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EnergiewendeGriechenland beendet die Epoche der Kohleverstromung

In einem ehemaligen Tagebau im nordgriechischen Makedonien entstehen der größte Photovoltaik-Cluster Europas und ein Giga-Rechenzentrum. Beteiligt ist auch ein deutscher Energieversorger.Gerd Höhler 13.01.2026 - 08:15 Uhr Artikel anhören
Kraftwerk Agios Dimitrios: Bis 2024 wurde hier Kohlestrom produziert, nun soll an diesem Standort ein großes Rechenzentrum entstehen. Foto: AFP

Athen. Eine Epoche geht zu Ende: Griechenland, das noch in den 1990er-Jahren rund 80 Prozent seines Stroms aus Braunkohle erzeugte, wird im Laufe dieses Jahres die letzten verbliebenen Kohlekraftwerke vom Netz nehmen.

Mit dem Ausstieg beginnt zugleich eine neue Ära für die Braunkohleregionen im Nordwesten des Landes. Der überwiegend staatlich kontrollierte Stromerzeuger Public Power Corporation (PPC Group) entwickelt dort ein Energie- und Technologiezentrum mit dem Namen „West Macedonia Valley“. Ziel ist nicht nur der Ausbau erneuerbarer Energien beim Strommix, sondern auch der Einstieg in den vielversprechenden Markt für Rechenzentren.

In den kommenden drei bis fünf Jahren will die PPC insgesamt 5,75 Milliarden Euro in die Umnutzung der früheren Braunkohleareale investieren. „Unsere Vision ist es, die Region zu einem grünen Energie- und Technologiezentrum für Griechenland und Südosteuropa zu machen“, sagt Georgios Stassis, Präsident und CEO der PPC Group.

PPC errichtet in den ehemaligen Tagebauen derzeit den größten Photovoltaik-Komplex Europas mit einer Gesamtleistung von 3,15 Gigawatt (GW). Zudem plant PPC den Bau eines Rechenzentrums an einem ehemaligen Kraftwerksstandort. Im Endausbau könnte die Anlage mit einer Leistung von 1000 Megawatt (MW) zu den größten in Europa zählen. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis spricht von einem Projekt, das „nicht nur europäische, sondern globale Bedeutung“ habe.

Mitsotakis hatte den Kohleausstieg bereits zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2019 zur Chefsache erklärt. Damals lag der Anteil der Braunkohle an der Bruttostromerzeugung noch bei 32 Prozent. Heute sind es rund fünf Prozent – mit weiter fallender Tendenz. Das mit Braunkohle befeuerte Dampfkraftwerk Agios Dimitrios nahe der Stadt Kozani soll Ende Mai stillgelegt werden. Bis zum Jahresende geht auch das letzte dann noch verbliebene Kohlekraftwerk vom Netz, der Kraftwerksblock Ptolemaida V in Westmakedonien mit einer Leistung von 660 MW.

Solarpark im alten Kohlerevier: Griechenland will ein Energie- und Technologiezentrum von internationaler Bedeutung werden. Foto: PR

Ptolemaida V wird auf Erdgasbetrieb umgerüstet und für eine spätere Nutzung von Wasserstoff vorbereitet. Ende 2027 soll das Werk als Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk (GuD) wieder ans Netz gehen. Bei dieser Technologie wird die Abwärme der Gasturbine genutzt, um in einem nachgeschalteten Dampfkreislauf zusätzlichen Strom zu erzeugen. Der Gesamtwirkungsgrad steigt dadurch deutlich.

Der Anteil erneuerbarer Energien – Solar-, Wind- und Wasserkraft – liegt in Griechenland bei rund 50 Prozent und soll durch die neuen Solarprojekte in Westmakedonien weiter zunehmen. Rund 940 Millionen Euro investiert PPC zudem in Energiespeicher.

Geplant sind Pumpspeicherwerke in ehemaligen Braunkohlegruben sowie Batterien mit einer installierten Gesamtleistung von 1160 MW. Sie sollen die wetterbedingten Schwankungen erneuerbarer Energien ausgleichen und eine gleichmäßigere Stromverteilung über den Tag hinweg ermöglichen.

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An der Umnutzung der Kohlegruben ist auch der deutsche Energieversorger RWE beteiligt. Gemeinsam mit PPC Renewables gründete RWE das Joint Venture Meton Energy S.A. Im ehemaligen Braunkohletagebau Amyntaio in Westmakedonien hat das Konsortium bereits neun Solarparks mit einer Gesamtleistung von 940 MWp fertiggestellt. Zwei weitere Solarprojekte mit zusammen 567 MWp wollen RWE und PPC 2027 in Zentralmakedonien ans Netz bringen.

Braunkohlerevier Ptolemaida: Das Kraftwerk Ptolemaida V wird auf Erdgas umgerüstet. Foto: picture alliance / ANE

„In Zentralmakedonien gestalten wir eine nachhaltige Zukunft“, sagt Konstantinos Mavros, CEO von PPC Renewables. „Unsere Zusammenarbeit mit RWE ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was wir gemeinsam erreichen können.“

Ein Kraftwerk wird zum Rechenzentrum

Der grüne Strom aus den früheren Bergbaugebieten soll nicht nur den Bedarf von rund 715.000 Haushalten und Unternehmen decken, sondern auch den Betrieb von energieintensiven Rechenzentren ermöglichen.

Eine Schlüsselrolle spielt das geplante Datacenter im ehemaligen Kraftwerk Agios Dimitrios. Die Investitionssumme wird auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt. PPC will mit dem Bau beginnen, sobald entsprechende Vereinbarungen mit den Hyperscalern getroffen sind, den großen Anbietern von Cloud-Computing-Diensten, die das Zentrum nutzen sollen. Der erste Bauabschnitt mit einer Leistung von 300 MW könnte 2027 fertiggestellt werden.

Die ehemaligen Braunkohlereviere gelten als idealer Standort für großskalige Technologieinfrastrukturen. PPC verfügt dort über sofort nutzbare Industrieflächen ohne Genehmigungshindernisse. Hinzu kommen reichhaltige Wasserressourcen für den Kühlbedarf des Rechenzentrums, erfahrenes Personal mit Know-how in Großprojekten sowie leistungsfähige Hochspannungsnetze.

Mit PPC FiberGrid verfügt die PPC Group außerdem über eine ultraschnelle Konnektivität mit internationalen Datennetzen. „Die Region wird sich mithilfe von Technologie neu erfinden“, sagt PPC-Chef Stassis. „PPC ist Powertech – und ihr Herz wird in Westmakedonien schlagen.“

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Erstpublikation: 12.01.2026, 12:27 Uhr.

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