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Corona-Bekämpfung Astra-Zeneca-Impfstoff zu 70 Prozent wirksam – Dosierungsfehler könnte sich als Glück erweisen

Nach Biontech/Pfizer und Moderna meldet auch Astra-Zeneca positive Daten für einen Corona-Impfstoff. Die Wirksamkeit scheint zwar geringer zu sein, das Mittel hat aber andere Vorteile.
23.11.2020 Update: 23.11.2020 - 19:49 Uhr Kommentieren
Immer mehr Unternehmen vermelden positive Ergebnisse bei der Suche nach einem effektiven Impfstoff. Quelle: Reuters
Astra-Zeneca

Immer mehr Unternehmen vermelden positive Ergebnisse bei der Suche nach einem effektiven Impfstoff.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca hat als drittes Unternehmen positive Daten für einen Corona-Impfstoff-Kandidaten vorgelegt. Allerdings kann die Wirksamkeit des britischen Impfstoffs offenbar nicht mit den Vakzinen von Biontech und Moderna mithalten.

Astra-Zeneca meldete für den in Kooperation mit der Universität Oxford entwickelten Impfstoff eine durchschnittliche Wirksamkeit von 70 Prozent. Dabei fasste das Unternehmen Daten aus zwei unterschiedlichen Dosierungen zusammen. Wenn zwei volle Dosen im Abstand von mindestens einem Monat verimpft wurden, konnte laut Astra-Zeneca das Infektionsrisiko um 62 Prozent gesenkt werden. Wurde bei der ersten Impfung nur eine halbe Dosis verabreicht, ergab sich eine Wirksamkeit von 90 Prozent.

„Der Grund, warum wir die halbe Dosierung genommen haben, ist ein glücklicher Zufall“, sagte Mene Pangalos, Chef der nicht-krebsbezogenen Forschung und Entwicklung bei Astra-Zeneca, der Nachrichtenagentur Reuters. Kurz nachdem Astra-Zeneca sich mit der Universität Oxford Ende April bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Corona zusammentat, wurde das Mittel in Großbritannien an Probanden getestet, wie Pangalos erzählte. Die Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- oder Armschmerzen seien milder als erwartet gewesen.

„Also sind wir nochmal an den Anfang gegangen und haben gecheckt.“ Dabei sei herausgekommen, dass die Dosierung halb so hoch wie vorgesehen war. Weil man den Test mit diesen Personen aber nicht abbrechen wollte, habe man mit einer zweiten Impfung mit der vollen Dosierung weitergemacht.

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    Dass eine geringere Impfdosis eine höhere Erfolgsrate hat, sei „zunächst nicht einleuchtend“, sagte Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Klinik für Innere Medizin an der Uniklinik Köln. „Ist das ein rein zufälliger Effekt? Oder gibt es immunologische Faktoren, die dies begründen? All das wissen wir derzeit noch nicht.“ Um den Effekt besser einschätzen zu können, seien weitere Datensätze erforderlich.

    Sarah Gilbert, Professorin für Impfstoffforschung der Universität Oxford, erklärte, dass die Forscher dazu nun in die Detailanalyse der Daten einsteigen werden. Ein Erklärungsansatz dafür könnte die verwendete Impfstofftechnologie selbst sein: Der Wirkstoff AZD1222 von Astra-Zeneca beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen.

    In dieses Virus wurde der genetische Code für das sogenannte Spike-Protein eingebaut, das sich auf der Oberfläche des Sars-CoV-2-Virus befindet. Der Körper entwickelt nicht nur eine Immunantwort auf das Sars-CoV-2-Virus sondern auch Antikörper gegen das Adeno-Virus. Bei geringerer Impfstoffmenge könnte es also sein, dass weniger Antikörper gegen das Adeno-Virus gebildet werden, was sich insgesamt günstiger auf die Entwicklung einer Immunantwort gegen das Sars-CoV-2-Virus auswirken könnte.

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    Clemens Wendtner, Chefarzt für Infektiologie der Klinik Schwabing in München wertet die Daten von Astra-Zeneca insgesamt als „weitere gute Nachricht“ aus der Impfstoffentwicklung. „Die veröffentlichten Daten lassen eine baldige Impfung für große Teile der Weltbevölkerung wahrscheinlich werden“, so Wendtner.

    Die Wirksamkeit der Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna liegt für Doppelimpfungen jedenfalls höher, nach vorläufigen Daten bei rund 95 Prozent. Damit deutet sich erstmals an, dass die Impfstoffe auf Basis der Messenger-RNA, wie sie von Biontech und Moderna entwickelt wurden, therapeutische Vorteile gegenüber etablierten Technologien bieten könnten.

    Lagerung bei Kühlschranktemperaturen

    Auch wenn die Effektivität insgesamt ein wenig geringer erscheine als mit mRNA-Impfstoffen, habe der Impfstoff von Astra-Zeneca einen großen Vorteil, meint Infektiologe Wendtner „Er ist robust und einfach in der Handhabung, quasi die Arbeitsbiene unter den potenziell verfügbaren Impfstoffen gegen Covid-19“, so der Mediziner.

    Der Impfstoff von Astra-Zeneca ist im Kühlschrank bei einer Temperatur von zwei bis acht Grad sechs Monate haltbar und braucht keine aufwendigen Kühlketten. Das Vakzin von Biontech etwa muss über längere Zeiträume bei minus 70 Grad gelagert werden.

    Wie Astra-Zeneca und die Oxford Universität mitteilten, sei der Impfstoff in beiden Dosierungen gut vertragen worden und habe keine ersthaften Sicherheitsprobleme gezeigt. „Die Daten markieren einen wichtigen Meilenstein im Kampf gegen die Pandemie“, erklärte Astra-Zeneca-Chef Pascal Soriot. Der Impfstoff werde einen unmittelbaren Effekt auf die öffentliche Gesundheitsnotlage haben.

    Das Unternehmen will auf Basis der Daten nun Zulassungsanträge bei allen Behörden rund um den Globus vorbereiten, die Verfahren für bedingte Zulassungen etabliert haben. Bedingte Zulassungen erlauben es, Arzneimittel noch vor Abschluss der vollständigen klinischen Prüfung auf den Markt zu bringen.

    In Europa lauft bereits ein sogenanntes rollierendes Zulassungsverfahren. Ein weiteres Ziel sei die Aufnahme auf die Notfall-Liste der WHO, um eine beschleunigte Verfügbarkeit in Entwicklungsländern zu ermöglichen. Gespräche mit der für die US-Zulassung zuständigen Gesundheitsbehörde FDA sollen noch diese Woche beginnen.

    Insgesamt sind die Daten der Briten bisher weniger umfangreich als die Informationen der beiden Konkurrenten aus dem mRNA-Lager. Zwar ist Astra-Zeneca dabei, den Impfstoff an weltweit insgesamt 60.000 Studienteilnehmern zu prüfen – getestet wird das Produkt unter anderem in den USA, in Japan, Russland, Südafrika, Kenia und Lateinamerika.

    Daten noch „schwer zu interpretieren“

    Die jetzt vorgelegten Daten basieren allerdings auf der Behandlung von 11.636 Studienteilnehmern in Großbritannien und Brasilien. Demgegenüber hat Biontech bereits Daten über knapp 44.000 Probanden und Moderna über gut 30.000 Teilnehmer. Die beiden Firmen haben zudem detailliertere Zahlen zu Nebenwirkungen veröffentlicht.

    Astra-Zeneca-Vorstandschef Soriot zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass der Impfstoff im Kampf gegen Covid-19 eine enorme Rolle spielen wird. Der britische Konzern will zusammen mit verschiedenen Produktionspartnern bis zum Jahresende bereits ein paar Hundert Millionen Dosen produzieren, im nächsten Jahr sollen dann bis zu drei Milliarden Einheiten des Impfstoffs produziert werden.

    Astra-Zeneca hat bereits Lieferverträge mit verschiedenen Ländern über insgesamt mehr als eine Milliarde Dosen vereinbart. Unter anderem hatte auch die EU vorab 300 Millionen Dosen geordert, mit der Option, bei Bedarf zusätzlich weitere 100 Millionen Einheiten zu beziehen.

    Während der Pandemie will Astra-Zeneca den Impfstoff zum Selbstkostenpreis abgeben. Die Aktie des Pharmaunternehmens profitierte am Montag jedoch nicht von den Impfstoff-Nachrichten. An der Londoner Börse sank der Kurs bis zum Nachmittag um 1,7 Prozent.

    Mehr: Die Impfstoffentwicklung lässt die Wertpapiere beteiligter Unternehmen in die Höhe schnellen. Interessanter ist für Investoren aber das breitere Forschungsprogramm.

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