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IG Metall„Wir sind erst am Beginn der großen Auseinandersetzungen“

Die neue Gewerkschaftschefin in Baden-Württemberg übernimmt die Führung in einer heiklen Umbruchphase der Autoindustrie. Beim ersten Auftritt zeigt sie sich kampfbereit.Martin-W. Buchenau 31.01.2024 - 16:23 Uhr
Barbara Resch ist die neue Chefin des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg. Foto: dpa

Stuttgart. Die neue starke Frau im schwäbischen Auto-Bundesland hat ihren ersten Auftritt vor der Presse für ein deutliches Signal an die Arbeitgeber genutzt: „Wir werden den Konflikt nicht mit dem Wattebausch lösen“, sagte Barbara Resch angesichts der geplanten Streichung von Tausenden Stellen vor allem bei Autozulieferern.

Seit diesem Donnerstag, ihrem 49. Geburtstag, ist sie Chefin der IG Metall in Baden-Württemberg, der Heimat von Mercedes-Benz, Porsche, Bosch, ZF und Mahle. Der wichtige Bezirk wurde in der Vergangenheit von Gewerkschaftsgrößen wie Willi Bleicher, Franz Steinkühler, Berthold Huber oder Jörg Hofmann geführt – alle haben IG-Metall-Geschichte geschrieben. Sie übernimmt die Führung von Roman Zitzelsberger, der sich nach zehn Jahren zurückzieht.

Resch wird in den kommenden Monaten direkt gefordert sein. Die Gewerkschafterin gilt als besonnene Verhandlerin, „die sehr konsequent die Interessen ihrer Mitglieder vertritt, die aber auch bereit ist für pragmatische und kluge Lösungen“, lobt sogar Joachim Schulz, Chef des Arbeitgeberverbands Südwestmetall.

Resch lässt sich aber von Zuspruch nicht sonderlich beeindrucken: In vielen Unternehmen seien die strategischen Fragen zu spät gestellt worden. „Wir sind jetzt erst am Beginn der großen Auseinandersetzungen“, erklärte Resch und mahnte die Unternehmen, Beschäftigung im Land zu halten.

Zumindest bei den großen Autozulieferern gibt es weitgehende Vereinbarungen zur Standortsicherung, die zumindest eine stärkere Einbindung der Arbeitnehmer in die Entscheidungen vorsehen. „Wir werden die Ergebnisse nicht nur zur Kenntnis nehmen. Wir werden auch den Konflikt nicht scheuen. Wir sind kampfbereit“, kündigte Resch an.

Bosch, ZF und Continental haben Stellenstreichungen angekündigt

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hatte zuletzt binnen weniger Wochen dreimal einen Stellenabbau angekündigt. Insgesamt summiert sich die Zahl auf 3200 Arbeitsplätze in Deutschland. Im Dezember hatte Bosch bereits angekündigt, 1500 Jobs in der Antriebssparte, maßgeblich in der Entwicklung, zu streichen, Mitte Januar dann weitere 1200 Stellen im Geschäft mit dem automatisierten Fahren.

In der vergangenen Woche folgten noch 500 weitere Stellen in der Sparte für elektronische Steuergeräte. Alles Bereiche, in denen Stellenabbau bisher ein Fremdwort war.

Auch bei den anderen großen deutschen Zulieferern herrscht vor dem Hintergrund der eklatanten Schwäche am Automarkt und dem schleppenden Umbruch zu Elektromobilität große Unruhe. Bei ZF schlug vor zwei Wochen der Betriebsrat Alarm, weil bis 2030 rund 12.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden könnten. Bei Continental soll eine mittlere vierstellige Zahl an Arbeitsplätzen in der kriselnden Autosparte wegfallen.

ZF-Beschäftigte marschieren aus Protest Mitte Januar zur Zentrale des zweitgrößten deutschen Autozulieferers.  Foto: werkfoto

Die gebürtige Bayerin mit schwäbischen Wurzeln ist seit über 23 Jahren in der IG Metall und war vornehmlich in Bayern tätig. Die ausgebildete Kommunikationselektronikerin kennt auch aus zwei kleineren Geschäftsstellen die Sorgen und Nöte in den hinteren Regionen der automobilen Lieferkette.

Seit fünf Jahren ist Resch in der Tarifkommission in Baden-Württemberg. Bislang saß sie auch im Aufsichtsrat von Elring-Klinger und kennt daher Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf bestens, der den Autozulieferer bis vor neun Monaten selbst führte.

Harte Tarif-Auseinandersetzungen stehen an

Die Gewerkschaft könne dazu beitragen, deutsche Standorte für neue Produkte wettbewerbsfähig zu machen, sagte Resch am Mittwoch. Allerdings müsse auch die Politik mit Investitionen helfen.

Der IG-Metall-Bundesvorstand fordert dazu ein staatliches Investitionsprogramm von 500 Milliarden Euro über zehn Jahre und eine Transformationskommission von Bund, Ländern, Unternehmen und Gewerkschaften.

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Roman Zitzelsberger, 57, zieht sich nach zehn Jahren an der Spitze der IG Metall in Baden-Württemberg zurück. Foto: dpa

Viele  Arbeitgeber begründen den Stellenabbau mit zu hohen Kosten. Resch sagte, gute Löhne und wettbewerbsfähige Produktion seien kein Widerspruch. Das hohe Tarifniveau in der Metall- und Elektroindustrie hat nach ihrer Ansicht für mehr Innovationen und steigende Produktivität gesorgt.

Höhere Löhne sollen auch im Mittelpunkt der im Herbst beginnenden Tarifrunde in der bislang wichtigsten deutschen Industrie stehen. Das dürfte auf harte Auseinandersetzungen hinauslaufen. Resch deutete am Mittwoch aber Kompromissbereitschaft an. Eine Verkürzung der Arbeitszeit sei in der jetzigen Situation nicht vordringlich, sagte sie.

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