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Modekonzern So will sich Gerry Weber neu aufstellen

Nach der Insolvenz stellt sich der Modehersteller neu auf. Dabei nimmt sich Gerry Weber erfolgreiche Marken wie Massimo Dutti und Cos zum Vorbild.
17.01.2020 - 08:11 Uhr Kommentieren
Der Modekonzern hatte zu viele Läden eröffnet. Quelle: Gerry Weber
Filiale von Gerry Weber in München

Der Modekonzern hatte zu viele Läden eröffnet.

(Foto: Gerry Weber)

Halle/Westfalen Die drei Herren haben sich vor ein großes Plakat gesetzt. „Lebe deinen Stil“ steht da über einer elegant gekleideten Frau. Die drei Vorstände von Gerry Weber präsentieren sich in der Firmenzentrale des Modeunternehmens im ostwestfälischen Halle mit neuem Selbstbewusstsein. „Wir starten mit einer verjüngten Kollektion, einem ausgedünnten Filialnetz und weniger Kosten ins Geschäft“, verkündet Vorstandschef Johannes Ehling.

„2020 wird das Jahr, in dem sich unser neues Konzept beweisen muss“, ergänzt Restrukturierungsvorstand Florian Frank. Gerry Weber versucht nach schwierigen Jahren mit roten Zahlen, Filialschließungen, Personalabbau und Insolvenz in Eigenverwaltung den Neuanfang.

Das ist nicht leicht in einem Markt, der sich radikal wandelt. Viele Marken wie Basler oder Delmod sind gescheitert. Vor allem viele Unternehmen aus der Mitte des Marktes wie Esprit kämpfen um Wachstum, weil sie einerseits von Discountern und andererseits von Premiummarken angegriffen werden.

„Am stärksten werden in diesem Jahr die Value- und Discount-Anbieter sowie Premium- oder Luxusbranche wachsen“, erwartet Achim Berg, Modeexperte von McKinsey. Das heißt: Am wenigsten wachsen die Marken dazwischen.

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Standort erkennen

    Aber das Vorstandstrio gibt sich optimistisch. „Wir wollen wieder zum Marktführer in der Kategorie moderner klassischer Mainstream werden“, sagt Vorstandschef Ehling, „also Kleidung in Premiumqualität zu einem guten Preis verkaufen.“ Er orientiert sich da an Konzepten wie Massimo Dutti der Inditex-Gruppe und von der Kette Cos, die zur schwedischen H&M-Gruppe gehört.

    Marktführer bei moderner klassischer Damenmode war Gerry Weber mal. Doch der Mitgründer und langjährige Vorstandschef Gerhard Weber verpasste es, die Marke zu verjüngen. Stattdessen stand sie für eine nicht mehr zeitgemäße Kombinationsmode „mit genagelten Blazern“, wie es Ehling beschreibt. Jetzt setzt er auf mehr „italienische Lässigkeit“.

    Das Unternehmen stürzte ab und musste im Januar 2019 Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. So konnte es sich von 150 Filialen trennen, die wegen zu hoher und zu langer Mietverträge unprofitabel waren. Doch jetzt will Ehling voraussichtlich drei neue Läden eröffnen, „aber mit einem klaren Kostenrahmen“, wie er betont.

    Komplexe Restrukturierung

    Das geht auch, weil Restrukturierungsvorstand Frank im vergangenen Jahr kräftig aufgeräumt hat: Er hat mit Banken und Investoren verhandelt sowie mit Gewerkschaften und Betriebsräten über den Arbeitsplatzabbau. So hat er die Kosten in vielen Bereichen gesenkt – eine gewaltige Kraftanstrengung. „Gerry Weber ist der komplexeste Restrukturierungsfall, den ich bisher erlebt habe“, sagt Frank. Außerdem hat der neue Produktvorstand Urun Ursu, der viele Jahre bei der spanischen Kette Mango arbeitete, die Teile der Kollektionen um rund 33 Prozent verringert.

    Von den Aufräumarbeiten profitieren die früheren Gläubiger des ostwestfälischen Unternehmens. Sie können mit überdurchschnittlich hohen Befriedigungsquoten rechnen. Das reicht von 32 bis zu mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen.

    Grafik

    Aber nach Abschluss des Insolvenzverfahrens Ende vergangenen Jahres will der Vorstand nun vor allem nach vorne schauen. Er stützt sich auf die beiden Private-Equity-Investoren, die eingestiegen sind: Robus Capital aus Frankfurt sowie Whitebox Advisors aus England. Inzwischen gehört auch eine Tochter des US-Investmenthauses J.P. Morgan Securities zu den Gesellschaftern. Gerry Weber stehen so Finanzmittel von 49 Millionen Euro für Investitionen und die Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung.

    Gerry Weber muss vor allem in das Onlinegeschäft investieren. Denn das hatte Gerhard Weber vernachlässigt und stattdessen eine Filiale nach der anderen eröffnet. Er war wie Esprit und Hugo Boss der Versuchung erlegen, auf das Wachstum durch immer mehr Filialen zu setzen.

    Das Onlinegeschäft ist deshalb mit einem Anteil von sieben Prozent vom Umsatz noch recht klein. Aber große Sprünge sind da auch in den kommenden Jahren nicht möglich. Ehling will im Rahmen des Vierjahresplans bis 2023 den Anteil „signifikant steigern“ – wie stark, ist also offen.

    Auch beim Umsatz muss sich das Vorstandstrio in Bescheidenheit üben. „Der Umsatz ist im vergangenen Geschäftsjahr durch den Verkauf von Hallhuber mit einem Umsatz von rund 200 Millionen Euro sowie der Schließung von 150 Filialen beeinflusst worden“, räumt Frank ein. Zahlen nennt er nicht. Die veröffentlicht der Konzern erst Ende Januar. Aber bis 2021 soll das Unternehmen die Gewinnschwelle erreichen.

    Im Auslandsgeschäft will sich Gerry Weber weiter auf Österreich, die Schweiz und die Benelux-Staaten konzentrieren. Der Verkauf über eigene Filialen soll sich mit dem über Handelspartner die Waage halten.
    Die Zeit des Stellenabbaus soll erst einmal vorbei sein. „Unsere Personalstruktur ist nun gesund“, sagt Frank. Entlassungen seien nicht geplant. Das könnte sich ändern, wenn der Neustart nicht gelingen sollte.

    Mehr: Der Weltmodemarkt wird langsamer wachsen. Gleichzeitig wird der Abstand zwischen erfolgreichen Konzernen und deutschen Mittelständlern laut einer Studie immer größer.

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