Blutgerinnungshemmer Pradaxa: Boehringers Wundermittel unter Verdacht
Die Staatsanwaltschaft Mainz geht einer Strafanzeige nach, die dem Konzern vorwirft, die europäische Zulassungsbehörde EMA getäuscht zu haben.
Foto: dpaDüsseldorf. Sie sind echte Kassenschlager: Medikamente, die Schlaganfälle verhindern, indem sie die Blutgerinnung hemmen. Seit 2011 haben die beiden deutschen Pharmariesen Boehringer Ingelheim und Bayer, aber auch der US-Konzern Pfizer ihre Mittel Pradaxa, Xarelto und Eliquis auf dem Markt. Boehringer und Bayer setzen damit bereits jeweils mehr als eine Milliarde Euro im Jahr um. Aber jetzt droht großer Ärger rund um die Top-Produkte.
Nach Informationen des Handelsblatts ermittelt neuerdings die Staatsanwaltschaft Mainz im Zusammenhang mit dem Boehringer-Präparat Pradaxa. Grund ist eine Strafanzeige: Sie wirft Verantwortlichen von Boehringer Ingelheim vor, die europäische Zulassungsbehörde EMA sowie Patienten und Ärzte getäuscht zu haben. In mindestens einem Fall soll ein Pradaxa-Patient sogar gestorben sein.
Besonders heikel an dem Vorgang: Die Anzeige stützt sich auf die Studie eines Boehringer-Forschers. Der Amerikaner Paul Reilly war schon im Jahr 2011 zu dem Ergebnis gekommen, dass es bei Pradaxa-Patienten zu gefährlichen Unter- und Überdosierungen kommen könne. Er plädierte für intensive begleitende Untersuchungen: „Ein therapeutisches Monitoring wäre erforderlich, um diese Patienten zu identifizieren.“
Dazu aber kam es nicht. Boehringer wirbt damit, dass Pradaxa-Patienten eben keine teure Arztbegleitung mehr benötigten. Und Reillys Erkenntnisse gingen auch nicht vollständig an die Zulassungsbehörde EMA weiter. Den Verdacht einer Täuschung weist Boehringer indes vehement zurück.
Reillys Analyse sei ja erst 2013 veröffentlicht worden. Das belege, dass „die Arbeit an der Publikation zum Zeitpunkt der EMA-Diskussion noch nicht abgeschlossen“ gewesen sei, so das Unternehmen.
Konzerninterner Mailverkehr zeigt jedoch auch, dass Reillys Untersuchung schon 2011 zu erheblichen Turbulenzen im Unternehmen selbst führte. So schrieb ein medizinischer Teamleiter im Dezember besorgt einer Mitarbeiterin: „Könntest du bitte prüfen mit den Juristen, ob die Möglichkeit von Problemen für Boehringer Ingelheim besteht, wenn das veröffentlicht wird?“
Die EMA selbst äußert sich nicht zu einer möglichen Täuschung. Sie betont, Reillys Untersuchungen würden gegenwärtig überprüft. Auch die Mainzer Staatsanwaltschaft gibt sich bedeckt: „Das Verfahren wird gegen unbekannt geführt“, teilt Behördenleiterin Andrea Keller auf Anfrage mit.
Bei Boehringer betont man, das Mainzer Verfahren gar nicht zu kennen. Man werde aber „mit allen Behörden umfänglich zusammenarbeiten. Dies gilt natürlich auch für Ermittlungsbehörden.“
Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.
Foto: dpaDas Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.
Foto: apTakeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.
Foto: ReutersAllergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.
Foto: APDer größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.
Foto: dpaDie Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.
Foto: ReutersDer New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.
Foto: apDer US-Konzern wurde 1876 vom Offizier und Chemiker Eli Lilly gegründet. Bekanntestes Mittel sind das Antidepressivum Cymbalta und das Potenzmittel Cialis. 2015 lag der Pharma-Umsatz bei 16,8 Milliarden Dollar.
Foto: ReutersDie Israelis sind die Nummer eins der globalen Generikahersteller, also der Produzenten von Nachahmermitteln erfolgreicher Arzneien, deren Patentschutz ausgelaufen ist. Sie kamen im vergangenen Jahr auf 19,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Foto: dpaDer US-Biotechkonzern wurde vor allem durch sein Mittel Epogen bekannt, das gegen Blutarmut eingesetzt wird und als Dopingmittel im Sport traurige Berühmtheit erlangt hat. Umsatz 2015: 21,7 Milliarden Dollar
Foto: apDas Unternehmen wurde im Jahr 2013 vom US-Konzern Abbott abgespalten und will sich mit Großübernahmen stärken. Die Amerikaner kamen 2015 auf einen Pharmaumsatz von 22,9 Milliarden Dollar.
Foto: apVerpackung von Tabletten in einem schwedischen Werk von Astra Zeneca: Eines der bekannten Produkte von Astra Zeneca ist der Cholesterinsenker Crestor. Der Umsatz lag 2015 bei 24,7 Milliarden Dollar.
Foto: dpaDie Briten sind stark im Impfgeschäft und haben Mittel gegen Depressionen und Atemwegserkrankungen im Portfolio. Der Konzern – dessen Sitz in London ist – kam 2017 auf einen Umsatz von etwa 40 Milliarden Dollar.
Foto: dpaDer US-Konzern stellt Medikamente und Medizintechnik her. Bekannter sind aber seine Pflegeprodukte wie die Kindercreme Bebe und OB-Tampons. Der Umsatz lag 2017 bei stolzen 72,5 Milliarden Dollar.
Foto: Picture AllianceDer US-Biotechkonzern beschäftigt etwa 8.000 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Kalifornien. Bekannt wurde es vor allem durch seine „1000-Dollar-Pille“ Sovaldi, ein wirksames, aber sehr teures Mittel gegen Hepatitis C. Umsatz 2017: 28,5 Milliarden Dollar.
(Quelle: Unternehmensangaben; Financial Times; Thomson Reuters)
Foto: dapdDie Franzosen haben eine starke Basis in Deutschland und kommen auf einen Pharmaumsatz von 43,3 Milliarden Dollar. Die wichtigsten Medikamente sind das Diabetesmittel Lantus und das Herz-Kreislaufmittel Plavix. Bekannter dürfte das Schlafmittel Stilnox sein.
Foto: ReutersEbenfalls auf dem achten Platz finden sich die Amerikaner ein, die stark im Impfgeschäft und in der Frauengesundheit sind. Zusätzlich vermarkten sie auch Medikamente für Tiere. Pharmaumsatz 2017: 40 Milliarden Dollar.
Foto: apNoch etwas mehr Umsatz konnte Roche generieren. Dieser lag bei 53,9 Milliarden Dollar. Der Abstand zu dem Unternehmen an der Spitze ist allerdings beträchtlich. In der Öffentlichkeit ist der Konzern aus der Schweiz durch das Grippemittel Tamiflu bekannt.
Foto: ReutersDie Schweizer sind seit dem Jahr 2014 von dem ersten Platz auf den vierten Platz abgerutscht. Rund 49,2 Milliarden Dollar konnten sie im Jahr 2017 umsetzen. Novartis ist stark bei Krebsmitteln. Bekannte Marken sind das Schmerzmittel Voltaren und das Leukämiemittel Glivec.
Foto: apDer Konzern hat es durch das Potenzmittel Viagra zu Weltruhm gebracht. Es macht aber nur noch einen kleinen Teil des Umsatzes von 52,4 Milliarden Dollar aus, welcher für einen Platz auf dem Treppchen reicht.
Foto: apDer Vorgang dürfte indes das gesamte Blutdruckhemmer-Trio schwer beunruhigen. Vor allem in den USA werden die drei Pharmariesen bereits wegen angeblich durch ihre Arzneien verursachter Todesfälle und schwerer Blutungen verklagt. Allein gegen Bayer laufen 1 200 Verfahren. Sollte Boehringer nun deshalb auch in Deutschland Probleme bekommen, weil eben doch regelmäßige ärztliche Kontrollen bei der Einnahme der Pillen notwendig sind, könnte sich das zusätzlich negativ auf Xarelto und Eliquis auswirken.
Sowohl Bayer als auch Pfizer betonen allerdings, dass ihre Arzneien über andere Wirkmechanismen verfügen. „Eine Übertragung der Ergebnisse der Reilly-Studie ist daher nicht zulässig“, heißt es bei Bayer. Bei den Managern rund um Konzernchef Marijn Dekkers dürfte der Blutdruck dennoch ansteigen.
Es ist Anfang November 2014, und bei mediakademie.de, einem Onlineportal für Ärztefortbildung, geht es um ein eigentlich ernstes Thema: die Schlaganfall-Prävention. Der Moderator hat gerade die Frage reinbekommen, ob die neuen Blutgerinnungshemmer „wirklich leichter zu handeln“ seien. „Leichter geht’s nicht“, versichert ein Professor und erklärt: „Morgens eine Pille, abends eine Pille, Nierenfunktion überprüfen.“ Vor einer Operation das Medikament rechtzeitig absetzen, „einen Tag nach einem Eingriff wieder ansetzen“. Mehr brauche es nicht. „Also das An- und Ausschalten sozusagen der Gerinnung.“
Damit Zuschauer und -hörer auch gleich wissen, womit das alles gelingt, lässt der Mann zwischendurch immer wieder den Namen des Wirkstoffs Dabigatran fallen. Der ist Kern des Blutgerinnungshemmers Pradaxa, Top-Umsatzbringer des Mainzer Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. Praktischerweise betreibt das Unternehmen auch mediakademie.de.
Keine regelmäßige Bluttests notwendig?
Foto: picture alliance/dpaDas Beispiel zeigt, wie wohl orchestriert Boehringer Ingelheim seine neue Pille Pradaxa unters Volk bringt. Gerinnungshemmung leicht gemacht, ohne die bis dahin üblichen, leidigen regelmäßigen Bluttests – diese Botschaft wird gern auch über die Ärzteschaft in die Welt getragen. Und Boehringer ist mit seiner Mission nicht allein: Die Pharmariesen Bayer und Pfizer werben auf ganz ähnliche Art für ihre Toparzneien Xarelto und Eliquis. Die drei Medikamente werden stets in einem Atemzug genannt. Es sind die sogenannten neuen oralen Antikoagulanzien, kurz NOAK. Vor allem sind es wahre Verkaufsschlager geworden auf dem ebenso boomenden wie hart umkämpften Pharma-Markt.
Doch der Erfolg der drei Arzneien hat keineswegs nur rein medizinische Gründe. Ihr Aufstieg beruht nicht nur auf einer zumindest grenzwertig anmutenden PR-Kampagne. Im Fall von Pradaxa geht es jetzt auch um eine mögliche Täuschung der Zulassungsbehörden. In Mainz ist mittlerweile die Staatsanwaltschaft aktiv geworden. Die Ankläger gehen einer Strafanzeige nach, die Boehringer Ingelheim vorwirft, die europäische Zulassungsbehörde EMA getäuscht zu haben und damit womöglich sogar verantwortlich zu sein für Gesundheitsschäden und Todesfälle.
Wenig Neues bei der Forschung
In den USA haben alle drei Konzerne bereits mit etlichen ähnlichen Klagen zu tun. Nun erreicht die Debatte auch den Heimatmarkt von Boehringer. Träfen die Vorwürfe zu, könnte dies das Milliardengeschäft mit der Schlaganfall-Prävention vor echte Probleme stellen. Die Geschichte vom rasanten Aufstieg der neuen Arzneien beginnt 2008 in den Laboren des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. Die Forscher arbeiten damals mit Hochdruck an einem neuen Mittel, das Großes verspricht. Sein Name: Pradaxa. Ursprünglich sollte der darin enthaltene Wirkstoff Beinthrombosen nach Gelenkersatzoperationen verhindern. Eine eher kleine Nische. Die Hoffnung der Wissenschaftler ist aber, dass das Präparat auch zur Vermeidung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern einsetzbar ist, einer häufigen Art von Herzrhythmusstörung.
Schwere Vorwurfe gegen die Verantwortlichen bei Boehringer Ingelheim – in mindestens einem Fall soll ein Pradaxa-Patient gestorben sein.
Foto: dpaGerade die Schlaganfall-Prävention gilt als besonders gewinnbringendes Geschäft. Allein in Deutschland wurden 2014 über 5,5 Millionen Packungen von Schlaganfall-Arzneien abgesetzt. Der Hintergrund: Die Bevölkerung in den Industrienationen wird immer älter, falsche Ernährung begünstigt Fettleibigkeit und Diabetes – jährlich erleiden allein hierzulande 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Ein Markt der Zukunft, zumal nur wenige wirksame Medikamente existieren – und die schon seit 50 Jahren.
Hierzulande ist es das seit 1968 zugelassene Marcumar mit dem Wirkstoff Phenprocoumon. In den USA wird meist der wirkungsgleiche Stoff Warfarin eingesetzt, der etwa im Medikament Coumarin enthalten ist. Doch 2008 ist deren Patentschutz längst ausgelaufen, die Hersteller Meda und Bristol-Myers Squibb scheinen nicht mehr allzu viel Geld in die Vermarktung zu stecken. Man braucht etwas Neues, Besseres, Erfolgreicheres. In diese Lücke will auch Boehringer vorstoßen. Pradaxa soll der große Coup der Mainzer werden: das erste Mittel seit 50 Jahren, das im Bereich Schlaganfall-Prävention zugelassen wird.
Gewinnbringer unter den Arzneimitteln
Tatsächlich wird dessen Entwicklung ebenso wie die von Xarelto und Eliquis zu einer Erfolgsstory. Pradaxa erreicht Anfang 2012, nur wenige Monate nach der Zulassung in Europa, bereits „Blockbuster“-Status. Den erhalten Arzneien, die weltweit einen Umsatz von über einer Milliarde Euro generieren. Xarelto ist seit 2014 mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro Verkaufsschlager Nummer eins von Bayer. Eliquis wird eine ebenso große Zukunft bei Pfizer vorausgesagt. Doch was können die Präparate wirklich? Und was nicht?
Generell ist die Gerinnungshemmung ein riskantes Unterfangen. Ist die Wirkung im Körper zu gering, können sich Blutgerinsel bilden. Ist sie zu stark, können Blutungen im Körper nur schwer gestoppt werden. Schon Marcumar und Coumarin waren keine harmlosen Mittel. Da sie auf Vitamin K reagieren, können schon Ernährungsänderungen die Konzentration im Blut beeinflussen. Patienten müssen deshalb regelmäßig zur Kontrolle einen Arzt aufsuchen. Marcumar und Coumarin sind allerdings schon lange im Einsatz, die Mediziner kennen sich damit aus. Die Pillen haben sich bewährt.
Außerdem streiten Wissenschaftler bis heute darüber, ob Pradaxa, Xarelto und Eliquis hinsichtlich der unerwünschten Nebeneffekte wirklich bedeutend besser abschneiden als die beiden Klassiker. Schon im Jahr 2014 bilanzierte die Kassenärztliche Vereinigung Bayern nüchtern: „In den Zulassungsstudien wurden – wenn überhaupt – minimale absolute Vorteile in Bezug auf den primären Endpunkt gesehen.“ Boehringer Ingelheim, Bayer und Pfizer sehen das natürlich anders: Eliquis zum Beispiel könne bei Patienten mit Vorhofflimmern die Zahl der Schlaganfälle und systemischen Embolien „signifikant“ senken, versichert Pfizer. Dies gelte auch für die Rate an schweren Blutungen und die Zahl der Todesfälle. Bei Bayer und Boehringer heißt es, bei Hirnblutungen und Blutungen mit Todesfolge schnitten Xarelto und Pradaxa besser ab als etwa Warafin. Boehringer führt zudem eine neue Studie der US-Zulassungsbehörde FDA mit 134.000 Patienten an, die die Daten der eigenen Zulassungsstudie bestätigt habe.
Wie lässt sich die Blutgerinnung steuern?
Foto: PRDie pharmazeutische Wirkung ist aber nur eine Seite der Medaille. Boehringer setzt offenbar schon früh auf ein weiteres Argument, das Pradaxa unterstützen soll: Mit dem Mittel brauche es keine regelmäßigen Kontrollen mehr. Während etwa Marcumar-Patienten immer wieder zum Arztcheck müssen, sollen Pradaxa-Patienten davon künftig befreit sein. Das Thema scheint so wichtig, dass im Konzern Überlegungen zu einem begleitenden Bluttest offenbar schon im Jahr 2008 ad acta gelegt werden. So heißt es im Juni 2010 in einer von zahlreichen firmeninternen E-Mails, über die erstmals das renommierte „British Medical Journal“ (BMJ) berichtet hatte: „Vor zwei Jahren gab es die Entscheidung, so etwas nicht zu entwickeln. Weil dies nicht zu der ,No monitoring’-Idee passe.“ Autor war ein Boehringer-Mitarbeiter der kardiologischen Abteilung.
Das Unternehmen widerspricht dieser Aussage. Da es von Fachfirmen hergestellte Tests gebe sowie andere Unternehmen aktuell daran arbeiteten, sehe man „keinen Grund, dass Boehringer Ingelheim selbst versucht, einen Test herzustellen“. Fest steht jedenfalls: Keiner der drei Hersteller entwickelt in der Folgezeit einen eigenen Bluttest. Und die Idee des „no monitoring“ wird das wichtigste Verkaufsargument für alle drei neuen Blutgerinnungshemmer. Im August 2011 wird Pradaxa in Europa zugelassen. Xarelto folgt nur wenige Monate später, Eliquis im November 2012. Und der Verkaufserfolg der Medikamente ist überwältigend. Auch die Patienten verlangen danach, weil die Pillen ihnen ja die lästigen Arztbesuche zu ersparen versprechen.
Marcumar verliert angesichts der neuen Konkurrenz schnell seine Spitzenposition. Zwar führt es 2012 mit 75,9 Prozent noch das Absatzranking an. Xarelto aber ist bereits Umsatzsieger. Doch Fachleute sparen zugleich nicht mit Kritik: „Die NOAK haben in den meisten Fällen keine Vorteile für die Patienten, trotzdem wurden 2014 fast doppelt so viele Tagesdosen verschrieben wie im Vorjahr“, wundert sich etwa Tim Steimle, Leiter des Fachbereichs Arzneimittel der Techniker Krankenkasse, im Frühjahr dieses Jahres. Auch bei der Barmer sieht man die medizinische Notwendigkeit kritisch: „Ein so breiter Einsatz dient sicherlich vorrangig dem Umsatz der Pharmaindustrie und nicht der Gesundheit der Versicherten“, heißt es im Arzneimittelreport 2014 der Kasse.
Harte Konkurrenz sorgt für Druck
Der Erfolg ist auch großem Werbedruck geschuldet, den die Konzerne aufbauen: Im Jahr 2014 schafft es Xarelto in den USA auf Platz 16 der am stärksten beworbenen Medikamente – mit über 81 Millionen Euro. Auch in Deutschland wird viel Geld zur „Landschaftspflege“ eingesetzt: bei Ärzten, Patienten, Politikern. Das jüngste Beispiel: Im September erst sponserten unter anderem Bayer, Boehringer und Pfizer einen großen Neurologenkongress in Düsseldorf mit insgesamt 380.000 Euro. Ein Thema auch dort: „Neue therapeutische Ansätze in der Schlaganfallforschung“. Als Chairman konnte man Matthias Endres gewinnen, bekannter Neurologe von der Berliner Charité.
Bayer ist außerdem bei der Veranstaltung „Rote Karte dem Schlaganfall“ aktiv – gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule. Auch dort wird 2015 die Botschaft unters Volk gebracht: Das Leben wird wieder lebenswert – ohne regelmäßige Bluttests. Experte vor Ort in diesem Fall: Joachim Röther von der Asklepios-Klinik in Hamburg- Altona, zugleich Sprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Was Patienten nicht erfahren: Die beiden Mediziner, die da so engagiert unterwegs sind, gehören auch einer Gruppe von Ärzten an, die schon 2013 an einer der wichtigsten medizinischen Leitlinien zum Thema Schlaganfall arbeitete. Am Ende empfahl sie Ärzten und Patienten, von Marcumar auf die neuen Pillen umzusteigen. 16 der beteiligten 23 Mediziner haben Berater- oder Gutachterverträge mit Bayer, Boehringer oder Pfizer. Röther und Endres kassieren der Einfachheit halber gleich von allen drei Unternehmen Geld.
Wie viel, wollen sie nicht verraten. Beide halten sich trotzdem weiterhin für unabhängige Experten. Von derartigen Interessenkonflikten erfährt die breite Öffentlichkeit ebenso wenig wie von der Tatsache, dass es zugleich auf Fortbildungsveranstaltungen immer wieder Versuche gibt, die neuen Gerinnungshemmer zu vermarkten. So bietet Pfizer eine ärztliche Fortbildung mit dem neutralen Titel „Herzensangelegenheit Schlaganfallprävention“ an, die intern ungeniert unter „Eliquis-Cardio-Campus“ firmiert. Und Boehringer bringt sein Pradaxa gern auch per Online-„Weiterbildung“ unters Volk.
Die Reilly-Untersuchung wirft einige Fragen auf.
Foto: dpaUnd immer wieder soll die wichtigste Botschaft sein: Mit unseren Präparaten werden die einst notwendigen regelmäßigen Arztbesuche rund um die Einnahme der Präparate obsolet. Marketingexperten von Bayer haben das 2014 in einem internen Konzept festgehalten: Hochrangige Experten müssten Patienten, Ärzten und Kliniken, aber auch Politikern stets die Geschichte vom befreiten Patienten erzählen. Der wolle „Zeit zurückbekommen, Einfachheit … und Freiheit“. Wie Xarelto dem Blut helfe, „weiter zu zirkulieren“, so helfe es dem Patienten, „weiter im Leben zu zirkulieren“. Das scheint nicht nur sprachlich-stilistisch weit hergeholt, auch wenn die Hersteller ihren Einsatz verteidigen: Alle betonen, dass es stets nur um die Vermittlung notwendiger Informationen gehe. Ihre PR-Aktivitäten bewegten sich „im Rahmen aller gesetzlichen und regulatorischen Vorschriften“.
Doch das müssen am Ende andere beurteilen. Seit Januar 2011 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Aufgabe, bei allen Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen eine Zusatznutzen-Bewertung durchzuführen. Danach wird entschieden, wie viel die gesetzlichen Krankenkassen für das Präparat zahlen. Umso wichtiger ist es für Boehringer, Bayer und Pfizer, dass das Argument der unnötigen Blutkontrolle verbreitet und anerkannt wird. Nur wenn die G-BA das ähnlich sieht, steigen auch die Kassen ein. Und nur dann wiederum winkt das ganz große Geld. Nach dem jüngsten Barmer Arzneimittelreport von 2014 zahlen die gesetzlichen Kassen in Deutschland heute für die neuen Blutgerinnungshemmer satte 1000 Euro mehr pro Patient und Jahr als für Marcumar.
Im Jahr 2008 gaben die gesetzlichen Krankenkassen für Pradaxa, Xarelto und die älteren Mittel nur 68,5 Millionen Euro aus. 2014 waren es dann schon 675,4 Millionen Euro. Bei den Privatversicherern rangierte Xarelto schon 2013 auf Platz zwei derjenigen Medikamente, für die am meisten ausgegeben wird.
Aber ob die Medikamente diese Unsummen überhaupt wert sind, interessiert mittlerweile nicht nur den Bundesausschuss. Im Fall von Pradaxa hat sich nun eben auch die Staatsanwaltschaft Mainz eingeschaltet. Vor wenigen Wochen ging dort eine Strafanzeige ein, in der sich der Vorwurf findet, Pradaxa-Patienten könnten ohne die begleitenden Bluttests durch Ärzte womöglich gar nicht sicher sein. In der Anzeige wird zudem behauptet, dass Boehringer interne Erkenntnisse dazu der europäischen Zulassungsbehörde EMA verschwiegen hat.
Probleme zugegeben
Die Leiterin der Staatsanwaltschaft betont zwar, dass man derzeit noch nicht sagen kann, ob an den Vorwürfen „etwas dran“ sei. Klar ist aber: Schon wenige Monate nach der Zulassung von Pradaxa in Europa, im Oktober 2011, musste Boehringer erstmals Schwierigkeiten mit seiner Arznei einräumen – und einen sogenannten „Rote-Hand-Brief“ an Ärzte und Apotheker verschicken. In dieser Mitteilung, der höchsten Alarmstufe für Arzneien, warnt das Unternehmen plötzlich vor tödlichen Blutungen bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen. „Vor einer Behandlung mit Pradaxa sollte bei allen Patienten die Nierenfunktion überprüft werden“, so die dringende Empfehlung. Tatsächlich zeigt sich in Deutschland nach der Zulassung der neuen Präparate ein auffälliger Anstieg von Verdachtsmeldungen über Gesundheitsschäden und Todesfälle, seit das Einsatzgebiet der Medikamente vergrößert wurde.
So liegt die Gesamtzahl der Meldungen bei Bayers Xarelto im Jahr 2010 noch bei 138 Fällen, 2014 sind es schon 1996 Meldungen. Die Zahl der Todesfälle geht im selben Zeitraum von fünf auf 161 nach oben, bei Pradaxa von drei auf 56. Bei Eliquis wird 2011 nur ein Fall gemeldet, 2014 sind es 27. Die Hersteller argumentieren, dass die Zahlen „aufgrund von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise veränderliche Verordnungszahlen keine direkten Rückschlüsse auf die relative Sicherheit“ erlaubten. Die Anzahl spontan gemeldeter Verdachtsfälle werde zudem durch die Zeitdauer seit Markteinführung sowie Vertrautheit der Ärzte mit dem Präparat beeinflusst.
Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte betont, dass diese Zahlen „keinen sicheren Aufschluss darüber geben, ob zum Beispiel die Todesfälle kausal durch die Anwendung des Arzneimittels verursacht worden sind“. Gleichwohl ist die europäische Zulassungsbehörde EMA schon 2011 so alarmiert, dass sie Boehringer Fragen stellt. Eine davon: Was ist mit einer Routinekontrolle von Patienten? Das Unternehmen reagiert, indem es der Behörde im März 2012 eine Präsentation vorlegt, die dem Handelsblatt heute ebenso vorliegt wie das dazu gehörende Sitzungsprotokoll.
Wissenschaftler warnten früh
Es sind brisante Unterlagen: Denn sie gehören heute zu jenen Papieren, auf die sich die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Mainz stützt. Sie provozieren die Frage: Hat Boehringer der EMA damals Zahlen zu möglichen Unter- und Überdosierungen seines Medikaments vorenthalten, um das Argument aufrechterhalten zu können, dass man mit dem Präparat keine begleitenden Arztbesuche mehr braucht? Tatsächlich geht aus einem EMA-Dokument vom Juni 2011 hervor, also kurz vor der Zulassung von Pradaxa, dass die europäische Zulassungsbehörde die „ungefährliche“ Konzentration der Arznei im Blut eines Patienten zwischen 48 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) und 200 ng/ml ansiedelt. In seiner Präsentation im März 2012 führt Boehringer aus, dass sich die gemessenen Blutspiegel-Konzentrationen von Pradaxa in der vorgelegten Zulassungsstudie auch in diesem Bereich bewegen.
Im Mittel bei 91 ng/ml, der Minimalwert bei 61 ng/ml und der Maximalwert bei 143 ng/ml. Kurz gesagt: Hinweise auf eine Unter- oder Überdosierung hat Boehringer angeblich nicht. Fazit des Konzerns gegenüber der EMA: „Eine Routinekontrolle“ der Wirkung von Pradaxa im Blut „ist nicht nötig“. Die EMA entscheidet daraufhin, keine Empfehlung zur Routinekontrolle in die Fachinformationen aufzunehmen. Womöglich eine Fehlentscheidung, denn die internen Erkenntnisse eines wichtigen Boehringer-Mitarbeiters zeichnen ein anderes Bild.
Der US-Wissenschaftler Paul Reilly hat schon Mitte 2011 eine Untergruppen-Analyse der Pradaxa-Zulassungsstudie RE-LY erstellt. Und die konnte Boehringer gar nicht gefallen. Je nach Pradaxa-Dosis können danach die Werte der Blutspiegelkonzentration um über das Fünffache variieren. Ausweislich einer Grafik können sie im Minimalfall bei 1,07 beziehungsweise 2,3 ng/ml liegen, die Maximalwerte lagen bei 745 beziehungsweise 1000 ng/ml.
Reillys Schlussfolgerung: Patienten mit einer Konzentration von 35 ng/ml und weniger sowie jene mit einer Konzentration über 250 ng/ml seien einem hohen Schlaganfall- beziehungsweise Blutungsrisiko ausgesetzt. Sein Fazit: „Ein therapeutisches Monitoring wäre erforderlich, um diese Patienten zu identifizieren.
Wie alarmiert die Entscheider bei Boehringer selbst auf diese Entdeckung reagierten, zeigen zahlreiche interne E-Mails. So schreibt etwa ein medizinischer Teamleiter Ende 2011 besorgt, dass ihn diese Information geradezu „phobisch“ mache. Und später: „Die Welt schreit nach dieser Information. Aber der heikle Part ist, dass wir die Botschaft geschickt zuschneiden müssen.“ Die Angststarre im Konzern dauert offenbar so lange, dass 2013 eine genervte Produktmanagerin anfragt, wie man nun vorzugehen gedenke.
„Das wird die Verteidigung des Nicht-Kontrollierens extrem schwierig machen“, warnt die Mitarbeiterin. Der Konzern müsse prüfen, „ob das wirklich gewünscht ist“. Hat Boehringer die gewichtigen Erkenntnisse von Reilly, die dann erst Ende 2013 im „Journal of the American College of Cardiology“ landen, gegenüber der EMA bewusst unterdrückt? Interessanterweise fehlt in der Publikation 2013 die Empfehlung, Patienten regelmäßig zu testen. Jetzt heißt es dort: Je nach „Patienten-Charakteristik“ könne eine Dosisanpassung von Vorteil sein.
Der Mainzer Konzern rund um den von Andreas Barner angeführten Vorstand weist den Vorwurf der Täuschung „entschieden zurück“. Die erst 2013 erfolgte Veröffentlichung von Reillys Analyse zeige, dass „die Arbeit an der Publikation zum Zeitpunkt der EMA-Diskussion noch nicht abgeschlossen“ gewesen sei. Die Untergruppenanalyse, so Boehringer, habe man den Zulassungsbehörden für Europa wie die USA bereits im Rahmen der Prüfung zur Verfügung gestellt – „die Übermittlung der zugrunde liegenden Daten fand somit bereits 2010/2011 statt“.
Außerdem habe die EMA nur Daten eines bestimmten Segments angefordert, so der Konzern. Fest steht damit aber auch: Reillys Auswertung der Studiendaten im Jahr 2011 wurde der EMA zumindest nicht vollständig mitgeteilt. Und: Wenn Reillys Analyse 2011 noch nicht abgeschlossen war – warum reagierten die Mitarbeiter dann intern so alarmiert auf die Resultate des eigenen Kollegen?
Die EMA äußert sich nicht zu dem Vorgang im März 2012, betont aber, Reillys Untersuchungen würden gegenwärtig überprüft. Nach den „vorläufigen“ Erkenntnissen sehe man jedoch keinen Grund für „eilige regulatorische Maßnahmen“. Boehringer nennt die aufgeregten E-Mails „kleine Fragmente“ einer größeren Diskussion. Danach befragt, warum in der 2013 erfolgten Reilly-Publikation plötzlich von regelmäßigen Bluttests abgerückt wurde, betont ein Boehringer-Wissenschaftler, man sei davon ausgegangen, dass die Plasma-Konzentration nicht das entscheidende Kriterium für die Frage des Monitorings sein könne. Man habe sich Reillys Daten deshalb noch einmal angeschaut. Wer aber ordnete das an? Darauf gibt der Konzern bis heute keine Antwort.
Die Reilly-Untersuchung wirft aber noch eine andere Frage auf: Hat seine Analyse auch Auswirkungen auf die beiden anderen Produkte auf dem Markt der Blutgerinnungshemmer, die Medikamente von Bayer und Pfizer? Sprechen die von Reilly festgestellten Schwankungen damit womöglich für regelmäßige Kontrollen bei allen drei Medikamenten – und gegen den so lange propagierten Zusatznutzen? Im Nachgang zu seiner Veröffentlichung schreibt Reilly 2014 in einem Fachmagazin: „Es ist wahrscheinlich, dass andere Gerinnungshemmer ebenfalls Schwankungen in der Blutkonzentration aufweisen.“ Ein Gespräch mit dem Forscher kommt bis Redaktionsschluss nicht zustande.
Bayers Reaktion auf all die Fragen zeigt indes, wie heikel das Thema offenbar in der Branche gesehen wird. So gibt ein Mediziner des Konzerns zunächst zu, dass bei Xarelto ebenfalls deutlich abweichende Minimal- und Maximalwerte bei der Blutspiegelkonzentration festgestellt worden seien. Er nennt Zahlen zwischen 30 ng/ml und 800 ng/ml. Bei weiterer Nachfrage heißt es später, es habe ein „Irrtum“ vorgelegen. Xarelto habe „in fester Dosierung in der jeweiligen Indikation, unabhängig von der Blutspiegelkonzentration eine vorhersagbare Wirkung, so dass kein routinemäßiges Gerinnungsmonitoring erforderlich ist“, schreibt Bayer.
Die Studiendaten zeigten, so der Konzern, dass die Wirkung von Xarelto bei Patienten unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Gewichts „konsistent“ sei. Das Unternehmen betont zudem, dass Xarelto mit dem Boehringer-Hit Pradaxa nicht vergleichbar sei. Die Arzneien verfügten über unterschiedliche Wirkmechanismen. „Eine Übertragung der Ergebnisse“ sei „daher nicht zulässig“. Auch Pfizer sieht keinen Grund, zumindest jetzt auf ein regelmäßiges Monitoring umzustellen. „Es liegen keine Daten vor, die darauf hindeuten, dass ein routinemäßiges Monitoring sich auf das klinische Ergebnis“ auswirke, so der Konzern.
Für Tausende von Klägern in den USA, aber auch in Kanada dürften die Vorgänge um die neuen Pillen, insbesondere die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Mainz, dagegen spannend werden. Im Ausland laufen gegen alle drei Hersteller mittlerweile Verfahren wegen angeblich durch ihre Arzneien verursachte Todesfälle und schwere Blutungen. Die Strafanzeige in Mainz führt nun die Fälle von zwei geschädigten Patientinnen an, von denen eine an den Folgen der Pradaxa-Überdosierung gestorben sein soll.
In den USA haben die Kläger bereits eine Armada von Anwälten in Stellung gebracht. Das beklagte Konzern-Trio weist auch diese Vorwürfe zurück und betont, sich mit „guten Argumenten“ zur Wehr setzen zu können.
Ob die Geschichte der drei Pharma-Blockbuster also neu geschrieben werden muss, muss sich erst zeigen. Boehringer immerhin empfiehlt, folgenden Hinweis nicht zu unterschlagen: „Da sich möglicherweise auch Patienten mit gerinnungshemmender Therapie unter Ihren Lesern befinden“, so der Konzern fürsorglich, bitte man, nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass sie „ihre Medikamente keinesfalls ohne vorherige Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen sollten“.