WK Kellogg: Ferrero übernimmt Frühstücksflocken-Hersteller in Milliardendeal
Rom. Der italienische Schokoladenhersteller Ferrero kauft den US-Frühstücksflockenhersteller WK Kellogg für 3,1 Milliarden Dollar. Das teilten beide Seiten am Donnerstag mit. Damit baut das Familienunternehmen aus dem norditalienischen Alba, das weltweit für seine Nutella-Schokoladencreme bekannt ist, seine Präsenz in Nordamerika weiter aus.
Der Deal umfasst Produktion, Marketing und Vertrieb der Cerealien in den USA, Kanada und der Karibik. „Dies ist der Zusammenschluss zweier Unternehmen, die beide auf ein stolzes Erbe und Generationen von treuen Kunden zurückblicken können“, sagte Ferrero-Chef Giovanni Ferrero am Donnerstag. Der Deal sei ein „Meilenstein“ bei der US-Expansion.
Anleger erwarten offenbar, dass die Übernahme durch Ferrero das zuletzt stagnierende Geschäft von Kellogg ankurbeln könnte: Nachdem das „Wall Street Journal“ am Mittwoch erstmals über ein mögliches Zustandekommen des Deals berichtet hatte, war die Aktie von WK Kellogg nachbörslich um bis zu 57 Prozent gestiegen.
„Der Kauf passt perfekt zur Unternehmensstrategie von Ferrero“
Ferrero zahlt je Kellogg-Aktie 23 Dollar, ein Aufschlag von 40 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. An der Börse war WK Kellogg zuletzt noch 1,5 Milliarden Dollar wert, das Unternehmen hat 500 Millionen Dollar Schulden. Zum Börsenstart am Donnerstag legte die Aktie um gut 30 Prozent zu.
Der Konzern war aus einer Zweiteilung der Kellogg Company im Oktober 2023 hervorgegangen. Das nordamerikanische Geschäft mit Frühstücksflocken, das Marken wie Froot Loops, Smacks sowie Frosties umfasst, wurde unter dem Namen WK Kellogg abgespalten. Die Snacksparte firmierte seitdem als Kellanova und wurde mittlerweile vom Süßwarenhersteller Mars für rund 36 Milliarden Dollar übernommen.
Im Mai hatte WK Kellogg seine Umsatzprognose wegen eines „herausfordernden Marktumfelds“ gesenkt, in dem Verbraucher sich hin zu weniger zuckrigen Alternativen und preiswerteren Eigenmarken orientieren.
„Der Kauf von WK Kellogg passt perfekt zur Unternehmensstrategie von Ferrero, weil das Unternehmen so in drei Bereichen wachsen kann“, sagt Enzo Peruffo, der an der römischen Luiss-Universität Unternehmensstrategie lehrt: „bei der Internationalisierung, bei den Produktsegmenten und der absoluten Unternehmensgröße.“
Tatsächlich gehört Ferrero mit 18,4 Milliarden Euro Umsatz bereits jetzt zu den drei umsatzstärksten Süßwarenherstellern weltweit und wird mit der Übernahme von WK Kellogg weiter wachsen. „Ein Player dieser Größe zu sein, gibt Ferrero eine bessere Verhandlungsposition beim Einkauf und Vertrieb. Davon wird auch Kellogg profitieren“, sagt Peruffo.
Ferrero kaufte bereits mehrfach in den USA zu
Der Kauf folgt außerdem einer Expansionsstrategie in den USA, die Firmenchef Giovanni Ferrero schon seit 2017 verfolgt, als er den Schokoladenhersteller Fannie May übernahm.
Darauf folgte 2018 der Kauf des Süßwarengeschäfts von Nestlé, einschließlich der Marken Butterfinger, Baby Ruth und Crunch sowie jene des Fruchtsnack-Segments von Kellogg. 2022 kaufte Ferrero schließlich Wells Enterprises, den damals weltgrößten familiengeführten Eishersteller.
„Der Umstand, dass Ferrero ein Unternehmen ist, das von der Eigentümerfamilie geführt wird, führt dazu, dass es resilient ist und eine langfristige Vision verfolgen kann“, erklärt Peruffo. Das Magazin „Forbes“ führt Giovanni Ferrero mit einem Vermögen von 38,2 Milliarden Dollar als reichsten Italiener.
Die Wurzeln seines Unternehmens reichen bis 1946 zurück, als sein Großvater Pietro Ferrero und dessen Bruder Giovanni in der Familienkonditorei im piemontesischen Alba neue Produkte entwickelten. Dort entstand auch Nutella, das die Brüder entwickelten, indem sie die knappen Kakaolieferungen mit Haselnüssen streckten.
Unter Giovannis Vater Michele begann in den 1950er Jahren die Expansion ins Ausland: 1956 eröffnete die erste Produktionsstätte außerhalb Italiens in Deutschland. Heute werden die Produkte unter den Markennamen Ferrero, Kinder, Rocher und TicTac in mehr als 170 Ländern verkauft.
In Italien ist das Unternehmen beliebt. Es belegt regelmäßig Topplätze in den Arbeitgeberrankings und steht auch bei den Verbrauchern hoch im Kurs. „Wir Italiener verbinden mit Ferrero ein globales Unternehmen mit starken Wurzeln in der Heimat, das uns gleichzeitig an die Süßigkeiten unserer Kindheit erinnert“, sagt Peruffo.