Konsum: So bedroht die Alkoholskepsis das Geschäft deutscher Winzer
Geisenheim/Essen. Die Stimmung hätte gelöst sein müssen: Zwei Säle voll mit herausragenden Winzern wie Wilhelm Weil oder Carolin Spanier und Händlern wie Thorsten Hermelink, dem Vorsitzenden der Hawesko Holding. Dazu ein mehrgängiges Menü im Essener Schloss Hugenpoet mit begleitendem Wein, manchmal sogar Weine ohne Speisen. Es wurde an diesem Frühlingstag begrüßt, parliert, genossen. Und eigentlich hätten sich die Spitzenvertreter der Weinbranche entspannen können.
Doch die offiziellen Wortbeiträge während der Zusammenkunft wollten keine vollends unbelastete Stimmung aufkommen lassen. Stattdessen: Lamento und Appelle, jetzt ja den Kopf nicht hängen zu lassen.
Das ist ein typischer Kontrast für die Weinbranche in diesen Zeiten: Der meist schicke und genussorientierte Rahmen, den sie in der Szene so schätzen, passt immer weniger zur Lage. Das Geschäft mit den edlen Tropfen steht unter Druck wie selten. Der Klimawandel erfordert neue Rebsorten, Ernten misslingen schlicht, weil die Trauben bei Hagelstürmen zerstört werden. Damit kämen die Weinbaubetriebe trotz aller Schwierigkeiten vielleicht noch klar.
Auch dass allein in Deutschland die Produktionsmenge im Jahr 2025 um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, wäre für viele Winzer vielleicht zu verkraften – niedrige Mengen hieß früher eben auch immer höhere Preise. Doch auch der Konsum nimmt ab. Weltweit ist er gesunken unter das Niveau von 2000 bei eher steigender Zahl an Menschen, in Deutschland um fast zehn Prozent im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr, in absoluten Zahlen von 24,2 auf 22,2 Liter pro Kopf.
Und wenn es nach Medizinern wie Ulrich John von der Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin der Universität Greifswald geht, ist das eine gute Entwicklung. Mehr noch: Sie müsste sich deutlich beschleunigen. Was aber macht das mit der in den vergangenen Jahren so blühenden Weinszene – und vor allem: Was können Verbraucherinnen und Verbraucher in der manchmal so aufgeheizten Debatte noch glauben?