Brenntag: Wie aktivistische Investoren den Dax-Konzern kapern wollen
Dem Dax-Konzern droht eine Führungskrise.
Foto: IMAGO/imagebrokerDüsseldorf. Bei der Hauptversammlung des Dax-Konzerns Brenntag am kommenden Donnerstag wird es zu einer Kampfabstimmung um den neuen Aufsichtsrat kommen. Eine Einigung zwischen dem aktivistischen Fonds Primestone und dem Management des Chemikalienhändlers über die Wahl ist praktisch ausgeschlossen, heißt es in Unternehmens- und Finanzkreisen.
Der britische Fonds hat zwei eigene Kandidaten nominiert, die gegen die beiden von Brenntag vorgeschlagenen Kontrolleure antreten. Mit dem Vorstoß will Primestone über einen neu zusammengesetzten Aufsichtsrat den Druck zu einer Aufspaltung des Essener Konzerns erhöhen. Beide Seiten liefern sich in dieser Frage seit Monaten eine harte Auseinandersetzung.
Die Entscheidung könnte nicht nur Brenntag selbst aufwirbeln und in eine Führungskrise stürzen. Experten erwarten von dem Fall weitreichende Folgen für börsennotierte Konzerne, die bisher das Auftreten aktivistischer Investoren unterschätzen. Denn Primestone hat trotz des geringen Anteils von zwei Prozent an Brenntag gute Chancen, sich auf der Hauptversammlung durchzusetzen.
Das liegt an einer Konstellation, wie es sie in der Historie von Dax-Firmen noch nicht gegeben hat: Die beiden führenden und einflussreichen US-Aktionärsberater ISS und Glass Lewis empfehlen die Wahl der beiden Gegenkandidaten und lehnen so die Vorschläge des Konzerns für die Wahl komplett ab. Sie stellen sich damit faktisch auf die Seite von Primestone. Nach der Empfehlung der US-Stimmrechtsberater richten sich sehr viele angelsächsische Fonds.