Biotech: Chinas Pharma-Revolution hat begonnen – und schafft neue Abhängigkeit
Suzhou. Shanghai. München. Straßen, Bürohochhäuser, Laborgebäude, Restaurants und Cafés, alles dicht an dicht – der Industriepark „Biobay“ im ostchinesischen Suzhou hat die Ausmaße einer Stadt. Und überdimensioniert sind auch die Ziele: In Suzhou, einer Elf-Millionen-Stadt im Speckgürtel Shanghais, soll die Zukunft der chinesischen Pharmaindustrie gedeihen. Weitere Hubs entstehen in Wuxi, Shanghai selbst oder dem südlich gelegenen Taizhou; Modellstädte einer Pharmarevolution, die Chinas autoritär gelenkter Staatskapitalismus mit Entschlossenheit vorantreibt.
Immer häufiger schließen chinesische Konkurrenten zu europäischen Anbietern auf – sei es bei lukrativen Lizenzabschlüssen, bei der Zahl klinischer Studien oder bei der Entwicklung innovativer Medikamente. Bei gut einem Drittel der Deals in diesem Jahr, die sich große Pharmaunternehmen aus Europa und den USA gesichert haben, sind chinesische Firmen beteiligt. Allein von 2023 bis 2024 stieg der Wert dieser Deals um 66 Prozent auf 41,5 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr 2025 flossen rund 48,5 Milliarden Dollar an Investitionen in Kooperationen mit chinesischen Biotechs, mehr als im gesamten vorherigen Jahr. Schon heute meldet die chinesische Industrie mehr Patente an als die europäische Konkurrenz.