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Wilhelm JostenDer Butlers-Traum ist ausgeträumt

Der Chef der Einrichtungskette Butlers wollte mit seinen Läden selbst dem schwedischen Möbelriesen Ikea Konkurrenz machen. Doch Wilhelm Josten hatte die Ziele zu hoch gesteckt. Die Insolvenz ist nun die letzte Chance.Christoph Kapalschinski 31.01.2017 - 11:15 Uhr Artikel anhören

In 100 Einkaufsstraßen Europas mit Einrichtungsläden präsent.

Foto: Rudolf Wichert/laif

Hamburg. Die Ambitionen waren groß: 19 Sattelzüge würden seine neuen Kataloge füllen, rechnete Wilhelm Josten vor gut vier Jahren vor. Auf mehr als 200 Seiten brachte es das Druckwerk der Kette Butlers, die in gut 100 Einkaufsstraßen präsent ist. Jostens Vorstoß – er galt damals auch als Angriff auf Ikea.

Doch Josten hat sich übernommen. Am Montag teilte Butlers mit: Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Ziel ist, einen Insolvenzplan zu entwickeln und das Unternehmen so mit dem Alteigentümer in die Spur zu bekommen. Ob das klappt, ist noch ungewiss.

Der Insolvenzverwalter Jörg Bornheimer habe erst am Wochenende übernommen und am Montag zunächst Belegschaft und Lieferanten informiert, sagte ein Sprecher der zuständigen Kanzlei Görg. Betroffen sind rund 1 000 Mitarbeiter in der Kölner Hauptverwaltung und den eigenen Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu kommen 200 Mitarbeiter bei den Franchisenehmern in weiteren europäischen Ländern.

Der Blick in den „Bundesanzeiger“ zeigt, dass Josten spätestens 2015 in ernsthafte Probleme kam. Bis ins Vorjahr hatte der 51- jährige Diplom-Kaufmann die Kette Butlers stark wachsen lassen. Der Spross einer niederrheinischen Händlerfamilie baute zudem einen Onlineshop auf und fand Franchisepartner im europäischen Ausland. Doch 2015 standen bei 102,5 Millionen Euro Umsatz unter dem Strich fast 12,4 Millionen Euro Miese.

Welche Rechte haben die Kunden noch?
Kommt es infolge der Insolvenz zur vollständigen Geschäftsaufgabe, können Sie ihre Ansprüche weiter beim Insolvenzverwalter geltend machen. Da der Händler seinen Betrieb eingestellt hat, wird eine Reparatur oder ein Austausch über ihn nicht mehr erfolgen. Sie könnten die mangelhafte Ware also auf Ihre Kosten reparieren lassen und diese Kosten im Wege des Schadensersatzes vom Insolvenzverwalter verlangen. Allerdings sind Ihre Erfolgsaussichten, Reparaturkosten erstattet zu bekommen, wegen der Vielzahl der Forderungen gering. Im Fall der Insolvenz wird es daher schwierig werden, Ansprüche auf Gewährleistung durchzusetzen.(Quelle: Verbraucherzentrale NRW)
Im schlimmsten Fall gehen Ihre Anzahlungen oder Vorauszahlungen in die Insolvenzmasse über. Der Insolvenzverwalter kann entscheiden, ob solche teilweise bereits erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Winkt er ab, bleibt Ihnen noch der Versuch, aus der Insolvenzmasse befriedigt zu werden. Allerdings zeigen alle Erfahrungen, dass die Kunden nur einen sehr bescheidenen Anteil erwarten können.
Die Raten für gelieferte Ware müssen Sie auf jeden Fall weiter bezahlen. Nennt der Insolvenzverwalter eine neue Bankverbindung, sind Sie verpflichtet, die Rate auf dieses Konto zu überweisen. Achtung: Es ist ratsam, die Echtheit der Angaben zu überprüfen, etwa durch telefonische Nachfrage, um nicht auf eventuelle Trittbrettfahrer reinzufallen. Werden trotz regelmäßiger Zahlungen angeblich offene Forderungen geltend gemacht, empfiehlt es sich, dem Inkassobüro die Vereinbarung über die Ratenzahlung sowie die Nachweise der gezahlten Raten vorzulegen. Die Vereinbarungen zur Ratenzahlung mit Verweis auf die Insolvenz zu kündigen, ist unzulässig. Hingegen ist grundsätzlich eine ordentliche Kündigung der Vereinbarung möglich, soweit dies vorgesehen ist. Ein außerordentlicher Kündigungsgrund besteht jedoch nicht, ebenfalls keine Anfechtungsmöglichkeit im Rahmen des Insolvenzrechts.
Haben Sie auf Rechnung gekauft, gilt stets: Erhaltene Ware muss bezahlt werden. Auf Vorkasse sollten Sie sich bei einem insolventen Unternehmen auf keinen Fall einlassen, da Sie das Risiko tragen, dass Ihre Zahlung bei ausbleibender Lieferung in die Insolvenzmasse fällt.
Problematisch wird die Einlösung von Gutscheinen ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dann können Sie Ihre Forderungen aus dem Gutschein nur noch beim Insolvenzverwalter anmelden. Soweit dann noch Geld vorhanden sein sollte, erhalten Verbraucher eine entsprechende Quote ausgezahlt. Meist gehen derartige Forderungen aber wegen der geringen Insolvenzmasse ins Leere.Ebenso könnte auch jetzt schon der vorläufige Insolvenzverwalter die Nichteinlösung von Gutscheinen anordnen, da es sich um Verbindlichkeiten des Unternehmens handelt und er die Insolvenzmasse zusammenhalten muss.Die Verbraucherzentrale rät den Besitzern von Gutscheinen, sich nochmals in die nächstgelegene Filiale zu begeben, um den Gutschein einzulösen. Falls dies nicht möglich ist, steht es Ihnen offen, sich an den vorläufigen Insolvenzverwalter zu wenden. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt nicht zuletzt von der Höhe des Gutscheinbetrags ab.
Bislang ist völlig unklar, was mit Kundendaten geschieht. Die Verbraucherzentrale hält einen Verkauf an Dritte nicht durch das Bundesdatenschutzgesetz gedeckt. Ihrer Auffassung nach muss der Insolvenzverwalter dafür sorgen, dass Kundendaten nach Abwicklung aller Vertragsbeziehungen gelöscht werden. Das Ende eines Unternehmens darf nicht zu einem Datenschlussverkauf führen.
Die gesetzliche Pflicht zur Gewährleistung hat der Händler; das bedeutet: Er muss im Fall der Gewährleistung die Ware kostenlos reparieren oder austauschen. Für die Beurteilung im Falle der Insolvenz kommt es darauf an, ob der Anspruch vor oder nach Eröffnung der Insolvenz entsteht: Alle Gläubiger mit Ansprüchen aus der Zeit vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens müssen ihre Forderungen nur zur Insolvenztabelle anmelden.Ob in diesem Fall Ansprüche auf Gewährleistung erfüllt werden, hängt vom Insolvenzverwalter ab. Denn er kann entscheiden, diese Ansprüche trotzdem zu erfüllen, zum Beispiel um den zufriedenen Kunden an den Betrieb zu binden. Bei Ansprüchen, die erst nach dem schon eröffneten Verfahren entstanden sind, kann der Insolvenzverwalter wählen, ob er den Anspruch auf Reparatur oder Ersatzlieferung erfüllt oder nicht.
Haben Sie die Ware noch nicht vollständig bezahlt, bietet es sich an, die Reparaturkosten mit den noch ausstehenden Zahlungen zu verrechnen. Dies sollten Sie mit dem Insolvenzverwalter abstimmen. Ausstehende Raten sollten Sie bis zu einer Einigung in Höhe der Reparaturkosten zurückbehalten.Von der Insolvenz unberührt bleiben jedoch die Ansprüche, die sich aus den freiwilligen Garantien der Hersteller ergeben. Hat der Produzent eine Garantie gegeben, können Sie mangelhafte Ware im Rahmen der Garantie direkt dort beanstanden.

Zwei Hauptgründe gibt Josten im „Bundesanzeiger“ dafür an: Der Umsatz war um zehn Millionen Euro gesunken, weil immer mehr Haushaltswaren im Internet verkauft werden. Jostens eigener Shop jedoch stagnierte. Zugleich sank der Euro-Kurs. Butlers kauft viel in Asien ein. Bei sinkendem Umsatz steigen so die Kosten.

Dazu kamen konzeptuelle Schwächen. Das Unternehmen war offenbar zu schnell gewachsen: Mit Schließungen wollte Josten verhindern, dass sich die eigenen Filialen in einigen Städten gegenseitig die Kunden streitig machen. Doch zugleich erstarkte die Konkurrenz bei Kleinmöbeln im Netz – etwa mit den Rocket-Internet-Gründungen Home24 und Westwing. Stationär bietet etwa Depot ähnliche Waren.

Mit gut 400 Filialen kommt der Konkurrent aus der Gries Deco Company jedoch auf mehr Umsatz – und damit theoretisch bessere Einkaufskonditionen. Trotzdem ist auch Gries Deco hochdefizitär: Bei gut 400 Millionen Euro Umsatz standen 2015 unter dem Strich fast 20 Millionen Euro Verlust, im Jahr zuvor waren es sogar über 26 Millionen. Dass der Konkurrent dennoch wachsen kann, verdankt er seinem Haupteigner, der finanzstark ist: Gries Deco gehört zu 90 Prozent dem Schweizer Handelsriesen Migros.

Auch Josten mobilisierte schon vor zwei Jahren Finanzhilfe: Ein neuer Gesellschafter, eine Beteiligungsgesellschaft, brachte zehn Millionen Euro mit. Dazu kamen Darlehen aus dem Familienkreis. Ein Fortführungsgutachten sollte die Banken an Bord halten. Ausgereicht hat es offenbar nicht.

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Josten teilte am Montag mit, er wolle seinen Sanierungskurs mit dem Insolvenzverwalter fortsetzen: „Alle Filialen und der Onlineshop bleiben normal geöffnet. Gerade in dieser herausfordernden Lage setzen wir auf den Schulterschluss mit unseren Mitarbeitern.“ Für drei Monate sind die Löhne und Gehälter durch das Insolvenzgeld gesichert. Anschließend könnte Butlers seine Kosten gesenkt haben. Im Insolvenzverfahren ist es etwa deutlich einfacher, aus bestehenden Mietverträgen auszuscheiden, Verträge mit Lieferanten aufzukündigen und Unternehmensteile zu schließen.

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