Henning Giesecke, 44, und Patrick Müller-Sarmiento, 42, hat nun übernommen. Auch das Deutschlandgeschäft der Großhandelssparte Cash + Carry hat in Thomas Storck, 47, einen neuen Chef. Vorgänger Axel Hluchy, 51, hat das Unternehmen verlassen.

Besonders groß sind die strukturellen Veränderungen bei Cash + Carry Deutschland. Die wenig rentablen Großmärkte sollen an vielen Standorten verkleinert werden, auf frei werdenden Flächen entstehen regionale Depots für das wichtiger werdende Liefergeschäft. Das zeigt schon Wirkung: Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres hat der Umsatz aus dem Belieferungsgeschäft um mehr als 23 Prozent zugelegt.

Nach dem Vorbild eines neugestalteten Lieferdepots in Weiterstadt, das im abgelaufenen Halbjahr ein Wachstum von 26 Prozent erzielt hat, sollen in diesem Jahr vier weitere solcher regionalen Verteilzentren entstehen. So ist beispielsweise der Markt in Neu-Ulm, der bisher unter der Zweitmarke C+C Schaper lief, geschlossen worden und wird bis Oktober zu einem Lieferdepot umgebaut. Das hat Konsequenzen für die Beschäftigten. So werden in den Märkten per saldo insgesamt rund 370 Arbeitsplätze abgebaut. Schon im Jahr zuvor waren 150 Stellen weggefallen.

Zusätzliches Wachstum sollen Zukäufe bringen. So hat Metro bereits im vergangenen Jahr den Lieferdienst Classic Fine Foods übernommen, der vorwiegend in Asien aktiv ist. Im April wurde dann die Übernahme von Rungis Express in Deutschland abgeschlossen. Beide Lieferdienste haben sich auf den Premiumbereich spezialisiert, in dem Metro bisher nicht so stark ist. Sie sollen für den Großhandel ganz neue Kunden gewinnen.

Und auch vor der Deutschland-Zentrale der Großhandelssparte macht Koch mit seinem Effizienzprogramm nicht halt. Rund 300 Stellen sollen verschwinden, zum Teil auch durch Ausgliederungen. Das Unternehmen wolle sich „stärker auf bestimmte Zielgruppen fokussieren“ und da würden eben auch Bereiche wegfallen, begründete Metro-Chef Koch den Stellenabbau. Dahinter stehen zudem deutliche Veränderungen der Geschäftsabläufe, die zusätzlich für starke Verunsicherungen in der Belegschaft sorgen.

Der Umbau wird sich noch ziehen

An einem kritischen Punkt steht auch die Sanierung der Supermarktkette Real. Die Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite über Einsparungen bei den Personalkosten laufen zäh. Hoffnung setzt das Unternehmen darauf, dass nun der neue Co-Chef Giesecke die Verhandlungen führt. Er gilt als umgänglich und spricht im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Franzosen Fleury, immerhin Deutsch.

Die Modernisierung der Real-Märkte hat das Unternehmen vorläufig weitgehend auf Eis gelegt. Weitere unprofitable Märkte wurden geschlossen. Sollte es zu einer Einigung mit den Arbeitnehmern kommen, stellt Koch umfangreiche Investitionen in die Filialen in Aussicht. „Wenn nicht, dann müssen wir uns von diesem Gedanken trennen“, drohte er unmissverständlich.

Nach Berechnungen des Unternehmens liegen die Lohnkosten bei Real um bis zu 30 Prozent über der Konkurrenz. Seit Mittwoch treffen sich 700 Betriebsräte von Real zu einer Klausur, auf der das weitere Vorgehen besprochen wird.

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Koch machte keinen Hehl daraus, dass die Zeit des Umbaus – und damit der Unruhe – im Konzern noch lange nicht vorbei ist. „Die weitere Entwicklung wird unglaublich viel abverlangen von uns“, gab er der Mannschaft mit auf den Weg. Die Aufspaltung bringe praktisch einen „Neustart“ für die beiden Unternehmensteile.

Mit voller Kraft würden nun die Strukturen und die Details für die Aufteilung ausgearbeitet. „Wir kommen hervorragend voran“, sagte Koch. „Das neue Konzept ist für Investoren erheblich attraktiver.“ Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein – dann entscheiden die Aktionäre.

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