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Kommentar Bei Mode sind Finanzinvestoren kein Garant für Erfolg

Gerry Weber will nach der Insolvenz mit Hilfe von Finanzinvestoren neu starten. Dabei sind die in der Branche nicht immer die besseren Unternehmer.
03.01.2020 - 15:30 Uhr Kommentieren
Das im April vergangenen Jahres eröffnete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wurde vom Amtsgericht Bielefeld zu Jahreswechsel aufgehoben. Quelle: dpa
Filiale von Gerry Weber in Köln

Das im April vergangenen Jahres eröffnete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wurde vom Amtsgericht Bielefeld zu Jahreswechsel aufgehoben.

(Foto: dpa)

Lasst uns das neue Jahr mit einer guten Nachricht beginnen. Das dachte sich wohl auch das Management von Gerry Weber. So ließ der Vorstand die Öffentlichkeit wissen, dass der ostwestfälische Modekonzern an Silvester sein Insolvenzverfahren erfolgreich beendet hat.

Jetzt setzt das angeschlagene Unternehmen für Damenmode auf den Neuanfang mit zwei Finanzinvestoren, statt auf die gescheiterte Eigentümerfamilie Weber. Die war unter anderem an den Kosten zu vieler eigener Filialen gescheitert.

Doch bei aller Hoffnung auf bessere Zeiten: Der Einstieg von Private-Equity-Firmen ist kein Garant dafür, dass es nun bei Gerry Weber dauerhaft aufwärtsgeht. In der Vergangenheit haben Finanzinvestoren manches Unternehmen aus der Modebranche erst recht in Schwierigkeiten gebracht.

Ein Beispiel dafür ist die deutsche Outdoormarke Jack Wolfskin. Das Unternehmen hat lange gebraucht, um sich von dem Großaktionär Blackstone zu erholen. Der US-Finanzinvestor belastete Jack Wolfskin nicht nur mit hohen Schulden, die er für den Kauf des Unternehmens aufgenommen hatte. Er setzte auch alles daran, das Geschäft mit Wanderkleidung massiv auszubauen.

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    Das rächte sich: Die Wanderkluft mit der bekannten Tatze als Logo gab es in Deutschland fast an jeder Ecke. Ein solche Überexpansion ist gefährlich: Sie entwertet die Marke und macht sie zu einem austauschbaren Massenprodukt. Übertriebene Expansionspolitik brachte schon Esprit in extreme Schwierigkeiten, von denen sich die Modemarke bis heute nicht richtig erholt hat.

    Aber auch deutlich kleinere Unternehmen machen den Fehler, die Gefahren eines zu großen eigenen Filialnetzes zu unterschätzen. So ist es einem Schweizer Family Office, das aus gutem Grunde anonym bleiben wollte, nicht gelungen, aus Strenesse wieder eine Erfolgsmarke zu machen. Im Sommer hat der Ex-Ausstatter der deutschen Fußballnationalmannschaft zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Insolvenz angemeldet - und wird nun unprofitable Filialen schließen.

    Gerade kleine und mittelgroße Firmen sind deshalb gut beraten, sich nur auf wenige eigene Läden an ausgesuchten Standorten zu konzentrieren. Die sind notwendig, um die Marke zu inszenieren und erlebbar zu machen. Beim Hauptgeschäft sollten sich die Modefirmen stattdessen lieber auf den Onlinehandel und Verkaufsflächen bei Handelspartnern beschränken.

    Sonst vernachlässigen sie das Wichtigste: Sie müssen die Qualität der Kollektion bewahren und schnell auf Markttrends reagieren. Denn was nützt ein großes und teures Vertriebsnetz, wenn die Produkte schlecht und unattraktiv sind? Da können dann auch keine Finanzinvestoren mehr helfen.

    Mehr: Hallhuber will sich auf seine Stärken besinnen – und will in zwei Jahren die Gewinnschwelle erreichen. Ein britischer Investor soll dabei helfen.

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