Nahrungsmittel: Vom Spitzen-Öko zum Cheflobbyisten: Ein Grüner zieht für Clemens Tönnies die Strippen
Der Schlachtereibesitzer stand vor allem zu Beginn der Coronapandemie stark in der Kritik.
Foto: imago images/Noah WedelBerlin. Lange lief es gut für Clemens Tönnies. Die Bundesbürger futterten Bratwürstchen und Schnitzel. Den Chinesen verkaufte Deutschlands größter Schweineschlachter das, was die Deutschen verschmähten. Selbst mit Öhrchen und Schwänzchen machte Tönnies so noch gutes Geld. Auf seiner Feier zum 60. Geburtstag trat Helene Fischer auf, als Aufsichtsratschef von Schalke 04 war Tönnies auch im Profisport eine Größe. 2019 machte der Konzern gut 7,3 Milliarden Euro Umsatz, ein Rekord.
Doch dann ging es bergab. 2020 erreichte die Corona-Pandemie das Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück, mehr als 1500 Arbeitnehmer hatten sich dort infiziert. Viele von ihnen arbeiteten mit Werkverträgen. Dort, wo vor der Krise bis zu 25.000 Tiere am Tag geschlachtet worden waren, standen wochenlang die Bänder still. Und die Öffentlichkeit begann, sich für die Arbeitsbedingungen dort zu interessieren.
´Im Konzern war gut die Hälfte der damals 16.500 Beschäftigten bei Subunternehmern unter Vertrag – zu ausbeuterischen Konditionen. Fernsehteams zeigten Bilder von heruntergekommenen Wohnungen, in denen die Menschen hausten. Politiker und Gewerkschafter zeigten auf Clemens Tönnies, Politfreunde rückten von ihm ab. Obwohl das System auch bei der Konkurrenz verbreitet war, stand Tönnies im Rampenlicht. Einen Herrn Vion gibt es nicht, einen Herrn Tönnies schon.