Autonomes Fahren: Tesla gewinnt einen der ersten Prozesse wegen tödlicher „Autopilot“-Unfälle
Der Fahrassistent für teilautonomes Fahren, den Tesla Autopilot nennt, im Einsatz in einem Model 3.
Foto: ReutersNew York. Tesla hat sich in einem der ersten US-Prozesse um die Rolle seines Fahrerassistenzsystems bei einem tödlichen Unfall durchgesetzt. Der von Elon Musk geführte Autobauer konnte die Geschworenen im kalifornischen Riverside davon überzeugen, dass das „Autopilot“-System nicht für den infrage stehenden Unfall verantwortlich gemacht werden kann.
Das Tesla Model 3 eines 37-Jährigen, der mit seiner Verlobten und deren Sohn unterwegs war, kam 2019 auf einem Highway in Südkalifornien von der Fahrbahn ab, prallte gegen einen Baum und ging in Flammen auf. Der Fahrer kam ums Leben, die Insassen überlebten verletzt.
In der Klage warfen Hinterbliebene Tesla vor, Unzulänglichkeiten beim Autopiloten seien für den Unfall verantwortlich. Sie argumentierten auch, der Konzern habe von Schwächen des Systems gewusst und den Besitzern ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt.
Tesla verwies unter anderem darauf, dass Fahrer bei der Nutzung des Autopilot-Systems die Verkehrslage im Blick behalten sollten und jederzeit bereit sein müssten, die Kontrolle zu übernehmen. Auch gebe es keinen sicheren Beleg, dass der Autopilot vor dem Unfall aktiviert gewesen sei.
Weitere Verfahren gegen Tesla sind anhängig
Laut US-Beobachtern war die Entscheidung der kalifornischen Jury sehr spezifisch auf den Fall ausgelegt. Das Gericht war aufgerufen worden zu prüfen, ob ein Herstellungsfehler bei dem betroffenen Tesla-Fahrzeug vorlag – nicht, ob es ein Problem beim Autopilot-System insgesamt gab. Laut „Wall Street Journal“ könnte das Urteil daher nur begrenzte Auswirkungen auf künftige Rechtsstreitigkeiten haben.
Tesla steht derzeit in einer Reihe von Verfahren unter Druck. Ein weiterer Fall, bei dem es um die Rolle des Autopiloten bei einem tödlichen Unfall geht, wird voraussichtlich Anfang 2024 verhandelt. Bei diesem kam 2018 in Kalifornien Walter Huang in einem Model X ums Leben, nachdem das Fahrzeug gegen eine Leitplanke geprallt war.
Ein weiterer anhängiger Fall ist der von David und Sheila Brown. Das Ehepaar verstarb infolge eines Unfalls mit einem Model 3 im August 2020. Das Fahrzeug überfuhr im kalifornischen Saratoga mit 183 km/h eine rote Ampel und krachte in einen Pick-up-Truck. Das Handelsblatt konnte die behördlichen Unterlagen einsehen, die aus Sicht der Kläger zahlreiche Ungereimtheiten beinhalten. Tesla argumentierte, dass der Unfall nichts mit dem Autopiloten zu tun habe, weil dieser sich abgeschaltet habe. Weitere Zivilverfahren werden voraussichtlich 2024 verhandelt.
Wie sicher ist der Autopilot?
Die von Tesla selbst als Autopilot bezeichnete Technik ist ein wichtiger Faktor für den Börsenerfolg des Unternehmens. In der Vergangenheit hatte der Konzern behauptet, Fahren mit aktiviertem Autopiloten sei sicherer als ohne: Es gebe weniger Unfälle. Andere Forscher kritisierten die Methodik von Tesla.
Erst im Februar musste Tesla bei mehr als 362.000 Autos mit der fortgeschrittenen Fahrerassistenzsoftware „FSD Beta“ in den USA ein drahtloses Update installieren. Aufseher sahen eine erhöhte Unfallgefahr, insbesondere nach einer Serie von Zwischenfällen, bei denen Teslas auf am Straßenrand stehende Rettungsfahrzeuge mit eingeschalteten Warnblinkern auffuhren.
In der vergangenen Woche war zudem bekannt geworden, dass das US-Justizministerium seine Untersuchungen bei Tesla ausweitet. Die Staatsanwälte untersuchen, ob der Elektroautobauer irreführende Behauptungen über die Fähigkeiten seines Fahrerassistenzsystems aufgestellt hat.
Daneben untersucht die US-Straßenverkehrsaufsicht NHTSA laut „New York Times“ 41 Unfälle seit 2016, an denen Teslas Fahrerassistenzsysteme beteiligt waren, bei 14 davon kamen insgesamt 19 Menschen um. NHTSA hatte die Untersuchung der Tesla-Systeme in 765.000 Fahrzeugen im August 2001 gestartet.
Ende Januar wurde zudem bekannt, dass auch die Börsenaufsicht SEC die Autopilot-Behauptungen von Konzernchef Musk unter die Lupe nimmt. Daneben verklagen Anleger ihn und Tesla wegen angeblicher Unwahrheiten über den Autopiloten. Zwei Pensionsfonds aus Michigan fühlen sich durch diese Versprechen getäuscht.
Tesla-Fahrzeuge zeichnen eine Vielzahl von Daten auf, die oft bei Untersuchungen zum Hergang von Zwischenfällen hilfreich sind. Allerdings sind diese Informationen nach Unfällen manchmal nicht mehr verfügbar.
Mit Material von dpa.