Aktienausblick 2026: Die Wiederbelebung der Emerging Markets
Für alle, die sich mit den globalen Kapitalmärkten beschäftigen, ist der Advent nicht unbedingt die Zeit von Kränzen, Kerzen und Süßgebäck, sondern die Zeit der Börsenausblicke für das kommende Jahr. Wer in diesen Tagen durch die Prognosen der Banken und Vermögensverwalter für 2026 stöbert, der stößt immer wieder auf ein Thema: die Renaissance der Schwellenländer.
Bereits in diesem Jahr hat sich der Blick auf die Schwellenländer deutlich verändert. Der Emerging-Markets-Index von MSCI ist seit Januar in Dollar bislang um knapp 33 Prozent gestiegen. Der MSCI World Index schaffte dagegen lediglich ein Plus von gut 20 Prozent.
Ein Grund für diese Erfolgsgeschichte sind die starken fundamentalen Daten der Schwellenmärkte: Sie stehen für gut 85 Prozent der Weltbevölkerung, über 60 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und den Großteil des globalen Wachstumspotenzials.
Die Experten des US-Vermögensverwalters Ninety One sehen einen weiteren wichtigen Grund für das neu erwachte Interesse an den Emerging Markets. Während viele Schwellenländer durch politische und wirtschaftliche Reformen hart daran gearbeitet hätten, strukturelle Schwächen auszumerzen, würden viele entwickelte Volkswirtschaften inzwischen mit Problemen kämpfen, die historisch mit den Emerging Markets in Verbindung gebracht wurden, etwa schnell steigende Staatsschulden, eine waghalsige Haushaltspolitik und politische Unsicherheit.
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Das Fazit von Grant Webster, Fondsmanager bei Ninety One: „Traditionelle Unterscheidungen zwischen Emerging Markets und Developed Markets verschwimmen.“ Die Folge: eine Neubewertung der globalen Anlageklassen, mit Vorteilen für die Schwellenländer.
Das sehen andere Experten ähnlich. Den Prognosen von Goldman Sachs zufolge wird der US-Leitindex S&P 500 in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich nur um 6,5 Prozent pro Jahr steigen, während die Schwellenländer und die meisten asiatischen Aktien auf Jahresbasis zehn Prozent zulegen dürften.
Die Langfristprognose der größten US-Bank JP Morgan sieht die Schwellenländer mit einem jährlichen Plus von mehr als sieben Prozent über die nächsten zehn bis 15 Jahre ebenfalls im Vorteil gegenüber den Industrieländern mit einem erwarteten Plus von gut sechs Prozent.
Die Dekabank lobt die nach wie vor vergleichsweise günstig bewerteten Aktien in den Schwellenländern. Die Gewinne der Unternehmen im MSCI Emerging Markets seien in diesem Jahr zwar das zweite Mal in Folge deutlich gestiegen. In den 15 Jahren davor hätten sich die Aktien und auch die Profite der Unternehmen aber trotz des starken Wirtschaftswachstums lediglich seitwärts bewegt.
Chinas Technologieaktien mit Chancen
Wenn es um Chancen in den Emerging Markets geht, dann verweisen die Analysten von Raiffeisen Capital auf die starke Entwicklung der Börsen in Osteuropa, wo die Märkte in Polen, Tschechien und Ungarn seit Jahresbeginn bislang rund 35 bis 40 Prozent zulegen konnten.
Für die Schweizer UBS sticht der Technologiesektor Chinas als eine der besten globalen Chancen hervor. Die starke Liquidität, die Zuflüsse von Privatanlegern und die erwarteten Gewinnsteigerungen würden generell für ein breiteres Engagement in Asien sprechen. Insbesondere Indien und Singapur könnten Anlegern, die nach Diversifikation strebten, zusätzliche Vorteile bieten.
Aber natürlich bleiben Risiken. Die Raiffeisen-Experten treibt die Sorge um, dass in den vergangenen Jahren schon öfter die Renaissance der Emerging Markets ausgerufen wurde, ohne dass sie je wirklich kam. Bislang würden Fondsmanager und Fondsmanagerinnen nur verbal auf eine Outperformance der Schwellenländer für 2026 setzen. Große Positionierungen können die Analysten aber bis jetzt nicht erkennen, auch nicht in den Kapitalflüssen.