Preisstreit: Kaufland nimmt Hunderte Unilever-Produkte aus den Regalen
Das Langnese-Eis der Sorte „Magnum“ dürfte nicht mehr in den Kaufland-Tiefkühltruhen zu finden sein.
Foto: dpaNeckarsulm. Wegen eines Streits um die Einkaufspreise nimmt die Supermarktkette Kaufland etwa 480 Produkte des Unilever-Konzerns aus den Regalen. Betroffen sind unter anderem Marken wie Knorr, Langnese, Lipton oder Axe, wie Kaufland am Montag auf Anfrage mitteilte. Zuvor hatte die „Lebensmittel Zeitung“ darüber berichtet.
Unilever habe die Lieferpreise kurzfristig drastisch erhöht, hieß es in der Mitteilung zur Begründung. Kaufland werde das nicht akzeptieren und die Produkte deshalb vorerst nicht mehr verkaufen. Auch in Tschechien, der Slowakei, Polen, Rumänien und Bulgarien gebe es einen Bestellstopp für einige Unilever-Produkte.
Unilever wollte sich nicht näher zu dem Fall äußern. „Gespräche mit unseren Handelspartnern sind vertraulich“, sagte ein Sprecher am Montagabend.
Zu Beginn des Jahres war bereits ein Streit zwischen Edeka und Nestlé über die Einkaufskonditionen für zahlreiche Produkte eskaliert. Edeka und seine Partner hatten zahlreiche Produkte – von Wagner Pizza über Nescafé bis Vittel-Wasser – nicht mehr nachbestellt. Damit waren zeitweise bis zu 200 verschiedene Produkte des Konsumgüterkonzerns aus den Regalen verbannt worden. Anfang Mai wurde schließlich eine Einigung verkündet.
Im Jahr 1978 beschlossen die Freunde Ben Cohen und Jerry Greenfield den US-amerikanischen Speiseeishersteller Ben & Jerry's zu gründen. Durch das humoristische Marketing und soziales Engagement erreichte die Marke schnell Kultstatus. Während in den 80er-Jahren der Versuch von Konkurrent Häagen-Dazs, den Vertrieb zu beschränken, noch erfolgreich abgewehrt werden konnte, waren die Gründer im August 2000 bei der feindlichen Übernahme durch Unilever machtlos. Seither gehört der Hersteller zum Konzern, soziale Projekte bestehen aber weiter fort. Trotzdem ist das Ansehen angeknackst. So musste 2010 etwa der Slogan „All natural“ gestrichen werden, da in fast allen der 53 Eissorten auch künstliche Zusatzstoffe enthalten seien.
Foto: APEis am Stiel erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Seit 1935 gehört die Marke mit Produkten wie Magnum, Solero oder dem später integrierten Cornetto zum Konzern – und ist global eine feste Größe. Auch wenn das Speiseeis in anderen Ländern unterschiedliche Namen trägt. So heißt Langnese in Griechenland Algida, in Spanien Frigo und in der Schweiz Lusso.
Foto: dpaDie Geschichte des Lebensmittelherstellers Knorr reicht bis ins Jahr 1838 zurück. Damals eröffnete Carl Heinrich Theodor Knorr einen Gemischtwarenladen in Heilbronn. In der Folge überstand das Unternehmen zwei Weltkriege, im Jahr 1959 stieg aber die CPC-Tochter Maizena zum Mehrheitsaktionär von Knorr auf und setzte die Umwandlung in eine GmbH durch. Maizena selbst ging 1998 in den neugegründeten Bestfoods-Konzern auf, der wiederum zwei Jahre später mit weiteren Marken wie Mondamin von Unilever übernommen wurde.
Foto: picture allianceDer Konsumgüter-Konzern erwarb die Marke zwischen den Jahren 1938 und 1972 und entwickelte seitdem neue Marken und Produktmodelle.
Foto: ImagoMit dem Hersteller von unter anderem Teigwaren und Olivenöl wird es bei Unilever echt italienisch. Im Jahr 1865 in der Toskana gegründet, blieb das Unternehmen fast einhundert Jahre lang in familiärer Hand. Ab 1963 ging es dann aber hin und her. Erst Montecatini, dann Montedison (1966), anschließend die Società Meridionale di Elettricità (1972) und 1994 letztlich Van den Bergh, eine italienische Unilever-Tochter. Aber damit nicht genug, seit rund einem Jahrzehnt wird Bertolli selbst stark aufgesplittet. So liegt das Olivenöl- und Essiggeschäft heute beim spanischen Konzern deOleo, die Tiefkühlkost-Sparte bei der US-Firma ConAgra Foods und die nordamerikanischen Saucen- und Pastaaktivitäten gingen nach Japan an Mizkan.
Foto: ad publicaDer bekannte Hersteller von küchenfertigen Kartoffelprodukten wurde 1949 von Werner Eckart gegründet und hat einen ähnlichen Werdegang wie Knorr hinter sich. 1998 wurde das Unternehmen an CPC Deutschland verkauft, das später in Bestfoods umbenannt und zwei Jahre später von Unilever übernommen wurde. Die Pfanni GmbH & Co. OHG firmiert heute im mecklenburg-vorpommerischen Stavenhagen.
Foto: picture allianceAls „erste Lightmarke“ wurde Du darfst in den 70er-Jahren mit einer Halbfettmargarine eingeführt und richtet sich bis heute vornehmlich an Frauen. Es folgten verschiedene Käsevarianten sowie Konfitüre und Wurst. Heute erstreckt sich die Marke auf über 40 Produkte.
Foto: picture allianceUnilever ist seit jeher aber nicht nur in der Nahrungsmittel- und Getränkebranche aktiv. Seit über 40 Jahren sind in Deutschland so unter dem Markennamen Viss sowohl Scheuermilch als auch Reinigungssprays bekannt – der Konzern bedient damit auch den Bereich der Haushalts- und Textilpflege. Viss wird heute in 51 Ländern verkauft, allerdings unter unterschiedlichen Bezeichnungen. Mal Cif, mal Jif oder auch Vim.
Foto: Rossmann1961 erwarb die Unilever-Tochter Lever Brothers das Putzmittel, das da schon 32 Jahre auf dem Markt war. Der Produktname erfreut Altlateiner: Er setzt sich aus „Domus” (Zuhause) und „Osteon” (Knochen) zusammen und bedeutet laut Unilever „Das Rückgrat des Hauses“. Ob für Toilettenhygiene oder als Universalreiniger – auch in diesem Produktfeld ist Unilever vertreten.
Foto: ImagoIn den 60er-Jahren hielten vollautomatische Waschmaschinen Einzug in die deutschen Haushalte. In eben jener Zeit ging auch Korall (die damalige Schreibweise) an den Start und konnte sich schnell als Waschmittel der Wahl durchsetzen.
Foto: UnileverAuch die bekannte Deodorantmarke AXE gehört zu Unilever – womit sich der Großkonzern auch in der Körperpflege-Sparte positioniert. AXE soll ein jugendliches Image verkörpern, das dazu passende Publikum ansprechen und wird dementsprechend intensiv von Unilever beworben. Die Firma AXE wurde im Jahr 1983 gegründet und hat seitdem von Frankreich aus erfolgreich viele Märkte erobert. Im Vereinigten Königreich und einigen Commonwealth-Ländern wird die AXE-Schiene allerdings unter dem Namen LYNX geführt.
Foto: ImagoWährend Unilever bei der Bewerbung der AXE-Produkte deutlich macht, dass diese für ein männliches Publikum bestimmt sind, sind die Pflegeprodukte der Marke Dove vorrangig für Frauen. Die „Dove Cream Bar“, eine Seife, kam bereits in den 50er-Jahren in den USA auf den Markt. In den 90ern eroberte sie auch den deutschen Markt. Heute vereint die Marke neben Seifen auch Duschgele, Badezusätze, Körperlotionen, Deodorants und Haarpflegeprodukte.
Foto: ReutersAuch der Hygieneartikelhersteller Signal agiert unter dem Dach des Großkonzerns Unilever. Im Jahr 1961 erlangte Signal Berühmtheit: Die weiß-roten Streifen der Signal-Zahnpasta waren damals Alleinstellungsmerkmal. Heute hat Unilever die Produktvielfalt Signals weiter ausgebaut und führt neben Zahnpasta auch Mundspülungen und ähnliche Hygieneartikel. In Österreich oder Italien ist die Marke unter dem Namen mentadent bekannt.
Foto: ImagoShampoo und Duschgel vertreibt Unilever ebenfalls: Seit 1973 gibt es die Flaschen mit unterschiedlichen Pflegeeigenschaften und Gerüchen. Mittlerweile gibt es auch Seife und Deo mit dem Markennamen.
Foto: ImagoNahrungsmittel und Getränke:
- Botterram (Rapsöl-Butter)
- Chirat (Essig und Essiggemüse (Schweiz))
- Kuner (Mayonnaise und Saucen (Österreich))
- Pure Leaf (Eistee)
- Unilever Food Solutions (Foodservice)
- Thea (Margarine (Österreich))
Haushalts- und Textilpflege:
- Comfort (Weichspülmittel (Österreich, Schweiz))
- Enka (Waschmittel (Schweiz))
- Omo (Waschmittel (Österreich, Schweiz))
- Surf (Waschmittel (Schweiz))
Körperpflege:
- Impulse (Deodorant für Frauen)
- Rexona (Deodorant)
- Toni & Guy (Friseurbedarf)
- Zendium (Zahnpasta)