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Chemie- und Pharmakonzern Spekulationen über Glyphosat-Vergleich befeuern Bayer-Aktienkurs

Konzern und Klägeranwälte diskutieren Insidern zufolge über einen Vergleich in Höhe von zehn Milliarden Dollar. An der Börse kommen die Neuigkeiten gut an.
24.01.2020 - 03:58 Uhr Kommentieren
Viele Investoren plädieren für einen Vergleich, um die Glyphosat-Klagen beizulegen. Quelle: AP
Bayer-Werk in Leverkusen

Viele Investoren plädieren für einen Vergleich, um die Glyphosat-Klagen beizulegen.

(Foto: AP)

New York Kurz vor dem neuen Prozessauftakt in Kalifornien halten Spekulationen über eine baldige Einigung bei den Glyphosat-Klagen die Bayer-Aktionäre in Atem. Der Chemie- und Pharmakonzern könnte den Streit um angebliche Krebsgefahren des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup möglicherweise für zehn Milliarden US-Dollar beilegen.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte Bayer acht Milliarden für die aktuellen Klagen zahlen und weitere zwei Milliarden für zukünftige Klagen beiseitelegen. Der Aktienkurs von Bayer reagierte nachbörslich mit einem Plus von fast fünf Prozent.

Bayer sieht sich nach der 60 Milliarden Dollar schweren Monsanto-Übernahme aus dem Jahr 2018 mit mehr als 42.000 Klagen konfrontiert. Nach drei schweren Niederlagen vor Jury-Gerichten hat ein Gericht den erfahrenen Anwalt Kenneth Feinberg als Schlichter eingesetzt. Der verhandelt derzeit zwischen Bayer und den Klägeranwälten über einen Vergleich.

Die neuen Nachrichten kommen nur einen Tag vor einem neuen Prozessauftakt in den USA. Während in den vergangenen Monaten gleich mehrere Prozesse aufgeschoben worden waren, um die Vergleichsverhandlungen zu erleichtern, haben seit dem vergangenen Freitag bereits zwei neue Prozesse ihren Lauf genommen. Am Freitag könnte der dritte Prozess beginnen, wenn beide Seiten nicht doch noch im letzten Moment einlenken.

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    „Prozesse helfen, einen möglichen Vergleich zu beschleunigen“, erklärt Elizabeth Chamblee Burch, Jura-Professorin an der University of Georgia. Sie ist auf Massen-Schadensersatzklagen spezialisiert.

    In allen drei neuen Prozessen – zwei in Kalifornien, einer in St. Louis in Missouri, wo Monsanto seinen Sitz hat – vertritt die für Schadensersatzklagen bekannte Miller-Kanzlei die Kläger. Miller verhandelt auch mit Feinberg über einen Vergleich für seine Mandanten. Dennoch hat er sich gleich in drei Fällen entschieden, lieber zu klagen, als eine Einigung abzuwarten.

    Vergangene Woche hatte der Namensgeber der Kanzlei, Michael Miller, gegenüber dem Handelsblatt klargestellt: „Die Miller-Kanzlei wird einem Vergleich zustimmen, wenn Bayer ein faires Vergleichsangebot macht.“ Bis dahin werde sie „weitere Multi-Millionen-Urteile gegen Monsanto“ erwirken, prophezeite er.

    „Erinnern Sie sich daran, dass Bayer vor dem Johnson-Prozess unser Angebot, uns bei sechs Millionen zu einigen, abgelehnt hat, nur um mit 86 Millionen und einem erheblichen Verlust der Marktkapitalisierung zu verlieren. Ich verstehe nicht, warum Bayer kein faires Angebot macht“, sagte Miller.

    Eine Anfrage zu einer neuen Stellungnahme blieb am Donnerstag ohne Antwort. Theoretisch könnte Miller sich auch in letzter Minute mit dem Gericht auf einen Aufschub einigen.

    Bayer will bis April über weiteren Verlauf entscheiden

    Bei Bayer will man spätestens bis zur Hauptversammlung im April eine Entscheidung haben, ob ein Vergleich möglich ist oder ob man weiter prozessiert. Die meisten Investoren sprechen sich für einen Vergleich aus, damit die Unsicherheit endlich aus dem Markt ist, und das Unternehmen wieder nach vorne blicken kann.

    Jura-Professorin Chamblee Burch weist auf die Risiken neuer Prozesse hin, sollte Bayer diese verlieren – auch in Hinblick auf die negativen Schlagzeilen: „Ein Vergleich wird vielleicht ein paar Nachrichten in den Medien wert sein. Ein milliardenschweres Jury-Urteil dagegen schafft es auf die erste Seite und könnte damit noch mehr Menschen ermuntern zu klagen“, erklärt sie.

    Der Mediator Kenn Feinberg hatte vergangene Woche gegenüber dem Handelsblatt gesagt, dass er „verhalten optimistisch sei“, wollte sich aber zu diskutierten Zahlen nicht äußern. Er sprach von einem „Puzzle, dessen Teile langsam zusammenkommen“.

    Bei Bayer will man sich zu den angeblich diskutierten zehn Milliarden Dollar nicht äußern. Der kalifornische Richter Vince Chabria, der Feinberg als Mediator eingesetzt hatte, rief die Beteiligten diese Woche wegen der vielen Spekulationen dazu auf, die Verhandlungen geheim zu halten.

    Im Falle einer Einigung sehen zahlreiche Analysten – je nach Höhe der Entschädigungssumme an die Kläger – noch deutlich Luft für den Aktienkurs. So schätzte Alistair Campbell vom Investmenthaus Liberum vor einer Woche, dass immer noch eine Belastung von rund 25 Milliarden Euro in den Aktienkurs eingepreist sei, was mehr sein dürfte, als Bayer am Ende wohl zahlen wolle und vielleicht werde.

    Mehr: Wegen Monsantos Glyphosat-haltigem Unkrautvernichter Roundup kommen dieser Tage drei neue Klagen vor Gericht. Anwalt Feinberg soll einen Vergleich aushandeln.

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