Baustoffe: Heidelberg Materials setzt voll auf die USA
Heidelberg, Düsseldorf. Der Baustoffkonzern Heidelberg Materials rechnet in diesem Jahr mit steigendem Gewinn und Wachstum bei Absatz und Umsatz. „Nordamerika bleibt die Lokomotive“, sagte Vorstandschef Dominik von Achten am Dienstag bei der Vorstellung der Jahreszahlen.
Im vergangenen Jahr konnten die Heidelberger trotz schwächerer Nachfrage den Betriebsgewinn bereits steigern. Das operative Ergebnis legte gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zu. Das entsprach Prognosen und Erwartungen von Analysten.
Der Aktienkurs des Dax-Konzerns kletterte um zwei Prozent auf mehr als 139 Euro. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Kurs damit um knapp 50 Prozent erhöht, auf Zweijahresfrist sogar verdoppelt.
Die operative Marge steigerten die Kurpfälzer durch Kostensenkungen und höhere Preise. Der Umsatz lag im Jahr 2024 mit 21,2 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau, obwohl der Absatz schrumpfte. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 1,78 Milliarden Euro allerdings sieben Prozent weniger als 2023 – Analysten hatten mit einem Plus gerechnet.
Preisanpassungen und striktes Kostenmanagement stehen auch in diesem Jahr im Fokus. Die Nachfrage im Bausektor soll sich auf niedrigem Niveau stabilisieren und das Betriebsergebnis auf 3,25 bis 3,55 Milliarden Euro wachsen. „Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr 2025 bleiben wir optimistisch gestimmt“, sagte von Achten.
Bis Ende 2026 will das Management die Kosten durch neue Techniken, Optimierung des Produktionsnetzwerks und Personalabbau um 500 Millionen Euro senken.
Sechs Übernahmen in Nordamerika
In Nordamerika konnte der weltweit zweitgrößte Zementproduzent vor allem durch sechs Firmenkäufe zulegen. Für die Akquisitionen gab das Unternehmen nach Angaben von Finanzchef René Aldach 780 Millionen Euro aus. Die Zukäufe hätten bereits 54 Millionen Euro zum Ergebnis beigetragen. Knapp ein Drittel des operativen Gewinns erwirtschaftet der Baustoffkonzern inzwischen in den USA.
Von Achten sieht gute Chancen, das Wachstum in den USA auch durch weitere Zukäufe voranzutreiben. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump verfolgt nach seiner Einschätzung eine Wachstumsagenda, die auch der Bauindustrie nutzt. Allein Apple hatte US-Präsident Donald Trump zu Wochenbeginn versprochen, 500 Milliarden Euro unter anderem für Rechenzentren in den USA zu investieren.
Drohende Zollschranken durch Trump treffen den Zementhersteller nicht, da die Werke wegen der Transportkosten nicht weiter als 500 Kilometer vom jeweiligen Markt entfernt liegen.
Allerdings droht in den USA ein Dämpfer bei den Dekarbonisierungs-Projekten, falls die neue US-Regierung entsprechende Förderungen streicht und generell der CO2-Vermeidung weniger Bedeutung beimisst.
Von Achten will aber am Unternehmensplan festhalten und 1,5 Milliarden Euro in Dekarbonisierungs-Technologie bis 2030 investieren. Rund zehn Projekte treibt das Unternehmen unter Führung der neuen zuständigen Vorständin Katharina Beumelburg voran. Im Juni wird Heidelberg Materials im norwegischen Brevik das weltweit erste CO2-Abscheideprojekt der Zementindustrie eröffnen. Ebenfalls in diesem Jahr soll in Lengfurt die erste Aufbereitung von CO2 für die Getränkeindustrie in Betrieb gehen.
Das besondere Klimaproblem der Zementindustrie
Die Zementindustrie hat im Vergleich zu anderen Industriezweigen nur wenige Möglichkeiten, klimaneutral zu werden. Denn die CO2-Emissionen entstehen nicht etwa bei der Verbrennung von Kohle oder Gas, das man durch klimafreundlichere Alternativen ersetzen könnte: Sie werden durch chemische Prozesse bei der Herstellung von Zement verursacht.
Deshalb ist die Zementindustrie auf das „Carbon Capture and Storage“-Verfahren (CCS) angewiesen, also auf die Abscheidung und Einspeicherung von CO2.
Bislang beschränkt sich das Kohlendioxid-Speicherungsgesetz CCS auf Forschungszwecke. SPD und Grüne wollten das kurz vor der Bundestagswahl noch ändern und ein „Gesetz zur Speicherung und zum Transport von Kohlendioxid“ durch den Bundestag bringen, das CCS im industriellen Maßstab erlaubt. Das Gesetz sah vor, dass die Zement-, Kalk- und Abfallwirtschaft finanzielle Unterstützung erhalten soll, um mittels CCS ihre Emissionen zu reduzieren.
Doch das Gesetz blieb auf der Strecke. Es gab Streit darüber, ob auch Industrien wie die Stahlbranche oder Gaskraftwerke von dem CCS-Gesetz profitieren dürfen, obwohl sie auch Alternativen hätten, um Emissionen zu vermeiden. Der Heidelberg-Chef setzt auf die neue Bundesregierung. „Ich bin optimistisch, dass der nächste Anlauf unter der neuen Regierung in diesem Jahr durchs Parlament geht“, sagte von Achten.