Globale Trends: Die Kunst des Deals mit Trump – Die Briten machen es besser
Als sich die Briten nach dem Brexit-Kater mal wieder selbst leidtaten, provozierte der Publizist John Kampfner seine Landsleute 2020 mit dem Buchtitel „Why the Germans do it better“.
Nachdem Deutschland kurz danach in eine wirtschaftliche Dauerkrise gestürzt ist, betrachtet im Königreich heute kaum noch jemand das Modell Deutschland als Vorbild. Im Gegenteil. London hat gerade mit US‑Präsident Donald Trump einen Handelsdeal geschlossen, der die EU und dabei auch Deutschland in den Schatten stellt und den man in der britischen Hauptstadt klammheimlich als späte „Brexit-Dividende“ feiert.
Auch wenn der britische Premierminister Keir Starmer die schonende Vorzugsbehandlung durch den Handelskrieger im Weißen Haus weniger dem Brexit als vielmehr einer Einladung an Trump durch den britischen König und einem statistischen Trugschluss verdankt, lohnt es sich, der Frage nachzugehen, ob die EU‑Europäer von dem vermeintlichen Verhandlungsgeschick der Briten etwas lernen können.
Zumal Trump offenbar Brüssel in den kommenden Tagen einen Deal vorschlagen will, der sich das Abkommen mit Großbritannien zum Vorbild nimmt.
Handelsbilanzen verzerren das Bild
Dabei weichen die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die EU stark von den Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und den USA ab. Während Amerika mit der Europäischen Union im Güterhandel im vergangenen Jahr ein Defizit von rund 237 Milliarden Dollar aufwies, hatten die USA nach eigenen Angaben mit Großbritannien einen Überschuss im Warenverkehr von rund elf Milliarden Dollar. Da Trump fälschlicherweise Handelsdefizite als Beweis für „unfaire“ Handelsbeziehungen betrachtet, haben die Briten im Kopf des US‑Präsidenten einen statistischen Vorteil.
Da hilft es dann auch nicht, dass sich dieses Bild umdreht, wenn man nicht auf den Güterhandel, sondern auf den Austausch von Dienstleistungen schaut. Hier haben die USA gegenüber der EU einen deutlichen Vorteil, während die Briten zuletzt doppelt so viele Services nach Amerika exportierten, wie sie von dort importierten.
Nach außen verweisen die Briten stolz auf die „besonderen Beziehungen“ zu den USA und schüren damit durchaus den Neid in der EU.
So hat der französische Präsident Emmanuel Macron bei seinem Staatsbesuch diese Woche in London gemahnt, die Europäer müssten auch in Handelsfragen enger zusammenstehen. Was nichts anderes bedeutet, als dass Starmer bei seinem politischen Drahtseilakt zwischen Washington und Brüssel nicht die Balance verlieren soll. Strebt der britische Premier doch auch mit der EU bessere Handelsbeziehungen an.
Allzu viele Sorgen müssen sich die Kontinentaleuropäer deshalb aber nicht machen. Das britisch-amerikanische Handelsabkommen ist weit von dem „historischen Deal“ entfernt, als den Trump ihn bei seinem Handschlag mit Starmer verkauft hat.
Tatsächlich handelt es sich noch nicht einmal um ein klassisches Freihandelsabkommen, sondern um eine Rahmenvereinbarung, die den Handel mit bestimmten Gütern schrittweise erleichtern soll. Genau das strebt der US‑Präsident jetzt offenbar auch mit der EU an.
Wichtige Details des Abkommens mit London, wie etwa die Frage, ob für Stahl- und Aluminiumexporte in die USA künftig 50 Prozent oder 25 Prozent oder gar keine Zölle mehr gezahlt werden müssen, sind noch gar nicht ausgehandelt. Zudem werden fast alle Güterimporte aus Großbritannien in die USA auch künftig mit einem Basiszoll von zehn Prozent belegt. Ob es der EU gelingt, den gleichen Basiszoll auszuhandeln, ist ungewiss.
Deutsche Autobauer hoffen auf britischen Deal – Pharmaindustrie ohne Einigung vor Schock
Einen Mix aus Importquoten und Strafzöllen könnte es für deutsche Autoexporte in die USA geben, wenn das Abkommen mit London auch dafür als Blaupause gilt.
Britische Autobauer können künftig 100.000 Fahrzeuge pro Jahr in die USA exportieren und müssen dafür nur den Basiszoll von zehn Prozent einkalkulieren. Die vereinbarte Mengenquote entspricht dabei etwa dem Exportvolumen britischer Fahrzeuge im vergangenen Jahr. Alles, was darüber hinausgeht, wird mit einem Strafzuschlag von 25 Prozent belegt.
Die EU wäre froh, wenn sie einen ähnlichen Deal erreichen könnte, wobei vor allem die deutschen Autobauer auf eine höhere Quote hoffen, exportieren sie immerhin 450.000 Pkw jährlich nach Amerika.
Völlig unklar ist, wie Trump künftig mit Pharmaimporten aus Großbritannien und der EU umgehen will, die zu den wichtigsten Exportgütern zählen. Zwar hat London von Trump die vage Zusage erhalten, dass Einfuhren von Medikamenten aus Großbritannien bevorzugt behandelt werden sollen, zugleich droht der US-Präsident aber mit Strafzöllen von bis zu 200 Prozent für Pharmaimporte. Selbst Vorzugskonditionen könnten einen Schock dann kaum noch mildern.
