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Abhöraffäre VW stellt Strafanzeige – Spion nahm offenbar auch Treffen mit Prevent auf

Auch das Hagener Unternehmen TWB war Thema in den heimlich bei Volkswagen aufgenommen Gesprächen. Der Konzern hat nun Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.
29.07.2020 Update: 29.07.2020 - 17:22 Uhr Kommentieren
Eine Spitzel-Affäre sorgt beim weltgrößten Autobauer Volkswagen für Unruhe. Quelle: dpa
VW-Werk in Wolfsburg

Eine Spitzel-Affäre sorgt beim weltgrößten Autobauer Volkswagen für Unruhe.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Volkswagen hat in der Abhöraffäre Strafanzeige gestellt. Das bestätigte ein Sprecher am Mittwoch. Der Konzern sei „Opfer einer illegalen Abhör-Attacke“, teilte das Unternehmen mit. Zuvor war über interne Gespräche einer VW-Arbeitsgruppe berichtet worden, die ein Teilnehmer heimlich aufgenommen hatte.

Diese Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dem Umgang mit der unliebsamen Zuliefergruppe Prevent. Weil noch unklar ist, wer der Maulwurf ist, richtet sich die Strafanzeige gegen unbekannt. VW hatte zuvor auch eine konzerninterne Untersuchung eingeleitet.

Ein Bericht des Magazins „Business Insider“ könnte derweil neue Hinweise auf die Identität des Spions geben. Demnach soll er auch ein Treffen mit Prevent-Vertretern sowie persönliche Gespräche mit Kollegen aufgenommen haben.

Ob die neuen Details Rückschlüsse auf die Identität des Maulwurfs zulassen, wollte Volkswagen nicht kommentieren. Ein Sprecher bestätigte aber, dass das Treffen im April 2017 stattgefunden hat. Dabei sei es um die Geschäftsbeziehungen zur Prevent-Tochter TWB gegangen.

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    Das Hagener Unternehmen hat für VW und diverse Tochtermarken wie Audi und Seat in der Vergangenheit Sitzschalen gefertigt. Die Wolfsburger sollen bei dem Treffen zugesagt haben, weiter zu den Verträgen mit TWB zu stehen. Zudem hätten sie die Hoffnung geäußert, dass auch Prevent sich daran halte.

    VW hatte zu diesem Zeitpunkt aber bereits über Möglichkeiten zur „Aussteuerung“ von Prevent nachgedacht, wie interne Dokumente zeigen. Hintergrund war ein jahrelanger Streit um Lieferkonditionen. Der Konflikt war erstmals 2016 eskaliert, als sich zwei Prevent-Gesellschaften weigerten, VW mit Bauteilen zu beliefern. Daraufhin kam es in sechs VW-Werken zum Produktionsstillstand. Seitdem befehden sich die Unternehmen vor Gericht.

    Im März 2018 kündigte Volkswagen die Verträge mit TWB einseitig und suchte sich andere Zulieferer. Prevent-Anwälte forderten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Schadenersatz. VW argumentierte, Prevent habe auch im Fall TWB mit einem Lieferstopp gedroht. Prevent leugnete das und warf VW vor, von einer stillschweigenden Drohung ausgegangen zu sein, die nicht vorgelegen habe.

    Der Vorsitzende Richter Jürgen Kühnen sah das anders. Er bestätigte in seinem Urteil Anfang Februar die außerordentliche Kündigung durch die Volkswagen AG als Reaktion auf einen angedrohten Lieferstopp.

    Der Richter warf Prevent vor, die „Wehrlosigkeit“ der Wolfsburger ausgenutzt und „mit Mitteln der Erpressung“ versucht zu haben, eine 25-prozentige Preiserhöhung durchzusetzen. Weil Audi aber, anders als VW, nur ordentlich und nicht außerordentlich kündigte, sei das Vorgehen der Konzerntochter unwirksam gewesen.

    VW spricht von „beispielloser Zwangslage“

    Eine solche Möglichkeit zur einseitigen Beendigung der Lieferbeziehung sei in dem Vertrag nicht vorgesehen gewesen. Deshalb kann der Zulieferer zumindest im Fall Audi auf Schadenersatzzahlung hoffen. Den gesamten Streitwert bezifferte das Gericht mit zwölf Millionen Euro, eine konkrete Schadenersatzhöhe müsste ein separates Verfahren klären. Beide Seiten wollen aber gegen das Urteil vorgehen.

    Von VW hieß es, das abgehörte Treffen in Sachen TWB und alle Gespräche mit der Prevent-Gruppe hätten zu dem damaligen Zeitpunkt „unter dem Eindruck des rechtswidrigen Lieferstopps 2016“ gestanden. Seitdem hätte sich der Konzern in einer „beispiellosen Zwangslage“ befunden, die im März 2018 zur Entscheidung geführt hat, sich von den Prevent-Unternehmen als Lieferant zu trennen.

    Prevent teilte mit, dass der Inhalt des Treffens nicht mehr nachvollzogen werden könne, weil der teilnehmende Mitarbeiter nicht mehr für die Gruppe arbeite. Zuvor hatte die Gruppe mitgeteilt, keine Kenntnis von den Aufnahmen zu haben und nicht an der Entstehung beteiligt gewesen zu sein.

    Die Berichte würden jedoch zeigen, dass sich VW über Jahre hinweg „rechts- und treuewidrig verhalten und dabei überaus zweifelhafte Mittel angewandt hat“, sagte ein Sprecher. Die Gruppe prüfe rechtliche Schritte gegen VW.

    Mehr: Wie das Oberlandesgericht Düsseldorf im Fall TWB urteilte.

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