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Urlaub in der Natur Corona-Beschränkungen sorgen für Boom in der Outdoor-Branche

Konsumenten rüsten sich für Ferien in der Natur. Davon profitieren Hersteller von Zelten, Booten, Lampen – eine Chance, Kunden langfristig zu binden.
01.07.2020 - 14:31 Uhr Kommentieren
Durch die Corona-Beschränkungen wollen viele Menschen ihren Urlaub in der Natur verbringen. Quelle: Moment/Getty Images
Outdoor-Industrie boomtCorona

Durch die Corona-Beschränkungen wollen viele Menschen ihren Urlaub in der Natur verbringen.

(Foto: Moment/Getty Images)

München Seit er seinen Faltboot-Vertrieb Anfang des Jahrtausends gründete, sei es geschäftlich immer aufwärtsgegangen, sagt Steffen Sator: „Wir hatten noch kein Jahr, in dem wir nicht gewachsen sind.“ Momentan allerdings läuft es besonders gut: Dass er schon im Juni Aufträge ablehnen musste, das hat der Mittelständler aus Ulm noch nie erlebt.

Im Lager von Sators Großhandel Out-Trade klaffen inzwischen Lücken. „Die Leute wollen zu Hause etwas erleben“, meint der Schwabe. Und das lassen sie sich ordentlich etwas kosten. Rund 2500 Euro müssen die Konsumenten für ein Faltboot für zwei Personen zahlen. So wie Out-Trade geht es vielen Anbietern in der Outdoor-Branche. Sie profitierten davon, dass die Leute in der Coronakrise auf weite Reisen verzichten – und sich stattdessen für das Abenteuer vor der Haustüre rüsten.

„Unsere größte Herausforderung ist es, die Nachfrage zu befriedigen“, erläutert die Schwedin Petra Hilleberg, Chefin des familiengeführten Zeltherstellers Hilleberg. Die Marke ist so etwas wie das Premiumsegment unter den Zeltfirmen. „Für uns kommt nur die allerhöchste Qualität infrage“, sagt die Unternehmerin. Die meisten Modelle des schwedischen Mittelständlers schlagen denn auch mit 1000 Euro und mehr zu Buche. Ihr Vater, der Förster Bo Hilleberg, hat die Firma 1971 gegründet, weil er mit den damals erhältlichen Zelten nicht zufrieden war.

Das Unternehmen produziert in einer eigenen Fabrik in Estland. „Das Werk ist voll ausgelastet“, betont Hilleberg, „wir verkaufen alles, was wir herstellen können.“ Vor allem in ihrer schwedischen Heimat laufe das Geschäft in diesen Tagen glänzend.

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    Dass die Leute dieses Jahr verstärkt in die Natur fahren, überrascht die Firmenlenkerin nicht: „Wer mag schon eng gedrängt auf einem Kreuzfahrtschiff sein, wenn er seine Ferien auch auf einem luftigen Campingplatz verbringen kann?“

    60 Mitarbeiter beschäftigt Hilleberg, dazu kommen 40 bei Lieferanten. Ein kleiner Betrieb also, der sich nicht so schnell erweitern lässt, nur weil die Corona-Pandemie einen Campingboom ausgelöst hat. Ein halbes Jahr dauere es, neuen Mitarbeitern beizubringen, wie ein Zelt genäht werde, erläutert Hilleberg.

    Trotzdem soll ihre Marke natürlich wachsen, und so stellt sie auch neue Leute ein. Sie glaubt fest daran, dass das Virus die Gewohnheiten der Konsumenten dauerhaft verändern wird – zu ihren Gunsten, versteht sich. „Die Leute werden weniger reisen“, meint sie, und stattdessen mehr Zeit in der näheren Umgebung verbringen.

    „Hilleberg profitiert ganz klar auch vom heimischen Markt in dieser Situation“, sagt Martin Kerner vom Outdoor-Shop Basislager in Karlsruhe. „Draußen unterwegs zu sein, hat bei den Skandinaviern noch mal einen höheren Stellenwert als bei uns.“ Doch auch in der badischen Großstadt würden sich momentan Zelte, Radtaschen oder Wanderschuhe gut verkaufen.

    Petra Hilleberg führt ihr Unternehmen von der amerikanischen Westküste aus. Auch in den USA sieht es danach aus, als würde die Bevölkerung diesen Sommer viel Zeit im Freien verbringen. Die Marktforscher der NPD Group haben erhoben, dass die Konsumenten schon in der zweiten Aprilhälfte knapp ein Drittel mehr für Zelte ausgegeben haben als im Vorjahr.

    Autark mit Passivkühlboxen

    Für Pia Christin Taureck ist die Corona-Pandemie Fluch und Segen zugleich. „Bei einigen Artikeln haben wir bis Ende April die Menge des Vorjahres verkauft“, sagt die Unternehmerin, die gemeinsam mit ihrem Mann den Outdoor-Ausrüster Petromax führt. Die Schattenseite: Fast zwei Drittel der 3500 Händler hätten zeitweise mit massiven Problemen angesichts der geschlossenen Läden zu kämpfen gehabt.

    Das Ehepaar verdient sein Geld mit Grills und Kühlboxen, mit Allwetterlampen und gusseisernen Töpfen, Kesseln und Kannen. Das Direktgeschäft mit Konsumenten sei während des Höhepunkts der Pandemie um 200 Prozent gestiegen, erklärt Taureck. „Die Menschen suchten Freiheit und Unabhängigkeit und fanden in unseren Produkten etwas Sicherheit für eine gewisse Autarkie.“ So seien zum Beispiel Passivkühlboxen wochenlang besonders gefragt gewesen. Sie halten bis zu zwölf Tage kühl, ohne Strom oder Generator.

    Kernprodukt des Mittelständlers ist die sogenannte Petromax-Lampe, die der Unternehmer Max Graetz vor mehr als 100 Jahren entwickelt hat. Bis heute produziert das Ehepaar Taureck die Lampe aus genau 239 Einzelteilen in einer eigenen Fabrik in Magdeburg. 25.000 Stück setzen die Unternehmer davon jedes Jahr ab, Tendenz steigend. „Die Manufaktur läuft auf Hochtouren“, sagt Taureck.

    2014 erwarben die Taurecks zusätzlich Feuerhand, einen mehr als 100 Jahre alten Hersteller von Sturmlaternen. Alte Materialien wie Gusseisen oder Schmiedeeisen würden wieder stärker wertgeschätzt, beobachtet Taureck. So gut läuft das Geschäft, dass sie die Belegschaft dieses Jahr um ein Viertel auf bis zu 80 Mitarbeiter aufstocken möchte.

    Im Wald zelten, auf Flüssen und Seen paddeln: Für Out-Trade-Eigentümer Sator ist das ein entspannter Tag und für viele seine Kunden auch. Zwischen 3000 und 3500 Boote verkaufe er im Jahr, erläutert der Unternehmer. Die meisten bezieht er von seinem langjährigen Partner Triton in St. Petersburg, der eine Fabrik mit 100 Mitarbeitern betreibt.

    Zudem hat Sator vergangenes Jahr den US-Hersteller Pakboats gekauft, der in Asien fertigt. Seine dritte Marke nennt sich Nortik. Leicht zu lagern seien Faltboote und leicht zu transportieren: „Ich war schon immer überzeugt, dass das für jeden etwas ist“, meint der Unternehmer. Ausgerechnet die Pandemie sorgt nun dafür, dass das Paddeln mit den Faltbooten richtig populär wird.

    Dabei sah es auch für Sator zunächst düster aus. „Anfang März haben viele Händler ihre Bestellungen storniert“, erinnert er sich. „Da ging es von 100 auf null in ein paar Tagen.“ Als die Beschränkungen dann nach und nach fielen, konnten Sator und seine Mitarbeiter den Ansturm kaum bewältigen. „Gegen Ende des Lockdowns ging es von null auf 200.“

    Glücklicherweise hätten die Produzenten stets liefern können. Allerdings ist der Vorlauf lang. Wenn er jetzt in St. Petersburg ordert, kommen die Boote nicht vor September oder Oktober. Zu spät für die Urlauber.

    Sator hofft, dass der Boom anhält, selbst wenn die Menschen nächstes Jahr wieder um den Erdball jetten. Schließlich ließen sich Faltboote problemlos auch im Flugzeug mitnehmen.

    Mehr: „Manches Produkt wird uns ausgehen“ – Diese Strategie fährt der Outdoor-Konzern VF

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