Pharmabranche: US-Universität verklagt Biontech – schon 1,6 Milliarden Dollar gezahlt
Die Hochschule sagt, Biontech schulde ihr einen höheren Anteil an den weltweiten Impfstoffverkäufen. Begründet wird dies mit der Nutzung „grundlegender“ mRNA-Erfindungen der Professoren und Nobelpreisträger Katalin Kariko und Drew Weissman.
Eine Biontech-Sprecherin erklärte, es gehe um „nicht exklusive Rechte“ an bestimmten US-amerikanischen und europäischen Patentanmeldungen der Uni. Über bestimmte Vertragsaspekte herrsche Uneinigkeit. Dabei gehe es vor allem um die Grundlage für die Berechnung von Lizenzgebühren der Verkäufe des Vakzins.
Biontech produziert in Europa und den USA
Der Kern des Disputs liegt darin, dass die Universität Lizenzzahlungen für alle Impfstoffe verlangt, die in Europa oder den USA hergestellt worden sind. Biontech allerdings sieht Zahlungen nur für nötig für die Mittel an, die dort verkauft wurden.
Biontech produziert alle Mittel in Europa und den USA – verkauft oder spendet sie aber weltweit. Das Unternehmen veröffentlicht keine regionale Aufteilung der Comirnaty-Verkäufe. Der Großteil dürfte aber auf die USA, Europa und Länder wie Japan oder Singapur entfallen.
Zwischen 2021 und 2023 hat Biontech mindestens 1,6 Milliarden Dollar an Lizenzgebühren für den Impfstoff an die Universität bezahlt. Das geht aus einer Analyse der Tageszeitung „Philadelphia Inquirer“ von Daten der US-Versicherer Medicare und Medicaid hervor. Diese sammeln Transaktionen von Pharma- und Medizintechnikunternehmen an Gesundheitsdienstleister und Lehrkrankenhäuser.
2021 erwirtschaftete Biontech mit Comirnaty insgesamt knapp 19 Milliarden Euro, 2022 waren es 17,3 Milliarden Euro. Mittlerweile sinken die Umsätze immer weiter: 2023 waren es nicht einmal vier Milliarden Euro, in diesem Jahr bisher nur 316 Millionen Euro.
Biontech betont, dass für das Unternehmen „gegenseitiger Respekt und Fairness grundlegende Prinzipien ihrer Kooperationen“ seien. Deshalb sei das Unternehmen seit über einem Jahr in Gesprächen mit der Hochschule. „Wir widersprechen der Darstellung der Universität von Pennsylvania und werden unseren Standpunkt entschieden verteidigen“, erklärte die Sprecherin.
Laut Klageschrift erhielt Biontech 2017 über ein anderes Unternehmen eine Unterlizenz für die Technologie der Universität. Diese sei dann für die Entwicklung von Comirnaty mit Pfizer genutzt worden. Pfizer ist in diesem Fall nicht Beklagter.
Bei dem Streit geht es vor allem um Lizenzen für die Grundlagen zur Modifikation von mRNA, einem Transportmolekül für Protein-Baupläne. Dafür hatten Karikó und Weissman im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Medizin erhalten. Von 2013 bis 2022 arbeitete Karikó als Vizepräsidentin bei Biontech.
Bei der Corona-Impfung wird dem Patienten mRNA in einer Schutzhülle aus Lipid-Nanopartikeln gespritzt. Die Körperzellen nehmen die mRNA auf und produzieren sogenannte Spike-Proteine, durch die das Immunsystem aktiviert wird und Antikörper gebildet werden.
Bei der nun in Frage stehenden Technologie wird die mRNA so verändert, dass sie keine Immunreaktion auslöst und zu vermehrter Proteinproduktion führt. Das führt dazu, dass die Nebenwirkungen geringer sind und das Vakzin gleichzeitig besser wirkt.
Sowohl Biontech als auch Moderna hatten bei der Impfstoffentwicklung auf modifizierte mRNA gesetzt und hatten damit Erfolg. Das Tübinger Unternehmen Curevac hingegen, das bei der Entwicklung des Corona-Vakzins scheiterte, nutzte unmodifizierte mRNA – wohl auch weil ihm damals die Lizenzen für die entscheidenden Grundlagen-Patente der University of Pennsylvania fehlten.
Der Rechtsstreit reiht sich in eine Serie von Patentstreitigkeiten um Covid-19-Impfstoffe ein und könnte erhebliche finanzielle Folgen für den Impfstoffhersteller haben.
Mit Agenturmaterial