Industrie: „Wäre ein wenig mehr Deutschland AG heute nicht hilfreich?“
Düsseldorf. Es war der ehemalige deutsche Außenminister Walther Rathenau, der von „300 Männern“ sprach, die die deutsche Wirtschaft prägen. Was bei Rathenau noch Metaphorik war, wurde später Realität. Der Berliner Autor Konstantin Richter hat herausgearbeitet, wie von etwa 1870 bis Mitte der Nullerjahre wenige Dutzend Männer des immer gleichen Typs die deutsche Industrie großmachten.
Männer wie Berthold Beitz und Alfred Herrhausen, Jürgen Schrempp und Thomas Middelhoff. Eng miteinander verbundene Manager, die die Führungsgremien der sogenannten Deutschland AG unter sich aufteilten – und auch ihr Ende besiegelten.
Ein Ende, das kulturell einen Fortschritt markierte. Und doch bis heute Probleme bereitet, sagt Richter. Weil auf die Deutschland AG keine neue Idee folgte und weil so eine identitätslose Riege an Großkonzernen entstand, die für wenig steht – und in der Breite der Bevölkerung eher Gleichgültigkeit denn Respekt auslöst. Thesen genug also für ein Gespräch.