Chemie: Covestro-Chef sieht Branche und Wirtschaft in tiefer Krise
Düsseldorf. Die deutsche Industrie sieht sich vor weiteren schwierigen Monaten mit schwacher Nachfrage. Darauf deuten aktuelle Einschätzungen führender Chemiemanager hin. „Es wäre schon ein Erfolg, wenn es der Wirtschaft nicht noch schlechter gehen würde. Aber das ist leider nicht der Fall. Die Lage wird schlimmer“, sagte Markus Steilemann, Vorstandschef des Kunststoffherstellers Covestro, dem Handelsblatt.
Steilemann sieht keine Impulse, die der Industrie in den kommenden Monaten zu Wachstum verhelfen könnten. „Die Stimmung bei den Verbrauchern ist nicht gut, auch, weil viele den Inflationsschub finanziell nur schwer verkraften können“, sagte er. Zugleich sei die Investitionstätigkeit der Unternehmen schwach – bis auf den Verteidigungsbereich. „Rüstung allein ist aber zu klein, um einen grundlegenden Konjunkturschub herbeizuführen.“
Der Covestro-Chef ist nicht der einzige Topmanager aus der Chemie, der von schwierigen Monaten für die Wirtschaft ausgeht. Weil die Branche nahezu alle Zweige der verarbeitenden Industrie beliefert, gilt sie als guter Gradmesser für die Konjunktur.
Der BASF-Vorstandsvorsitzende Markus Kamieth hatte am Mittwoch seine Zweifel an einer zügigen Erholung unterstrichen. „Ein großer Teil der wirtschaftlichen Schwäche in der Welt liegt an der fehlenden Vorhersehbarkeit und Planungssicherheit für die Unternehmen“, sagte der Chef des weltgrößten Chemieherstellers.