Dirk Hoke: Volocopter-Chef wechselt zu Voith
Stuttgart. Der schwäbische Anlagenbauer Voith hat einen neuen Chef gefunden. Der bisherige Volocopter-Chef Dirk Hoke soll spätestens zum 1. April 2025 die Führung des Familienunternehmens aus Heidenheim übernehmen. Das teilte der Gesellschafterausschuss unter Vorsitz von Dirk Russwurm am Freitag mit.
Der bisherige Konzernchef Toralf Haag hatte im März angekündigt, dass er seinen Ende August ausgelaufenen Fünf-Jahres-Vertrag nicht verlängert. Bis zum Start von Hoke übernimmt Andreas Endters, zusätzlich zu seinen Aufgaben als Chef des Papiergeschäfts die kommissarische Leitung des Konzerns.
„Mit seiner umfassenden Industrieerfahrung und seiner herausragenden interkulturellen Kompetenz wird Dirk Hoke das Unternehmen konsequent auf die Zukunft ausrichten, die Ertragskraft weiter steigern und die Positionierung von Voith als global agierendes Technologieunternehmen stärken", sagte Aufsichtsratschef Russwurm.
Voith steckt mitten in einer schwierigen Transformation
Das 1867 gegründete Unternehmen mit 22.000 Beschäftigten und zuletzt 5,5 Milliarden Euro Jahresumsatz steckt noch mitten in einer schwierigen Transformation. Die einstige Domäne, große Papiermaschinen für Zeitungsdruck, hat mit der Digitalisierung massiv an Bedeutung verloren.
Zuletzt wuchs der Konzern, aber große strategische Sprünge konnte Voith nicht mehr vermelden. Seit zehn Jahren stagniert der Umsatz bei etwa fünf Milliarden Euro, während andere Technologieunternehmen in Baden-Württemberg wie Carl Zeiss oder Trumpf im vergleichbaren Zeitraum massiv gewachsen sind. Unter Hoke soll Voith wieder mehr Gewicht und Bedeutung bekommen.
Anschließend übernahm Hoke die Leitung der Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus. Seit September 2022 war er Chef des Flugtaxientwicklers Volocopter. Mit seiner Erfahrung in der Luftfahrtbranche sollte er helfen, die Zulassung für die elektrischen Senkrechtstarter zu erhalten.
Flugtaxis bleiben umstritten
Hoke agierte allerdings zuletzt glücklos. Vergeblich versuchte er, in Baden-Württemberg und Bayern Staatshilfe zu bekommen. Der Manager trat dabei ungewöhnlich direkt auf. Zwischenzeitlich warnte er sogar vor einer drohenden Insolvenz. Auch intern gegenüber der Belegschaft soll Hoke durchaus fordernd sein. Sein Auftrag lautete, das Startup zu professionalisieren.
Vergangene Woche wurde bekannt, dass er das Bruchsaler Unternehmen zum Februar „aus persönlichen Gründen“ verlässt. Jetzt wird klar, dass ihn eine andere Aufgabe lockte. Bei Volocopter hat der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche nun die Führung des Beirats übernommen und muss gleich einen neuen Firmenchef suchen.
Flugtaxi-Unternehmen sind umstritten. Während Teile der Politik in den Geräten eine für den Standort Deutschland wichtige Technologie sehen, kritisierten Wirtschaftswissenschaftler die Flugtaxis jüngst als zu teuer und ineffizient.
Volocopter wollte eigentlich zu den Olympischen Spielen in Paris Passagiere transportieren, es reichte schließlich aber nur zu Demonstrationsflügen. Es fehlte die Zulassung der europäischen Luftfahrtbehörde EASA. Stattdessen flog Volocopter mit einem Demonstrator, denn auch das geplante Serienmodell wurde nicht rechtzeitig fertig.