Wilhelm Josten: Der Butlers-Traum ist ausgeträumt
In 100 Einkaufsstraßen Europas mit Einrichtungsläden präsent.
Foto: Rudolf Wichert/laifHamburg. Die Ambitionen waren groß: 19 Sattelzüge würden seine neuen Kataloge füllen, rechnete Wilhelm Josten vor gut vier Jahren vor. Auf mehr als 200 Seiten brachte es das Druckwerk der Kette Butlers, die in gut 100 Einkaufsstraßen präsent ist. Jostens Vorstoß – er galt damals auch als Angriff auf Ikea.
Doch Josten hat sich übernommen. Am Montag teilte Butlers mit: Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Ziel ist, einen Insolvenzplan zu entwickeln und das Unternehmen so mit dem Alteigentümer in die Spur zu bekommen. Ob das klappt, ist noch ungewiss.
Der Insolvenzverwalter Jörg Bornheimer habe erst am Wochenende übernommen und am Montag zunächst Belegschaft und Lieferanten informiert, sagte ein Sprecher der zuständigen Kanzlei Görg. Betroffen sind rund 1 000 Mitarbeiter in der Kölner Hauptverwaltung und den eigenen Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu kommen 200 Mitarbeiter bei den Franchisenehmern in weiteren europäischen Ländern.
Der Blick in den „Bundesanzeiger“ zeigt, dass Josten spätestens 2015 in ernsthafte Probleme kam. Bis ins Vorjahr hatte der 51- jährige Diplom-Kaufmann die Kette Butlers stark wachsen lassen. Der Spross einer niederrheinischen Händlerfamilie baute zudem einen Onlineshop auf und fand Franchisepartner im europäischen Ausland. Doch 2015 standen bei 102,5 Millionen Euro Umsatz unter dem Strich fast 12,4 Millionen Euro Miese.
Zwei Hauptgründe gibt Josten im „Bundesanzeiger“ dafür an: Der Umsatz war um zehn Millionen Euro gesunken, weil immer mehr Haushaltswaren im Internet verkauft werden. Jostens eigener Shop jedoch stagnierte. Zugleich sank der Euro-Kurs. Butlers kauft viel in Asien ein. Bei sinkendem Umsatz steigen so die Kosten.
Dazu kamen konzeptuelle Schwächen. Das Unternehmen war offenbar zu schnell gewachsen: Mit Schließungen wollte Josten verhindern, dass sich die eigenen Filialen in einigen Städten gegenseitig die Kunden streitig machen. Doch zugleich erstarkte die Konkurrenz bei Kleinmöbeln im Netz – etwa mit den Rocket-Internet-Gründungen Home24 und Westwing. Stationär bietet etwa Depot ähnliche Waren.
Mit gut 400 Filialen kommt der Konkurrent aus der Gries Deco Company jedoch auf mehr Umsatz – und damit theoretisch bessere Einkaufskonditionen. Trotzdem ist auch Gries Deco hochdefizitär: Bei gut 400 Millionen Euro Umsatz standen 2015 unter dem Strich fast 20 Millionen Euro Verlust, im Jahr zuvor waren es sogar über 26 Millionen. Dass der Konkurrent dennoch wachsen kann, verdankt er seinem Haupteigner, der finanzstark ist: Gries Deco gehört zu 90 Prozent dem Schweizer Handelsriesen Migros.
Auch Josten mobilisierte schon vor zwei Jahren Finanzhilfe: Ein neuer Gesellschafter, eine Beteiligungsgesellschaft, brachte zehn Millionen Euro mit. Dazu kamen Darlehen aus dem Familienkreis. Ein Fortführungsgutachten sollte die Banken an Bord halten. Ausgereicht hat es offenbar nicht.
Josten teilte am Montag mit, er wolle seinen Sanierungskurs mit dem Insolvenzverwalter fortsetzen: „Alle Filialen und der Onlineshop bleiben normal geöffnet. Gerade in dieser herausfordernden Lage setzen wir auf den Schulterschluss mit unseren Mitarbeitern.“ Für drei Monate sind die Löhne und Gehälter durch das Insolvenzgeld gesichert. Anschließend könnte Butlers seine Kosten gesenkt haben. Im Insolvenzverfahren ist es etwa deutlich einfacher, aus bestehenden Mietverträgen auszuscheiden, Verträge mit Lieferanten aufzukündigen und Unternehmensteile zu schließen.