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AutobauerAbsatzproblemen, Zöllen, Jobabbau - Jaguar Land Rover unter Druck

Im April verkaufte JLR nur 49 Jaguar-Neuwagen in Europa – und die Transformation der Traditionsmarke ist bei Weitem nicht das einzige Problem für den Autohersteller. 500 Manager sollen gehen.Torsten Riecke 23.07.2025 - 09:27 Uhr Artikel anhören
JLR-Fabrik: Verschiebungen und Produktionsstopps. Foto: JLR

London. Als der britische Luxuswagenhersteller Jaguar Land Rover (JLR) Ende vergangenen Jahres eine futuristische Überarbeitung seiner Edelmarke Jaguar vorstellte, reagierte die Autoszene schockiert. Tesla-Gründer Elon Musk stichelte: „Verkaufen die überhaupt Autos?“

Was als provokante Aussage eines Konkurrenten gemeint war, wurde im April Realität: JLR verkaufte in Europa nur noch 49 Jaguar-Neuwagen – ein Absatzeinbruch von 97,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Go woke, go broke“, titelte daraufhin hämisch das konservative Boulevardblatt „Daily Mail“, was so viel bedeutet wie: Gib dich politisch korrekt, geh pleite.

Die Pleite droht dem zum indischen Tata-Konzern gehörenden Autobauer Jaguar Land Rover zwar nicht, wie die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr zeigen. Für 2024 meldete JLR mit einem Gewinn vor Steuern von 2,5 Milliarden Pfund (etwa drei Milliarden Euro) das beste Ergebnis seit zehn Jahren.

Keine vollelektrischen Range Rover und Jaguar in diesem Jahr

Allerdings machen dem Autohersteller neben der Neuausrichtung von Jaguar noch weitere Probleme schwer zu schaffen: Die Auslieferung von Elektromodellen verzögert sich, die US-Zölle belasten das Geschäft, Mitarbeitern droht die Entlassung.

Ursprünglich sollte der klimafreundliche Range Rover Electric schon im Laufe dieses Jahres verfügbar sein. Doch die britische Tageszeitung „The Guardian“ meldete am vergangenen Wochenende, dass die Auslieferung der ersten vollelektrischen Modelle der Marken Range Rover und Jaguar ins nächste Jahr verschoben werden soll.

„Bezüglich der Markteinführung des Range Rover Electric haben wir den weltweit über 64.000 Interessenten auf der Warteliste vor Kurzem mitgeteilt, dass der Verkaufsstart auf das Jahr 2026 verschoben wurde, da der Range Rover Electric weiterhin eines der umfassendsten Entwicklungsprogramme, die jemals von Range Rover durchgeführt wurden, durchläuft“, lautet die Erklärung von JLR für die Verzögerung.

Und weiter: „Unsere Pläne und Fahrzeugarchitekturen sind flexibel, sodass wir uns an unterschiedliche Markt- und Kundenanforderungen anpassen können.“ Bis 2030 werde JLR für jede Luxusmarke eine vollelektrische Version anbieten. Für den Range Rover werden Preise bis zu 170.000 Pfund kolportiert.

Wenige Tage zuvor hatte JLR überraschend den Abbau von 500 Stellen in Management und Verwaltung auf freiwilliger Basis bekannt gegeben. Das ist nicht ungewöhnlich und entspricht nur etwa 1,5 Prozent der Mitarbeiterzahl in Großbritannien. Vorausgegangen war allerdings ein Absatzeinbruch über die gesamte Modellpalette von 15 Prozent im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bis Ende Juni.

Grund dafür war maßgeblich die Zollpolitik von US‑Präsident Donald Trump. Die US-Regierung hatte zunächst auch für Autoimporte aus Großbritannien einen Strafzoll von 25 Prozent verhängt.

Durch ein Handelsabkommen zwischen den Regierungen der USA und Großbritanniens ist die Einfuhrabgabe für Autos aus dem Vereinigten Königreich zwar inzwischen für eine Quote von maximal 100.000 Fahrzeugen wieder auf zehn Prozent gesunken.

Mike Hawes, Chef des britischen Automobilverbandes SMMT, sprach daraufhin von einer „deutlichen Erleichterung“ bei den Autobauern auf der Insel. „Internationale Märkte sind für unsere Branche von entscheidender Bedeutung, da etwa acht von zehn in Großbritannien hergestellten Fahrzeugen ins Ausland geliefert werden“, betonte der Autolobbyist. Die USA sind mit einem Exportanteil von etwa 20 Prozent nach der EU der wichtigste Absatzmarkt für die Briten. Die Lieferungen nach Amerika laufen jedoch erst langsam wieder an.

Allerdings: Der Land Rover „Defender“, das meistverkaufte Modell von JLR, wird in der Slowakei produziert. Er ist deshalb von den höheren US‑Strafzöllen für die Europäische Union (EU) betroffen. Sie liegen bei 27,5 Prozent, und Trump will sie weiter erhöhen.

Das Modell „Defender“: Produktion in der Slowakei. Foto: Bloomberg

Zum schlechten Quartalsabsatz hat jedoch auch der Produktionsstopp bei Jaguar beigetragen. JLR hat den Verkauf von Jaguar-Modellen seit Ende 2024 für mehr als ein Jahr gestoppt, um die Produktion auf rein elektrisch betriebene Fahrzeuge umzustellen.

„JLR hatte stets eine Übergangsphase vorgesehen, in der die aktuelle Modellpalette nicht mehr zum Verkauf stehen würde, bevor die neue Jaguar-Kollektion eingeführt wird“, teilte ein Konzernsprecher auf Anfrage mit. Diese strategische „Abwicklung“ der Produktpalette verlaufe „planmäßig“ und ermögliche es Jaguar, die Marke für die Zukunft zu transformieren und neu zu positionieren.

Gemischte Gefühle bei Jaguar-Fans

Den betroffenen Mitarbeitern im Werk Castle Bromwich sind nach Angaben von JLR „Versetzungen“ angeboten worden. Betriebsbedingte Kündigungen habe es nicht gegeben. Auch das „Jaguar-Händler- und -Servicenetz bleibt vollständig betriebsfähig“. Überbrücken will JLR das Transformationsloch bei Jaguar mit seinen anderen Modellen.

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„Unsere Einzelhandelspartner bieten weiterhin die attraktiven JLR-Premiummarken Range Rover, Defender und Discovery an – diese Modelle sind sehr gefragt und in vielen Fällen kurzfristig verfügbar“, heißt es dazu aus der Firmenzentrale in Coventry.

Der Produktionsstart für den ersten vollelektrischen Jaguar soll den Medienberichten zufolge allerdings nicht vor August 2026 sein. Ein zweites Modell solle 2027 folgen. Der Einstiegspreis dürfte bei mehr als 100.000 Pfund liegen. Der Autobauer versuche mit Jaguar, „noch einmal von vorn“ anzufangen, um an die legendären Modelle ‚E-Type‘ und ‚XJ‘ anzuknüpfen“, sagte der britische Autoexperte David Bailey, Professor an der Birmingham Business School.

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Doch gerade traditionelle Autoenthusiasten können mit der Neuausrichtung bislang nur wenig anfangen, wie die Kritik am Werbevideo zeigt, das im Zuge des Rebrandings 2024 erschien. Eine Schar von extravagant gekleideten Menschen mit asymmetrischen Haarschnitten ist dort zu sehen – aber keine Autos. Für Kontroversen sorgte zudem, dass der fauchende Jaguar-Kopf als Logo verschwinden soll und der Markenname durch ein Monogramm sowie ein Emblem mit durchgezogenen Linien ersetzt wird.

Erstpublikation: 22.07.2025, 11:49 Uhr.

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