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Milliardendeal Britischer Einzelhändler Tesco verkauft sein Asiengeschäft

Tesco verkauft mehr als 2000 Filialen in Thailand und Malaysia für knapp zehn Milliarden Euro. Käufer ist das Konglomerat eines Multimilliardärs.
09.03.2020 - 18:01 Uhr Kommentieren
Bereits 2015 hatte der britische Einzelhändler sich aus Südkorea zurückgezogen. Quelle: Reuters
Tesco

Bereits 2015 hatte der britische Einzelhändler sich aus Südkorea zurückgezogen.

(Foto: Reuters)

Bangkok Superlative sind die Thailänder von Dhanin Chearavanont gewohnt: Der 80-Jährige ist Patriarch der reichsten Unternehmerfamilie des Landes. Sein Konzern CP ist Thailands größtes Konglomerat, dessen Geschäfte von der Geflügelzucht über Telekommunikation bis zum Bau von Hochgeschwindigkeitszugstrecken reichen.

Nun kann Dhanin die größte Übernahme in der Geschichte von Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft vermelden: Für 10,6 Milliarden Dollar kauft sein Firmenimperium das verbliebene Asien-Geschäft des britischen Einzelhandelskonzerns Tesco, wie am Montag bekannt wurde.

Mit der Transaktion erwirbt Dhanins CP-Gruppe rund 2000 Supermarktfilialen in Thailand und mehr als 70 Niederlassungen in Malaysia. Sollten Thailands Wettbewerbshüter dem Geschäft zustimmen, würde CP damit seine Dominanz im thailändischen Einzelhandel noch weiter ausbauen: Der Konzern betreibt in dem Land bereits jetzt mehr als 10.000 Filialen der Supermarktkette 7-Eleven, die in der Hauptstadt Bangkok an jeder Straßenecke zu finden sind. 

Für Tesco bedeutet der Verkauf den vollständigen Abschied aus dem Wachstumsmarkt Asien. Im Februar hatte das Unternehmen mit dem Verkauf eines 20-Prozent-Anteils an einem Gemeinschaftsunternehmen seinen Rückzug aus China abgeschlossen und dafür knapp 360 Millionen Dollar erhalten.

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    Bereits 2015 hatte sich Tesco aus Südkorea zurückgezogen. Der Verkauf der Filialen in Thailand und Malaysia ermögliche nun, Tescos Geschäft zu vereinfachen und zu fokussieren, sagte Konzernchef Dave Lewis, der bis Sommer die Unternehmensführung abgeben will. Der Fokus soll auf dem Kerngeschäft in Großbritannien liegen, wo sich das Unternehmen gegen die Konkurrenz von Aldi und Lidl wehren muss.

    Für Dhanin schließt sich ein Kreis

    Die Tesco-Aktionäre sollen mit der Ausschüttung einer Sonderdividende von umgerechnet rund 5,7 Milliarden Euro profitieren. Weitere Erlöse aus dem Deal in Südostasien würden zudem zum Schuldenabbau eingesetzt, sagte Lewis.

    Für den thailändischen Käufer der asiatischen Supermärkte, die dort unter der Marke Tesco Lotus firmieren, schließt sich ein Kreis: Dhanin hatte die Kette 1994 unter dem Namen Lotus gegründet und sie vier Jahre später für 180 Millionen Dollar an Tesco verkauft. Damals trennte sich der Unternehmer wegen der asiatischen Finanzkrise von dem Geschäft.

    Nun kaufte Dhanin das Unternehmen, das er zuletzt in Interviews als „mein Kind“ bezeichnete, ausgerechnet an einem Tag mit erneuten heftigen Finanzmarktturbulenzen zurück: Der Kurs seiner börsennotierten Einzelhandelstochter CP All sackte am Montag inmitten globaler Börsencrashs in Bangkok um fast acht Prozent ab, Tesco lag am Nachmittag an der Londoner Börse nur leicht im Minus und gehörte damit zu den besten Werten.

    Die Tesco-Filialen in Thailand und Malaysia erzielten mit gut 60.000 Beschäftigten zuletzt einen Jahresumsatz von umgerechnet rund fünfeinhalb Milliarden Euro. Der neue Besitzer CP muss die Supermarktkette nun aber unter deutlich schwierigeren konjunkturellen Bedingungen weiterführen. Das Wirtschaftswachstum war bereits Ende 2019 auf 1,6 Prozent gefallen – den niedrigsten Stand seit einem halben Jahrzehnt.

    Seither verschlechterte sich das Umfeld weiter: Wegen der Coronavirus-Krise meiden Urlauber das Land, das einen großen Teil seiner Einnahmen mit dem Tourismus erzielt. Im Februar brachen die Besucherzahlen um 44 Prozent ein. Die Zahl der chinesischen Touristen, die in der Vergangenheit die größte Urlaubergruppe in Thailand waren, rutschte sogar um 85 Prozent ab.

    Kampf gegen Corona

    Dhanin, dessen Vater vor einem Jahrhundert von China nach Bangkok ausgewandert war und dort mit einem Saatgutunternehmen den Grundstein für den Familienkonzern gelegt hatte, versprach eine Beteiligung seines Konzerns im Kampf gegen die Virusepidemie: Er kündigte an, innerhalb weniger Wochen eine Fabrik für Gesichtsmasken zu errichten, die in Thailand zuletzt zur Mangelware geworden sind.

    Den Atemschutz wolle er kostenlos an medizinisches Personal in Krankenhäusern verteilen. „Wir verstehen das als unsere Pflicht“, sagte Dhanin, der der Firmengruppe als Senior Chairman vorsteht. In kurzer Zeit in völlig neue Geschäftsfelder vorzustoßen, ist für den Unternehmer nichts Neues.

    Er baute sein Imperium in den vergangenen Jahrzehnten von einem Tierfutterhändler zu einem der größten Geflügel- und Shrimpshersteller der Welt aus, betrieb gleichzeitig Fast-Food-Restaurants und investierte in einen der größten Mobilfunkanbieter des Landes.

    Dhanin stieg zudem bei einem chinesischen Versicherungskonzern ein und gewann in seiner Heimat im vergangenen Jahr den Zuschlag für ein milliardenschweres Highspeed-Zug-Projekt: Wenn sich in Thailand eine neue Geschäftschance ergab, war der politisch bestens vernetzte Selfmade-Milliardär selten weit weg.

    Die Dominanz weniger Superreicher in Thailands Wirtschaft war in den vergangenen Monaten jedoch auf zunehmende Kritik gestoßen. Auch Thailands Wettbewerbshüter hatten bereits vor der Bekanntgabe von CP als Käufer der Tesco-Filialen angekündigt, dass sie eine Monopolbildung bei der Transaktion nicht zulassen würden.

    An ihnen könnte der Megadeal nun noch scheitern: Ben Kiatkwankul, Partner beim Beratungsunternehmen Maverick Consulting in Bangkok kommentierte, das große Volumen der Transaktion und die öffentliche Stimmung gegen Tycoons würden die Aufgabe der Wettbewerbshüter gerade alles andere als einfach machen. 

    Mehr: Der Tesco-Chef gibt 2020 seinen Posten ab.

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